Sehnsucht nach Gerechtigkeit

  • Die Schiedsrichter demonstrierten Uneinigkeit. Touchdown oder Interception? Am Ende einigte man sich kurioser Weise auf Touchdown.

    Die Schiedsrichter demonstrierten Uneinigkeit. Touchdown oder Interception? Am Ende einigte man sich kurioser Weise auf Touchdown.

US-Football-Liga versinkt ohne Profi-Referees im Chaos - Sturm der Entrüstung nach jüngster Fehlentscheidung

New York - Murphy's Law, wonach alles, was schiefgehen kann, auch schiefgehen wird, hat die National Football League (NFL) fest im Griff. In nahezu jeder Partie der noch jungen Saison stehen die Schiedsrichter im Mittelpunkt. Allesamt sind sie zumeist überforderte Amateure, denn die 119 professionellen Referees wurden nach gescheiterten Vertragsverhandlungen von Commissioner Roger Goodell ausgesperrt.

Der jüngste Skandal ereignete sich im Monday-Night-Game, das die Green Bay Packers bei den Seattle Seahawks durch einen klar irregulären Touchdown in letzter Sekunde mit 12:14 verloren. Seahawks-Quarterback Russell Wilson hatte beim Stand von 7:12 das Spielgerät in seiner Verzweiflung auf gut Glück aus 24 Yards Entfernung in die Endzone geworfen und mit seinem Pass sogar Wide Receiver Golden Tate gefunden. Doch gleichzeitig hatte auch Packers-Safety M. D. Jennings den Football in Händen. Die Partie endete in einem Tumult.

Die Abwesenheit der erfahreneren Siebener-Crews hat aber auch weit gravierendere Folgen. Fachleute stellen fest, dass die Partien unter der Leitung von Referees, die normalerweise in Amateur- und Kinderligen, aber auch in der beliebten Women Lingerie League wirken, brutaler geführt werden. Die Verletzungsgefahr nimmt zu und mit ihr der Druck auf Comissioner Goodell.

Bis zu 70.000 Dollar verdiente ein NFL-Schiedsrichter bisher je nach Position und Anzahl der Einsätze pro Saison. Die Mehrforderungen in puncto Gehalt und Pensionsvorsorge sollen sich auf insgesamt 60 Millionen Dollar belaufen. Zum Vergleich: Die NFL setzt pro Jahr 9,3 Milliarden Dollar um, der schlechtestbezahlte Profi kassiert 300.000 Dollar Fixum.

Prominente NFL-Fans haben jedenfalls die Nase voll. "Ich liebe es. Aber ich werde nie wieder auf NFL-Spiele wetten", sagte Tennislegende Jimmy Connors. "Der Sport wird getötet", klagte Golfprofi Bubba Watson. "Was für eine Farce. Ich werde mir erst wieder ein NFL-Spiel anschauen, wenn die richtigen Schiedsrichter zurück sind", twitterte NBA-Star Dirk Nowitzki. Dessen Teamkollege Chris Kaman schrieb: "Sorry, Jungs. Ihr habt es versaut, obwohl ein Zehnjähriger die richtige Entscheidung hätte treffen können." (sid, lü, DER STANDARD, 26.9.2012)

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