Athens Korruptionsjäger machen Ernst

Parlamentspräsident Evangelos Meimarakis, der zweite Mann im Staat, steht unter Geldwäsche-Verdacht. Nun lässt er sein Amt ruhen

Athen - Der griechische Parlamentspräsident Evangelos Meimarakis, zweiter Mann im Staate Griechenland, lässt sein Amt wegen Korruptionsvorwürfen vorübergehend ruhen. Der Politiker werde "seine Stellvertreter einberufen und sie bitten, ihn zeitweise zu vertreten, bis der Untersuchungsbericht fertiggestellt ist", teilte das Büro des Parlamentspräsidenten am Montag mit. Die Zeitung "Real News" hatte den Vertreter der konservativen Partei Nea Dimokratia (ND) von Ministerpräsident Antonis Samaras am Sonntag Geldwäsche bei Immobiliengeschäften vorgeworfen.

Meimarakis und zwei weitere frühere Minister wiesen die Vorwürfe zurück. Dem Bericht zufolge wuschen sie und mehrere andere Politiker von 2005 bis 2008 insgesamt mehrere Milliarden Euro durch ihre Geschäfte. Neben Meimarakis, der früher Verteidigungsminister war, wurde unter anderem der ehemalige Minister Georgios Voulgarakis genannt, der 2008 wegen der Verwicklung seiner Frau in einen umstrittenen Landtausch zwischen dem Staat und einem einflussreichen orthodoxen Kloster zurückgetreten war.

Lebensstil im Visier

Ins Rollen kam die Affäre durch Recherchen der Behörde für die Verfolgung von Finanzverbrechen (SDOE), der griechischen Steuerfahndung. Sie durchleuchtet seit Anfang des Jahres den Lebensstil und die Vermögensverhältnisse zahlreicher Politiker. Der griechischen Politik wird sowohl im eigenen Land als auch im Ausland regelmäßig ein hohes Maß an Korruption vorgeworfen. Finanzminister Giannis Stournaras hatte in der vergangenen Woche verkündet, die Behörden untersuchten die Geschäfte und Steuererklärungen von 32 Politikern, Gemeindevertretern und anderen ranghohen Staatsbediensteten.

Einen Schritt weiter ist man bei Apostolos-Athanassios Tsochatzopoulos, lange Jahre ein enger Vertrauter des Linkssozialisten Georgiou Papandreou, bis 2004 sieben Mal Minister und zeitweilig als Nachfolger Papandreous im Amt des Partei- und Regierungschefs im Gespräch. Auf dem Höhepunkt seiner Karriere bezog er mit seiner jungen Frau ein klassizistisches Stadthaus in bester Lage gegenüber der Athener Akropolis. Seit sechs Monaten sitzt der 73-jährige Tsochatzopoulos allerdings im Hochsicherheitsgefängnis Korydallos bei Piräus.

Bluebell und Nobilis

Er soll laut "Handelsblatt" als Verteidigungsminister Schmiergelder bei der Vergabe von Rüstungsaufträgen kassiert haben. Auch die Gemahlin und mehrere mutmaßliche Komplizen, die Tsochatzopoulos bei der Geldwäsche über Briefkastenfirmen mit hübschen Namen wie „Bluebell" und „Nobilis" geholfen haben, sitzen in Untersuchungshaft.

Regierungschef Antonis Samaras hatte bei seinem Amtsantritt im Juni der illegalen Bereicherung den Kampf angesagt. Die jetzt eingeleiteten Ermittlungen könnten allerdings auch seine Nea Dimokratia in Verlegenheit bringen. Laut "Handelsblatt" konzentrieren sich die Ermittlungen auf sieben frühere und aktive Politiker, darunter ehemalige Minister. Drei der Verdächtigten sollen der ND angehören, vier der sozialistischen Pasok, die Samaras‘ Regierung mitträgt. (Reuters/red, derStandard.at, 25.9.2012)

Share if you care
Posting 1 bis 25 von 47
1 2
Warum rüstet man nicht in allen Krisenstaaten die Steuerbehörden massiv personell und technologisch auf, begleitet von intern. Experten und nimmt sie von den allgemeinen Gehaltskürzungen aus? Das wäre eine lohnende Investition!

Jetzt ist mir endlich klar warum die griechische Regierung kein Sparpaket zustande bringen. Zuerst sitzen sie zusammen und schreiben auf wo gespart werden kann. Dann, weil es eben schon zur Gewohnheit wurde, wird alles gewaschen und niemand findet es wieder.

Nur bei uns sitzt noch niemand.

Selbst Griechenland überholt uns in Sachen Justiz und Verantwortung.

Durchzug

Ziehen wir das in ganz Europa durch, haben wir kein Schuldenproblem mehr und der Wirtschaft gehts gut.

*In Österreich brauchts aber dennoch einen kompletten Reload, soweit kann man Hrn Stronach recht geben*

IST NICHT EUER ERNST ODER?

"Athens Korruptionsjäger machen Ernst"

wäre schön wenn unsere das auch mal täten...

Unser Geld sehen wir nicht mehr WETTEN !

schon wieder so eine unmoralische wette.....

war auch nie geplant...

Wenn die Griechen die Korruption und die Steuermoral in den Griff bekommen würden, dann hätten sie ein großes Stück des beschwerlichen Wegs geschafft.

Warum die Griechen das Angebot der Deutschen hinsichtlich Steuerexperten ausgeschlagen haben, verstehe ich nicht.

ich schon !!!!!!!!!!!!!

Hatten sie schon mal das Vergnügen mit deutscher Steuer in Berührung zu kommen? Es ist erstaunlich wie man eine grundsätzlich einfache Besteuerung so verkomplizieren kann, dass sie kaum mehr überschaubar ist, am Ende aber eh wieder das gleiche rauskommt.

Das Deutsche Steuersystem gehört zu jenen Dingen, die die Welt nicht braucht...

Welches Steuersystem ist nicht kompliziert? Dafür sind sie effizient.

Sie wollen doch gar nicht, sondern weiter in unseren Taschen hängen ! Das ist halt so ihre Mentalität ....

Einziger Ausweg:

GR raus aus dem EURO und der EU - oder überhaupt den hypertrophen Laden in Brüssel schließen!

Sie wollen schon, haben allerdings ein sehr großes Problem mit einer extremen Korruption in den obersten Politetagen, und versuchen dort gerade Ordnung einzubringen. Wäre übrigens auch in Ö angebracht.

Genau aus dem gleichen Grund warum die Österreicher aus der Steuersünder CD die wir von den Deutschen bekommen haben, keine Konsequenzen gezogen haben. Nach dem Motto: Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus

Sehr schön geantwortet. Danke. :-)

Die ach so korrupten Griechen, wie sie von der braunen Fraktion gerne genannt werden, haben wenigstens noch einen funken Anstand und treten vorübergehend vom Amt zurück! In braunen Kreisen suhlt man sich aber bis zu Letzt im steuergeldfinanzierten Dreck.

LG

lol anstand? also als parlamentsfritze bekommt der sesselsitzer bestimmt einen schönen batzen geld fürs unnötige rumlungern den ganzen tag.
da dass aber anscheinend zuwenig ist, wird mal etwas geld 'nebenbei' verdient. wo sehen sie da anstand?

die ach so feinen schlipsträger sollten mal ein monat auf einer baustelle hackeln, dann wissen sie wie schön sie es im (vermutlich) klimatisierten büro beim nichtstun haben.

und die Hackler am Bau

sollten mal ein Monat im Management arbeiten. Spätestens beim ersten englischen Satz bzw. dem ersten Konzept wären sie wahrscheinlich überfordert

leichte differenzierungsprobleme?
keine rede von managment hier. geht bloss um einen politiker, und um den vergleich dass die anscheinend nicht abschätzen können wie gut es ihnen eigentlich geht. und das ist trotzdem noch vielen zu schlecht.

abgesehen davon dass die meisten politiker null tau von dem was sie machen. siehe schotter mitzi, zuerst innenministerin, einen tag später finanzministerin.

vollkommen egal, weil sie eh nur das nachplappern was sie von ihren experten vorgekaut bekommen.

die braune Fraktion...deren Schwarzen Freunde bitte nicht vergessen

Korruptionsjäger

ist aber als Singular zu verstehen.

Wenn bei uns Politiker, die unter Korruptionsverdacht stehen, zurücktreten würden ... würde das Land stillstehen.

bei

dem Arbeitsdrang würden wir das Monatelang nicht einmal bemerken... wetten? Im Gegenteil...

Wir hatten schon im Jahr 2000 ein halbes Jahr keine Regierung, gemerkt hat das (außer den Medien) niemand im Lande.

Posting 1 bis 25 von 47
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.