Wie Kino sein sollte

Stephanie Gründler, 25. September 2012, 17:53
  • All About Evil.
    foto: /slash

    All About Evil.

Eine mordslüsterne Kinobesitzerin zeigt das richtige Verhalten

Das Wochenende ist vorbei und man schlitzt fröhlich weiter. Clive Bakers blutrünstigen Cabal Cut von "Nightbreed" habe ich bedauernswerterweise nicht mehr geschafft, den zuvor gezeigten "All About Evil" allerdings schon. Angekündigt wurde der Film vom Regisseur himself, dem bereits erwähnten Joshua Grannell aka Peaches Christ. Kinofilme sollten immer so angekündigt werden! Ernsthaft, da wird einfaches ins Kino gehen wieder zu einem besonderen Anlass, man will sich wieder rausputzen, man macht sich fein, also raus mit dem Nerz, rein in die hohen Hacken, wir gehen ins Kino!

Peaches Christ hat mitsamt drei höchst motivierten Background-Tänzern (die Nurse vom Cosplay-Contest und, wenn ich mich nicht geirrt habe, kam Tetris als Nonne) eine heiße Sohle aufs Parkett des Filmcasinos gelegt und uns auch gleich mit ihrer ersten Hiphop-Nummer überrascht. Besser hätte man "All About Evil" nicht ankündigen können.

All About Evil

Ursprünglich ging es Deborah nur darum, das Victoria-Kino, das sie von ihrem Vater übernommen hatte, vor dem Verkauf zu retten. Dass sie den Verkauf durch den Mord an ihrer Mutter verhindert hat, war nur der Auftakt einer Mordserie, der das Victoria zum Hotspot der Gore-Fans macht. Und die Opfer fordern es ja richtig heraus - der Bibliothekarin wird kurzerhand der Mund zugenäht und das Spektakel als Warnung an die Zuseher verkauft: Während des Films nicht sprechen!

Ja, es gibt ungeschriebene Kinoregeln. Zum Beispiel, dass man die Füße nicht am Vordersitz abstützt. Auch wenn diese Haltung bequem sein mag, dem Vordermann ins Kreuz zu treten ist ein No-go. Selbiges gilt für läutende Mobiltelefone oder was noch schlimmer ist: Den eingehenden Anruf lautstark mit den Worten "Nein du, ich kann grad nicht, bin im Kino und der Film hat grad angefangen" zu beantworten. Ich hätte mein Nähzeug mitnehmen sollen. Was für ein inspirierender Film.

Montagabend war Dadaismus angesagt. "Tim And Eric's Billion Dollar Movie" geht wirklich weiter, als man es glauben (und sehen) möchte. Tim und Eric haben eine Milliarde Doller mit einem miesen Film in den Sand gesetzt und müssen nun das Geld an die Geldgeber zurückzahlen. Sie gründen kurzerhand die Dobis P.R., um der S'Wallow Valley Mall wieder zu Glanz und Gloria zu verhelfen, denn laut Werbung erhalten sie dafür eine Milliarde Dollar - wie passend. Dass dort kein Geld zu holen ist, ist schnell klar, aber das hindert die beiden nicht daran, es trotzdem zu versuchen.

Den Film möchte ich jedem empfehlen, der ein Fan von dadaistischen Komödien ist, dem vor nichts graust und der ohne mit der Wimper zu zucken seine frisch verlobte, gerade eben verstorbene Freundin als Schutzschild gegen einen Maschinengewehrhagel nutzen würde. Oder den quasi adoptierten Sohn als Ablenkungsmanöver in den Feuerhagel wirft. Oder mit der Freundin des besten Freundes schläft. (Stephanie Gründler, derStandard.at, 25.9.2012)

All About Evil (USA 2010)
Regie: Joshua Grannell
Mit: Natasha Lyonne, Thomas Dekker, Mink Stole, Ashley Fink
Lauflänge: 98 Min

Tim And Eric's Billion Dollar Movie (USA 2012)
Regie: Tim Heidecker, Eric Wareheim
Mit: Tim Heidecker, Eric Wareheim, Jeff Goldblum, Will Ferrell
Lauflänge: 93 Min

und fehlen Excision und god bless america, weils die sonntag nochmal spielt?

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