Wie man Wahlbetrug erkennt

24. September 2012, 21:13
  • Gibt es viele Wahlsprengel, bei denen die Wahlbeteiligung (y-Achse) und die Stimmen für den Wahlsieger (x-Achse) 100 Prozent ausmachen (Pünktchen rechts oben), deutet das auf Betrug hin. Jeweils rechts: Die "faire Verteilung"; Mitte: der Vergleich der tatsächlichen mit der "fairen" Verteilung. In Russland und Uganda wurde manipuliert, in der Schweiz sicher nicht.
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    grafik: klimek et al.

    Gibt es viele Wahlsprengel, bei denen die Wahlbeteiligung (y-Achse) und die Stimmen für den Wahlsieger (x-Achse) 100 Prozent ausmachen (Pünktchen rechts oben), deutet das auf Betrug hin. Jeweils rechts: Die "faire Verteilung"; Mitte: der Vergleich der tatsächlichen mit der "fairen" Verteilung. In Russland und Uganda wurde manipuliert, in der Schweiz sicher nicht.

  • Gibt es Abweichungen, "muss man genauer hinschauen".
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    grafik: klimek et al.

    Gibt es Abweichungen, "muss man genauer hinschauen".

Wiener Forscher finden auffällige systematische Abweichungen in Wahldaten und überführen Putin der Manipulation

Wien - "Das ist sicher eines unserer wissenschaftlich anspruchsloseren Papers", sagt der Physiker und Komplexitätsforscher Stefan Thurner mit einigem Understatement. Denn die neueste Publikation seines erfolgreichen Teams vom Institut für Wissenschaft komplexer Systeme der Medizinischen Universität Wien hat es immerhin in die angesehenen "Proceedings" der US-Nationalen Akademie der Wissenschaften (PNAS) geschafft. Und: der Artikel hat erhebliche politische Sprengkraft.

Thurner und seine Kollegen entwickelten nämlich eine statistische Methode, mit der sich deutliche Hinweise auf Wahlbetrug finden lassen - so etwa bei den russischen Präsidentenwahlen in diesem Frühjahr.

Auffällige systematische Abweichungen

Begonnen haben Erstautor Peter Klimek und Thurner ihre Arbeit, als sie im Vorjahr ein russischer Kollege gebeten hatte, einen Blick auf die Ergebnisse der umstrittenen russischen Parlamentswahlen 2011 zu werfen. Die Wissenschafter - geübt darin, in Daten systematische Trends zu entdecken - fanden in den russischen Wahldaten so auffällige systematische Abweichungen, "dass es wie ein Faustschlag ins Gesicht war", so Klimek. Nun haben sie auch bei den russischen Präsidentschaftswahlen ähnliche Anzeichen für Wahlbetrug gefunden, "das war gleich auffällig wie die Duma-Wahl 2011", sagte Thurner.

In der früheren Arbeit konzentrierten sich die Forscher noch auf eine gemäßigte Form des Wahlbetrugs ("ballot stuffing"), bei der eine begrenzte Zahl an vorausgefüllten Stimmzetteln in die Wahlurnen gesteckt wird. Nun haben sie die Methode auch um eine extreme Betrugsform ausgeweitet, bei der ganze Wahlurnen ausgetauscht oder schon vor der Wahl befüllt werden.

Das Modell der Wissenschafter analysiert für jeden Wahlkreis alle Möglichkeiten für diese beiden Parameter. "Das Ergebnis sind zwei Zahlen. Wenn beide Null sind, wurde nicht betrogen. Sind sie größer als Null, muss man genauer hinschauen", so Thurner. Denn es gibt auch natürliche Erklärungen von Abweichungen.

Natürliche Abweichungen

Als Beispiel nennt er die kanadische Provinz Quebec, wo es aufgrund des unterschiedlichen Wahlverhaltens der englisch- und französischsprachigen Bevölkerung zu "Ausschlägen" des statistischen Modells kommen kann, ohne dass Betrug im Spiel ist. "Wir können mit unserem Modell sagen, da gibt es eine Abweichung. Dann braucht es jemanden, der Verständnis für die Situation in dem betreffenden Land hat."

Warum der Komplexitätsforscher hervorhebt, dass es sich dabei um eine "wissenschaftlich anspruchslose Arbeit über das Zählen" handle, hat einen guten Grund: "Das Faktum, dass man im 21. Jahrhundert eine wissenschaftliche Arbeit über Zählen in einem guten Journal unterbringt, sagt etwas über den gegenwärtigen Umgang mit Demokratie aus", so Thurner, "eigentlich sollte man glauben, dass das Herzstück von Demokratien das bestgehütete, bestuntersuchte und am wenigsten korrumpierbare Ding ist." (APA, tasch, DER STANDARD, 25.9.2012)

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wie hat man das zu verstehen?

also wenn eine Region anders wählt als die benachbarte? also in Hessen hat die CDU über 40 % in Thüringen die Linke über 30 und die SPD unter 10% in Sachsen ist die SPD "Rest" . also der Osten wählt total anders als der Westen. Ostberlin wählt total anders als Westberlin.
ich glaub schon daß benachbarte Regionen sehr unterschiedlich sein können. und die Wahlbeteiligung auch von Stadt zu Stadt sehr unterschiedlich sein kann
siehe Bertelsmann Report über die Wahlbeteiligung

"Wir können mit unserem Modell sagen, da gibt es eine Abweichung. Dann braucht es jemanden, der Verständnis für die Situation in dem betreffenden Land hat."

Kurz gesagt, man kann es dann auslegen wie man will...

"In Russland und Uganda wurde manipuliert, in der Schweiz sicher nicht."
Die Schweiz hat eben geschicktere Wahlfälscher!^^

wissenschaftsredaktion gefordert!

liebe wissenschaftsredaktion!

zumindest zu wissen welche die x-& y-achse sollte drin sein (beschriftung der plots und text zu bilden widersprechen sich).
außerdem wäre nett, wenn auf die plots auch im text eingegangen werden würde. das sollte in der wissenschaftsredaktion schon drin sein.

falls not am mensch herrscht, ich helf gern aus!

Wenn man weiß, dass man "herkömmliche" Wahlmanipulation auf diese Weise erkennen kann, dann wird wohl künftig eine ausgefeiltere Manipulation zum Einsatz kommen, die auf diese Weise nicht mehr erkennbar ist.

Das ginge aber zu Lasten der Effizienz.

Woher weis man, wann welche Stimme abgegeben wurde?

naja neu ist das nicht

Hoffentlich leben die Wissenschaftler noch lange. Sehr mutig...Hut ab.

Hut ab vor dieser Wissenschaft!

Ja eh, aber 100% Stimmen für einen Kandidaten bei über 100%iger Wahlbeteiligung sind einfach suspekt. :)

Wetten, dass solche Studien...

garantiert nicht bei den anstehenden Wahlen in westlichen Ländern zum Einsatz kommen werden?

naja, wenn noch keine Stimmzettel abgegeben wurden, kann man schwer den Wahlausgang beurteilen

Also in der Studie oben sieht man bei den Auswertungen im Bild, dass zumindest für die Vergangenheit Österreich, Finnland, Spanien, Schweiz, UK und USA untersucht wurden.

Ja, und ich sagte bei ANSTEHENDEN Wahlen.

noch besser herr meyer!

dann gibts nämlich samples zum vergleichen, was das ganze noch sicherer macht,...

Was "steht denn an"? Weissrussland war gerade, wenn wir von westeuropäischen Ländern im Sinne von Fritz Meyer reden.

solche studien können auch erst NACH den wahlen stattfinden.

Und wo ist da der Widerspruch?

Mir ging's um die anstehenden Wahlen. Und nicht zu WELCHEM Zeitpunkt die Studien dafür gemacht werden.

"anstehend" bedeutet "kommend"

also kann eine studie nie bei anstehenden wahlen angewandt werden. maximal "nach" anstehenden.

er hat doch eh "zum Einsatz kommen _werden_" geschrieben. nicht, dass ich seine meinung teile, aber was er geschrieben hat, ist zumindest schlüssig.

Und warum sollten sich jetzt konkret die letzten Wahlen von den anstehenden Wahlen unterscheiden?

weil JETZT die Wahl manipuliert wird! Wenn Herr Meyer das so will, dann hat das zu passieren! =)

Bestechend an dem Abstract ist die Einfachheit der verwendeten Methoden. Zum Beispiel die triviale Gegenüberstellung von "% der Stimmen für den Gewinner" mit "% Wahlbeteiligung". Gerade in dieser Primitivität liegt die Genialität dieser Analyse.

Respekt!

schon lustig

genau dasselbe hab ich schon voriges jahr gelesen mit genau denselben bild als aufhänger.
ob es hier im standard war oder vieleicht auf science.orf.at kann ich nicht sagen.
auf jeden fall reichlich verspätet dieser artikel.

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