Ertragswert europäischer Wälder könnte deutlich sinken

6. Oktober 2012, 10:16
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Schweizer Forscher berechneten Verluste durch Nachrücken mediterraner Arten

Zürich - Der Klimawandel könnte den wirtschaftlichen Wert der europäischen Wälder bis ins Jahr 2100 halbieren. Die Einbußen würden je nach Szenario mehrere hundert Milliarden Franken betragen, berichtet ein internationales Forscherteam unter Schweizer Leitung im Fachblatt "Nature Climate Change".

Adieu Fichte, willkommen Korkeiche des Mittelmeerraums: Die Veränderungen von Temperatur und Niederschlag durch den Klimawandel werden die Wälder Europas immer stärker südländisch prägen. Die Baumartenverschiebung ist nicht nur für Tiere und Pflanzen prekär, deren Lebensraum schwindet, sondern auch für die Forstwirtschaft.

"Auf bis zu 60 Prozent der Waldfläche Europas könnten nur noch mediterran geprägte Eichenwälder mit niedrigem Ertragswert vorkommen", sagte Studienleiter Marc Hanewinkel von der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL.

Drei Szenarien für Europa

Das Forscherteam aus der Schweiz, Deutschland, Holland und Finnland hat anhand von wirtschaftlichen Kennzahlen für ganz Europa berechnet, wie hoch die zu erwartenden Verluste sein könnten. Sie modellierten hierfür die zukünftige Verteilung von 32 Baumarten auf der gesamten Waldfläche Europas, die etwa zwei Millionen Quadratkilometer beträgt. Als Rechenbasis dienten drei der offiziellen Szenarien zum Klimawandel des internationalen Klimarats IPCC - ein mildes, ein gemäßigtes und ein extremes.

Der Befund war deutlich: An Kälte und mäßig feuchte Böden angepasste Baumarten wie die Fichte, die heute einen großen Teil des wirtschaftlichen Werts der Wälder in Europa ausmacht, werden sich vor allem nach Nordeuropa und in die höheren Lagen der Alpen zurückziehen, schreiben die Forscher. Dafür rücken langsam wachsende, an Trockenheit angepasste mediterrane Arten wie die Kork- und Steineiche nach Norden vor. Sie könnten langfristig im Schnitt ein Drittel der Waldfläche ausmachen statt wie heute elf Prozent - beim stärksten Klimawandel-Szenario sogar zwei Drittel.

Ernte-Unterschiede und Klimabelastung

Der Unterschied, ob eine 30-Meter-Fichte oder eine nur zehn Meter hohe Eiche geerntet werden kann, ist enorm: Je nach Klimaszenario könnte der europäische Wald zwischen 14 und 50 Prozent an Wert verlieren. Europaweit bedeutet das Verluste von 72 bis 820 Milliarden Franken (59,45 Mrd. bis 677,13 Mrd. Euro). Der Wechsel der Baumarten wird außerdem das Klima belasten, denn die langsam wachsenden, mediterranen Wälder absorbieren weniger Kohlenstoff als die heutigen Wälder, wie die WSL schreibt.

Hinter solchen Prognosen stünden stets viele Annahmen, so Forstökonom Hanewinkel. Am unklarsten sei, ob die angenommenen Klimaszenarien tatsächlich so eintreten werden. Als Gegenmaßnahmen schlagen die Forscher vor, bei Anpflanzungen vermehrt außereuropäische oder mediterrane Baumarten zu wählen, die an Trockenheit und Wärme angepasst sind. Erfahrungen gibt es in West- und Mitteleuropa mit der Douglasie, in Frankreich mit der Atlas-Zeder und in Südeuropa mit diversen Föhren- und Eukalyptusarten. (APA, 6.10.2012)

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    Mit dem Klimawandel könnten mediterrane Arten wie die Korkeiche zunehmend in den Norden wandern.

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