Schumacher, Spott und Schaden

Michael Schumachers unglückliche Vorstellung vor und im GP von Singapur gibt jenen Argumente an die Hand, die den Rekordweltmeister für nicht konkurrenzfähig halten

Singapur - Die im Nachhinein gesehen schlimmste Nachricht ereilte Michael Schumacher schon vor dem Grand Prix von Singapur. Der Stadtstaat wird den Zirkus weitere fünf Jahre beherbergen, wird weitere fünf Jahre ein Nachtrennen organisieren. Sollte also Schumacher auch nach dieser Saison die Formel 1 schmücken, hat er ein Streichergebnis praktisch schon fix.

Dreimal ist der Rekordchampion seit seinem Comeback in Singapur gestartet, einmal endete das Unterfangen, Punkte zu holen, nach einer Kollision mit dem Sauber seines Landsmannes Nick Heidfeld auf Rang 13. Zweimal mündete es in schwerere Schäden am Mercedes. Dessen mittlerweile 43-jähriger Lenker soll Probleme mit dem Licht aus den 1500 Scheinwerfern haben, die die Strecke ausleuchten.

Im Vorjahr kostete das auch den Mexikaner Sergio Perez das Rennen, als Schumachers zu spät gebremster Silberpfeil über den rechten Hinterreifen von dessen Sauber abhob und in die Streckenbegrenzung krachte. Am vergangenen Sonntag fuhr der Deutsche ungespitzt in das Heck des Toro Rosso von Jean-Eric Vergne.

Der wohl auch leicht geschockte Franzose, mit 22 Jahren der jüngste Mann im Feld, nahm die Entschuldigung des Ältesten natürlich an. Die Stewards, die die Sache mit Perez im Vorjahr noch ungeahndet gelassen hatten, verziehen diesmal nicht. Schumacher muss in zwei Wochen den Grand Prix von Japan in Suzuka zehn Plätze hinter seiner im Qualifying erreichten Ausgangsposition in Angriff nehmen.

Die Degradierung kommt für Schumacher zum ungünstigsten Zeitpunkt. Schließlich wollen die Gerüchte nicht verstummen, dass Mercedes ganz gerne den britischen Einfachweltmeister Lewis Hamilton an Stelle des siebenmaligen Weltmeisters im Cockpit sitzen hätte. Schumacher, der die Entscheidung, ob er weitermacht, ganz gerne selber und ohne Druck treffen würde, schmerzt wohl eher der Spott, für den für gewöhnlich nicht sorgen muss, wer den Schaden hat.

Sekundenschlaf

Im Fahrerlager machte das Scherzchen die Runde, der alte Herr im allzu langsamen Mercedes sei vor seinem Unfall mit Vergne nur ein wenig eingenickt. Genüsslich wurde daran erinnert, dass "Schussel-Schumi" schon das ganze Wochenende über nicht souverän gewirkt habe. So habe er bei einem Pressetermin den Zeitunterschied zu Europa und die Punkte für Rang zwei nicht exakt beziffern können. Dass Schumacher, einem dringenden Bedürfnis folgend, vor dem Rennen die Trauerzeremonie für den verstorbenen Rennarzt Sid Watkins verpasst hatte, wurde als besonderer Fauxpas empfunden.

In der Presse schlug sich das völlig missglückte Wochenende des einst Unfehlbaren nicht ganz so gnadenlos nieder. "Schumachers siebter Ausfall in 14 Rennen mehrt die Diskussionen darüber, dass es für die alternde Legende Zeit wird aufzuhören", schrieb der Daily Mirror sachlich.

Die italienischen Gazetten widmeten sich eher dem Titelduell zwischen dem neuen Ferrari-Heros Fernando Alonso und Singapur-Sieger Sebastian Vettel. Der Doppelweltmeister schob sich mit seinem 23. Sieg unter die zehn erfolgreichsten Fahrer aller bisherigen Zeiten. Auf die Nummer neun, den legendären Argentinier Juan-Manuel Fangio, fehlt ihm nur noch ein Sieg. 68 Triumphe trennen Vettel aber von der Nummer eins, die wohl auf ewig Michael Schumacher gehört. (sid, lü; DER STANDARD; 25.9.2012)

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