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vergrößern 900x600Faszinierende Symbiose aus Kalligrafie und Miniaturmalerei: Ed Ruscha meint, beim Betrachten dieser Wiener Schrift von Georg Bocskay (1571-73) Violinenmusik zu vernehmen.
vergrößern 600x400Kuratiert aus dem Bauch heraus: Künstler Ed Ruscha.
Wien - Sie sind wie Wimmelbilder für Erwachsene: Lange kann man stehen und immer wieder Neues entdecken. Im Fall von Christus in der Vorhölle, ein düsteres, nur von Feuerschein erhelltes Gemälde, das ein Nachahmer von Hieronymus Bosch malte, sind die visuellen Funde allerdings von erlesenster Grausamkeit: Gehäutete oder in den Kochtopf gesteckte, arme Seelen, die tierische Folterknechte durch Trichter treiben oder über den Flammen rösten.
Ganz Cinematograph ist beim Betrachten hingegen Ed Ruscha (74), einer der wichtigsten in den Medien Fotografie, Malerei und Grafik tätiger Gegenwartskünstler. Verschiebe man den Bildausschnitt, regt er an, würde sich dort "noch viel mehr Aufruhr, noch viel mehr Hölle auftun". Ganz so, als ob das Gemälde eben nur Standbild aus einem Film über den unfassbaren Höllenkosmos sei.
Ein augenzwinkernder Blick auf die Kunstgeschichte, der den Kontext der Zeit einfach einmal außer Acht lässt und gut zu einem Zitat von Mark Twain passt: "Die Antike hat all unsere großartigen Ideen gestohlen", sagte dieser und forderte: "Und ich will sie zurück. Danke recht schön." Was dieses Zitat so charmant macht, ist nicht nur der, die Perspektive der Historie gnadenlos umstülpende Gedanke, sondern auch die Idee, dass alle guten Ideen wiederkehren - ob nun geklaut oder einem Gesetz der Wiederholung folgend.
Ed Ruscha, der nicht als Künstler, sondern als Kurator Gast im Kunsthistorischen Museum in Wien ist, greift auch bei seinem Ausstellungstitel auf das Zitat zurück: The Ancients Stole All Our Great Ideas. Es fiel nach einer langen Tour durchs Haus, beim Herumalbern mit KHM-Kurator Jasper Sharp. "Er hat meinen Stil gestohlen", beschwerte sich Ruscha etwa angesichts der Rubens-Porträts (Albrecht VII. und Infantin Isabella , ca. 1615) vor flammendem Hintergrund, die den Sonnenuntergangs-Hollywood-Szenarien seiner Bilder (etwa Back of Hollywood, 1977) gleichen.
Koyote und Klapperschlange
Das Twain-Zitat bringe auf den Punkt, wie die Arbeiten der Schau zusammenkamen: Intuition und Spontaneität sind die Zauberwörter. Ein sympathischer und erfrischender Zugang, weil er hierarchisierende und erzieherische Aspekte der Museen ignoriert. Neben den alten Meistern zeigt Ruscha Magensteine oder kunstvoll geschliffene Bergkristalle. Mineralien und Kunstwerke könne man zwar nicht vergleichen, und doch seien beide "wunderbare Elemente der Geschichte und gleichermaßen schön" . Er hätte die größten Werke der Kunstgeschichte allein wegen ihrer Popularität wählen können, "aber in erster Linie müssen die Arbeiten in dir etwas auslösen".
Genau dem folgte Ruscha wohl auch, als er nach Gegenüber - ins Naturhistorische Museum - verschwand und mit allerlei Wünschen zurückkehrte. Zunächst habe man da schon geschluckt, gesteht KHM-Direktorin Sabine Haag. Aber schließlich gehe es um sehr persönliche Spuren Ruschas. Und so fällt eben der erste Blick des Besuchers auf einen präparierten Koyoten. Ebenso wie die ausgestopfte Klapperschlange stehen beide für die Prärie und damit für Ruschas Herkunftsland.
Wenn Kollektionen Porträts ihrer Sammler sind, so ist diese Ausstellung auch ein Porträt Ruschas. Und dieses verrät vor allem viel Humor. So liest man im Kommentar zu den Studien von Hunden, Eseln und Affen von Jan Brueghel d. Ä., ihre Beschwingtheit offenbare die Sehnsucht nach Wiedergeburt in einem Gemälde: Aus den Studien wird so ein " theatralisches Casting". (Anne Katrin Feßler, DER STANDARD, 25.9.2012)
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es stimmt, ein bisschen Erfrischung bringt dieser Blick, der völlig frei von Historizität oder Kontextualisierung mit Ausnahme privater Banalitäten ist, schon.
Aber was hat diese Schau, die fast schon eine Parodie auf den vermeintlich geschichtslosen "Ami" ist, zu bieten, das einem derart wichtigen Museum auch nur ansatzweise gerecht wäre?
Mr. Ruscha hätte es eigentlich nicht nötig, sich abseits seiner durchaus überzeugenden eigenen Arbeiten hier derart bloßzustellen. Die Kritik wäre dennoch gefordert, das auch wahrzunehmen.
Aber die Kunstkritik hierzulande agiert ja genauso oberflächlich, und so wundert es nicht, wenn Plattitüden ohne Tiefgang rezensiert werden.
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