Am Anfang war die Kavallerie

23. September 2012, 18:12
  • Die Französin Penelope Leprevost (32) und der Franzose Mylord Carthago 
(12) triumphierten auf dem Rathausplatz. Sie stammt aus der Normandie, 
er aus den Pays de la Loire.
    apa-foto: andreas pessenlehner

    Die Französin Penelope Leprevost (32) und der Franzose Mylord Carthago (12) triumphierten auf dem Rathausplatz. Sie stammt aus der Normandie, er aus den Pays de la Loire.

In Wien auf dem Rathausplatz gab die Global Champions Tour der Springreiterei ihre elfte Saisonvorstellung

Wien - Der erste Sieg von Penelope Leprevost auf der Global Champions Tour geht, wenn man ein wenig ausholt, auf Jean-Baptiste Colbert zurück. Schließlich sanierte der "Große Colbert" als Finanzminister nicht nur Frankreichs Staatshaushalt unter Ludwig XIV., sondern gründete 1665 auch das staatliche Gestütswesen, dessen Aufgabe es war, die Kavallerie des Sonnenkönigs mit Pferden zu versorgen. Les Haras Nationaux versorgt heute die sportliche Reiterei, der zwölfjährige Hengst Mylord Carthago, mit dem die 32-jährige Leprevost triumphierte, steht im Staatsbesitz.

In Wien hat sich sportlich allerhand getan am Wochenende. Auf dem Heldenplatz wurde am Samstag zum zwölften Mal der Tag des Sports gegeben. Kinder durften sich in allerlei Disziplinen versuchen, und eine besonders lange Schlange bildete sich bei den Ponys, die mit den Kleinen ihre Runden zu drehen hatten.

Auch Leprevost saß dreijährig erstmals auf einem Pony, mit sechs nahm sie an den ersten Turnieren teil, 2010 wurde sie Vizeweltmeisterin mit dem französischen Team. Bei ihrem ersten Wien-Besuch schaffte sie insgesamt drei fehlerfreie Runden, im Stechen bezwang sie die dreifache Weltcupsiegerin Meredith Michaels-Beerbaum aus Deutschland, die mit der erst neunjährigen Stute Bella Donna unterwegs war, sowie den Niederländer Gerco Schröder, der heuer sowohl im Einzel als auch mit dem Team Olympiasilber gewann, und dessen zehnjähriger Hengst auf den klingenden Namen Eurocommerce London hört. Österreichs Bester im zentralen Ereignis des Vienna Masters war Stefan Eder als 29. Dass Chilli van Dijk (13) in der Dreierkombination zwei Stangen warf, sei seine, Eders Schuld gewesen, er habe sich bei der Annäherung vertan, seinem Hengst sechs Galoppsprünge angeschafft, wobei sieben gescheiter gewesen wären. Olympiasieger Steve Guerdat scheiterte ebenfalls im ersten Umlauf, er kritisierte den seiner Meinung nach zu kleinen Abreitplatz in der Felderstraße, der übrigens jederzeit öffentlich einsehbar ist. Darauf angesprochen, sagte die amtierende Tour-Siegerin Edwina Tops-Alexander: "Wenn er gewonnen hätte, wäre alles in Ordnung gewesen. In Monaco ist der Abreitplatz kleiner." Der Aus-tralierin freilich ist eine gewisse Befangenheit nicht abzusprechen, schließlich ist sie mit Jan Tops verheiratet, dem Erfinder der Champions Tour.

Elf Turniere gab's bisher auf der Tour, Leprevost ist die elfte Siegerin, finalisiert wird im November in Abu Dhabi. In der Gesamtwertung führen Tops-Alexander und der schwedische Weltranglistenerste Rolf-Göran Bengtsson ex aequo, bleibt es dabei, gewinnt Tops-Alexander, denn im Gegensatz zu Bengtsson hat sie einen Turniersieg (Doha).

"Wir kommen mit einem blauen Auge davon", sagt Gregor Gschlenk, Vorsitzender des fünfköpfigen Veranstalterteams. Die 4000 Menschen fassenden Tribünen waren am Samstag (trotz Regens) und Sonntag nahezu voll. Gschlenk überlegt, auch die Osttribüne zu überdachen, vielleicht aber nicht ganz, um den Sponsoren auf der VIP-Tribüne nicht die Sicht aufs Burgtheater zu rauben. Der Vertrag mit der Tour läuft noch zwei weitere Jahre, die Stadt Wien spendiert wieder den Rathausplatz, und der Abreitplatz soll verlängert werden. (Benno Zelsacher, DER STANDARD 24.9.2012)

Share if you care
2 Postings
.

Ganz richtig!

also

mir gefällt das andere Foto in der Übersicht besser... ;-)

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.