Ministerium zerpflückt Modell für Österreich-Dienst der ÖVP

Conrad Seidl, 23. September 2012, 18:21

Noch kennt man wenige Details jenes Modells, mit dem die ÖVP bei einem entsprechenden Ausgang der Volksbefragung die Wehrpflicht reformieren will. Im Auftrag von Minister Darabos wurden die bekannten Eckpunkte analysiert - und negativ bewertet

Wien - Aus Sicht von Verteidigungsminister Norbert Darabos läuft es derzeit gut: Nach und nach gelingt es dem Bundesheer, Altbestände an Waffen und Liegenschaften loszuwerden (in der Vorwoche etwa die Kremstalkaserne in Kirchdorf, aus der ein Hotel werden soll). Seine Pilotprojekte für Truppenkörper ohne Wehrpflichtige laufen erwartungsgemäß gut - schließlich gab es genau das zur Vorbereitung und Durchführung von Auslandseinsätzen schon längst (was aber in der Öffentlichkeit nicht diskutiert wird).

Auch die Vorbereitung seines Modells einer Profimiliz wird hoch gelobt - aus rund 2000 Meldungen seit dem Frühjahr wurden nach den Eignungsprüfungen bisher 111 Plätze fix vergeben. Das ist die Hälfte dessen, was für die beiden Versuchskompanien in Salzburg und Niederösterreich gebraucht wird, liege aber im Plan, heißt es.

Damit habe der Minister etwas vozuzeigen - seine Gegner aber nicht, argumentiert man in der Umgebung von Darabos.

Das von der ÖVP angekündigte Modell eines "Österreich-Dienstes" - innerhalb dessen Wehrdienst, Katastrophenschutz und Zivildienst neu geordnet werden sollen - gibt es derzeit nur auf dem Papier. Und dieses Papier würde noch dazu das Innenministerium gegenüber dem Verteidigungsministerium stärken. Das ist ein Argument, das auch bei jenen Offizieren ziehen könnte, die den Berufsheerplänen des Ministers kritisch gegenüberstehen.

Darabos hat jedenfalls das Konzept des Österreich-Dienstes in seinem Haus prüfen - und zerpflücken - lassen. Grundlage der ÖVP-Überlegungen sind drei Säulen: Ein (im Wesentlichen unveränderter) Zivildienst von neun Monaten und ein jeweils fünfmonatiger Wehrdienst alternativ zu einem fünfmonatigen Katastrophendienst. Sowohl Wehr- als auch Katastrophendiener sollten die ersten sieben Wochen gemeinsam ausgebildet werden.

Und: Nach ingesamt fünf Monaten Dienst dürften sie zwar abrüsten, müssten in den folgenden Jahren aber einen weiteren Monat einen mehrteiligen Milizdienst leisten - bequemerweise bevorzugt an Wochenenden.

Das Verteidigungsministerium lässt daran kein gutes Haar:

  • Die kürzere Dienstzeit würde zwangsläufig mehr Systemerhalter produzieren - derzeit sind 13.000 von insgesamt 23.000 einberufenen Rekruten solche Funktionssoldaten, künftig stiege die Zahl auf 17.000.
  • Das hieße: Es blieben nur rund 6000 Rekruten für Wehr- und Katastrophendienst - das Bundesheer bekäme davon wohl nur die Hälfte.
  • Dennoch könnten die Planer nie sicher sein, wie viele junge Männer (und weibliche Freiwillige) sich bei jedem Turnus für welchen der Dienste entscheiden. Es gäbe nie Planungssicherheit.
  • Der strukturierte Ausbau der Katastrophendienste - Assistenztruppen für das Innenministerium - würde die Kampfverbände schwächen, "das ÖBH würde immer mehr zum technischen Hilfswerk verkommen", heißt es in dem Darabos vorgelegten Papier.
  • Mehr Einrückungstermine würden das "Hamsterrad der Ausbildung" noch schneller drehen lassen - zulasten der Ausbildner, aber auch mit einem Qualitätsverlust im Ausbildungsstand, der bei den Milizübungen nicht weiter gesteigert, sondern maximal gehalten werden könnte.
  • Zudem sei es illusorisch, den geplanten Katastrophenhilfssoldaten in drei Monaten eine fundierte Ausbildung zu vermitteln - gleichzeitig wäre es für die Ausbildner eher unattraktiv, sich zu dieser Säule des Österreich-Dienstes zu melden - die Analysten im Verteidigungsministerium sehen Rekrutierungsprobleme. (Conrad Seidl, DER STANDARD, 24.9.2012)
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seltsames modell

das hieße ja, dass zwei drittel der wehrpflichtigen nicht im wehrbereich tätig sind (sondern im katastrophenschutz und im zivildienst). dieses krasse und bewußt herbeigeführte missverhältnis widerspricht jetzt fast schon der europäischen menschenrechtskonvention, die ausschließlich einen wehr und wehrersatzdienst zuläßt.

Seine Pilotprojekte für Truppenkörper ohne Wehrpflichtige laufen erwartungsgemäß gut

Deswegen rücken im Oktober auch GWD in Klagenfurt ein, um Leute anwerben zu können.

Fazit: Nur 3.600 Soldaten der 26.000-Mann-Armee sind wirklich im Einsatz – der Rest übt oder erhält das umstrittene System

10.326 Grundwehrdiener sind derzeit an einem Tag im Schnitt in der Kaserne – das ist die Zahl, um die sich der Wehrdienststreit dreht.

16.000 Berufssoldaten sind in Wahrheit für Ausbildung, Versorgung und ­Beschäftigung dieser 10.326 Grundwehrdiener im Einsatz. Das sind 1,5 Berufssoldaten pro Grundwehrdiener – ein Missverhältnis.

886 Offiziere & U-Offiziere sind im Tagesschnitt für Weiterbildung freigestellt: ......

http://www.oe24.at/oesterrei... n/79555760

Also ein Angestellter einer Berufsfeuerwehr ..

... ist somit auch ein Berufsfaulenzer ....

sie hassen wohl die Feuerwehren .......

ICH RESPEKTIERE DIE ARBEIT DER FREIWILLIGEN FEUERWEHREN !

Personalstand des Bundesheeres

Der ungefähre Personalstand des Bundesheeres:

2800 Offiziere
12.000 Unteroffiziere und Chargen
9.800 Zivilangestellte (VB und Beamte)
12.000 Grundwehrdiener

Das Zivilistenproblem beim Bundesheer!!!

Das Hauptproblem beim Bundesheer sind nicht die Anzahl der Offiziere, sondern die über 9.000 Zivilangestellten. Ein großer Anteil dieser zivilen Arbeitsplätze beim Bundesheer sind Akademiker und Maturantenplanstellen. Die Masse aller Offiziere sind als Maturanten eingestuft und daher relativ "billig". Nicht so die Zivilisten mit Studium (welche Studienrichtung auch immer). Diese werden sofort nach dem teuren "A" Schema besoldet! Warum das in der öffentlichen Diskussion kein Thema ist, ist mir schleierhaft??? Ach die Medien nehmen dieses Thema nicht auf??? Wem es interessiert der soll sich mal den Personalplan des Bundesheeres ansehen (Homepage Finanzministerium). Da gibt es viele Überraschungen!!!!

ein Österreich-Dienst

würde wohl gegen die Menschenrechtskonvention verstoßen.

Als Zwangsdienst ist da (glaube ich) nur der Wehrdienst vorgesehen.

bequemerweise bevorzugt an Wochenenden

Das würde aber wohl gegen die Ruhensbestimmungen verstossen.
Nach einer Woche Arbeit hat man das Recht auf Freizeit.

hier der Link für die Wehrpflicht-Fan-Trolle:

http://www.tagblatt.ch/aktuell/i... 98,3118699

Ha, ha, ha !

ein bisserl Geschichte für unsere Wehrpflicht-Fan-Trolle:

Auch war das Bundesheer im Kalten Krieg bis zu dessen Ende 1989 nie in der Lage, die Grenzen Österreichs militärisch zu schützen. Stets walteten glückliche Umstände, beim Ungarn-Aufstand 1956 ebenso wie bei der Niederschlagung des Prager Frühlings 1968 und im Jugoslawien-Krieg 1991. Wie inzwischen Zeithistoriker in Moskauer Archiven herausgefunden haben, hätte weder das Bundesheer noch der Neutralitätsstatus die Sowjetunion je daran gehindert, notfalls Teile Österreichs als Aufmarschgebiet zu benutzen.

hier der Link:

der Artikel ist vom 11. September 2012 !

http://www.tagblatt.ch/aktuell/i... 98,3118699

Soviel zu den Antworten .... mua ha ha ha ha ha ha

Sie planen also anhand eines Krieges mit der Sowjetunion?

Ich will sie ja nicht enttäuschen, aber ... die gibts nimmer.

(und abgesehen davon: angesichts der Größenverhältnisse könnten Sie auch anhand einer Invasion von Ausserirdischen die Wehrfähigkeit Österreichs beurteilen)

teilweise falsch

Neutralität im Sinne eines Papieres hätte uns tatsächlich nicht geschützt.
Allerdings hätte man vermutlich die Russen durchaus aufhalten können für einige Tage. Nur sah schon die eigene Strategie schwere Verluste vor. Stichwort Wegwerfbrigaden. Und diese Art Guerillaverteidigung hätte sicher viele Opfer aus der Zivilbevölkerung gefordert.

Aber die Vergangenheit ist Vergangenheit. Es geht um die Zukunft. Und abseits von Nebenschauplatz (=Vorwahlkampf) Wehrpflicht geht es darum:
Soll Österreich weiterhin sicherheitsmässig unterversichert bleiben und zur europäischen Solidarität bestenfalls als Worthülse beitragen? Auch wir haben den Petersbgaufgaben zugestimmt.
Europa, und damit auch Österreich, wettet weiterhin auf die Hilfe der USA...

Natürlich schützt die Neutralität.
Und zwar den Bürger vor dem Politiker.

Mehr ist nicht zu sagen:

Originalzitat Darabos, Juli 2010 - 3 Wochen vor dem neuen Meinungsdiktat der SPÖ:
"Wir haben mit dem derzeitigen Wehrpflicht-System beste Erfahrungen gemacht. Wenn es Katastrophen gibt, können wir mit Grundwehrdienern 10.000 Mann bringen - mit einem Berufsheer wäre dies in dieser Form nicht möglich außer man verdoppelt die Kosten. Der Zivildienst würde fallen und ersetzt, was 200 Millionen Euro im Jahr Mehrkosten für die sozialen Einrichtungen bedeutet"

Und Sexismus ?

sollen weiterhin nur Männer

> einen Staatsdienst leisten müssen ?

> länger bis zur Pension arbeiten müssen ?

> keine Rechte als Vater haben ?

die kremstalkaserne war in den 80ern als ich dort eingerückt war eine vorzeigekaserne! mit neuen gebäuden,schuhputzmaschinen,frühstücksbuffet usw.!

Als "Vorzeigekaserne" kann in Österreich wohl jede bezeichnet werden die nicht komplett baufällig und schäbig ist.

Sowenig das Berufsheer plus freiwilligem Sozialjahr durchdacht erscheint...

... so wenig realitätstauglich ist das aus der Hüfte geschossene ÖVP - Modell.

Eines ist jedoch klar: Die ÖVP will Einkommensstarken und Vermögenden möglichst von jeder leistbaren Besteuerung ausnehmen, die eigentliche Ressource, die wir Menschen - beschränkt - haben, Lebenszeit, will die ÖVP vollhändig vergeuden!

Es trifft ja alle gleich, nur die jungen Bezirksfunktionäre von Bauernbund, Junge Wirtschaft oder ÖAAB etc. sind diesbezüglich gleicher!

Faules Heer: Nur jeder 8. hat was zu tun

16.000 Soldaten für 10.326 Rekruten - Aber nur 3.600 haben etwas zu tun.

die ÖVP will das Bundesheer endgültig ruinieren !

Hauptsache in Fett

Kein Argument und auch kein süffisanter Witz, einfach schwach...

SELBSTREFLEXION ?!

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