Dong Dong und der Westler

Helmut Ploebst
23. September 2012, 17:17
  • Westliche Langnase trifft auf eine eingeschworene buddhistische 
Gemeinschaft: "Sutra" im Festspielhaus St. Pölten.
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    foto: andree lanthier

    Westliche Langnase trifft auf eine eingeschworene buddhistische Gemeinschaft: "Sutra" im Festspielhaus St. Pölten.

Shaolin-Mönche, fernöstlicher Tanzkonzeptualismus und wie man sich auf das Fremde einlässt

Das Festspielhaus St. Pölten hat seine Saison mit einem überzeugenden China-Doppel erfolgreich eröffnet.

St. Pölten - Seiner Leidenschaft für Bruce Lee verdankt der belgische Choreograf Sidi Larbi Cherkaoui die Idee für das Stück Sutra, mit dem das Festspielhaus St. Pölten am Wochenende die neue Spielzeit eröffnetet. Als Draufgabe konnte das Publikum mit Weight x 3 von Tao Ye ein Beispiel chinesischen Tanzkonzeptualismus sehen.

Der Abend wurde zu einem China-Doppel. Denn die 17 Mönche aus dem Shaolin-Kloster in der chinesischen Provinz Henan zeigten ihr virtuoses Kung-Fu-Bewegungsprogramm nicht einfach als eine Leistungsschau. Cherkaoui hat sich für Sutra ein Grundthema ausgedacht: Ein Westler, getanzt von Ali Ben Lotfi Thalet, trifft auf eine eingeschworene buddhistische Gemeinschaft. Jede Figur auf der Bühne hat dank Bühnenausstatter Antony Gormley eine Holzkiste, in die ein Mensch bequem hineinpasst. Die Kisten der Mönche sind aus Naturholz, nur Thalets Kiste ist silberlackiert.

In einem durchaus nicht konfliktfreien Ablauf sucht der Westler nach einem Zugang zu den spirituellen Geheimnissen der Shaolin. Das gibt Letzteren Gelegenheit zu zeigen, was sie so alles draufhaben - auch wenn sie nur mit billigen Blechwaffen wirbeln dürfen -, und Ersterem zu lernen, wie man sich auf das Fremde einlässt. Dabei hilft ihm vor allem der Star des Stücks: der 11-jährige Mönch Shi Yandong, genannt Dong Dong.

Eine einfache Idee, präsentiert von einem überzeugenden Ensemble und quittiert mit Standing Ovations. Viel Beifall erntete auch Tao Yes Weight x 3 auf der kleinen Festspielhaus-Bühne. Die Musikauswahl - Steve Reich - erinnert an Anne Teresa De Keersmaekers Schlüsselwerk Fase (1982), das choreografische Konzept an Samuel Becketts berühmte "Quad" -Tänze von 1981. Eine minimalistische, überraschend exzellente Arbeit in drei Teilen, durchdacht und perfekt umgesetzt. (Helmut Ploebst, DER STANDARD, 24.9.2012)

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In dieser Doku über Shaolin in der heutigen Welt sieht man auch die Trainingsszenen bzw tiefe Einblicke zu dem Stück.

http://www.youtube.com/watch?v=CPuK_rwWwmo

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