Kuschelige Streichelzone oder Diversity-Managment?

  • Von links: Agnes Husslein-Arco, Markus Schinwald, Andrea Schurian, 
Norbert Kettner, Rita Vitorelli, Nicolaus Schafhausen.
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    foto: standard/regine hendrich

    Von links: Agnes Husslein-Arco, Markus Schinwald, Andrea Schurian, Norbert Kettner, Rita Vitorelli, Nicolaus Schafhausen.

Kulturtalk in der Kunsthalle fragte: "Quo vadis Wien?"

Wien - Klimt-Plakate, Habsburger-Kitsch, monumentale Museen: Wo der Kunststandort Wien herkommt, ist kaum zu übersehen. Wo es aber hingehen soll, das war am Freitag in der Kunsthalle die Frage beim Standard-Kulturtalk.

Neben Belvedere-Direktorin Agnes Husslein-Arco, Wien-Tourismus-Geschäftsführer Norbert Kettner und den Wiener Künstlern Markus Schinwald und Rita Vitorelli (auch Herausgeberin von Spike Art Quarterly) saß auch der neue künstlerische Leiter der Kunsthalle, Nicolaus Schafhausen, auf dem Podium. Ihn als einzigen mit (noch) vergleichsweise neutraler Perspektive fragte Moderatorin und STANDARD-Kulturchefin Andrea Schurian gleich zu Beginn: Wie sieht die Außensicht auf Wien überhaupt aus?

Schafhausen zeigte sich vor allem verwundert, dass die Stadt nicht mehr aus ihrem Potenzial mache. Das dichte Gefüge an professionellen Institutionen werde global nicht hinreichend vermarktet. Der "Effort, sich international zu vernetzten", fehlt auch Agnes Husslein-Arco. Zwar bessere sich die Situation - doch es gäbe noch Raum nach oben. Als Künstler vermisst Markus Schinwald etwas anderes: Eine potente Sammlerschicht, wie es sie etwa in Belgien oder der Schweiz gebe. In Österreich verkaufe er nur wenige Bilder - "davon könnte ich nicht einmal die Miete zahlen".

Kollegin Rita Vitorelli bemängelte, dass jungen Künstlern zu wenige respektive nur bestimmte Ausstellungsräume geboten würden. Mit dem Begriff des jungen Künstlers hatte jedoch nicht nur Norbert Kettner ein Problem ("klingt nach Streichelzone"). Seine Ansicht: Wien ist "so verdammt kuschelig". Statt es sich gemütlich zu machen, solle man sich lieber um Diversität und Internationalität bemühen. Auch für Nicolaus Schafhausen lautete die Parole: intellektuell-künstlerisches Diversity-Management statt Selbstbespiegelung.

Zuhörerin Andrea Braidt, Vizerektorin der Akademie für bildende Künste, forderte zum Zwecke der Vielfalt mehr Off-Spaces. Einen weiteren Anstoß aus dem Publikum brachte Alexander Damianisch von der Angewandten: Die Wiener Kunstunis wären sehr international ausgerichtet - ein Potenzial, das Nicolaus Schafhausen "natürlich ausschöpfen" möchte. "Wir und das 21er-Haus sind Institutionen, die das leisten können." Eine gute Antwort auf die Frage, wo es hingehen könnte mit der Kunst in Wien. (Andrea Heinz, DER STANDARD, 24.9.2012)

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