Champion Vettel ist zurück aus der Siegespause

Sebastian Vettel gewinnt den GP von Singapur vor Jenson Button und Fernando Alonso. Pole-Position-Mann Lewis Hamilton scheidet aus. Für Michael Schumacher läuft auch einiges schief

Singapur - 1500 Flutlichter leuchteten in der Nacht von Singapur die Strecke aus, und 24 LED-Lampen funkelten am Helm von Sebastian Vettel. Nur 3500 Euro hatte der Umbau zur Discokugel gekostet, je acht Lichter zeigen die verschiedenen Tierkreiszeichen Vettels und seiner Familie an. " Wir sind zurück in der WM", sprach Vettel nach dem Rennen in den Boxenfunk, ehe er brüllte (Siegesschrei). Danach widmete er seinen Sieg dem in der vergangenen Woche im Alter von 84 Jahren verstorbenen langjährigen Rennarzt Sid Watkins. "Das war ein sehr spezieller Mann, dem wir zu verdanken haben, dass wir heute so sicher fahren."

Lewis Hamilton hatte seine Pole-Position erfolgreich verteidigt. Doch in der 23. Runde ärgerte sich der Brite fürchterlich. Schuld war ein Generalstreik des Getriebes im McLaren. Hamilton musste aussteigen, und Vettel erbte die Führung, die er im durch zwei Safety-Phasen gestörten Rennen bis ins Ziel verteidigte. Nach zwei Stunden und 59 statt der geplanten 61 Runden war Schluss.

Vettels Lichtmaschine, die zuletzt zweimal gestreikt hatte, arbeitete diesmal einwandfrei. "Hamiltons Ausfall hat uns sicher geholfen. Ansonsten wäre es schwer geworden, aber nicht unmöglich", sagte er. Durch seinen zweiten Saisonsieg und den ersten nach neun Rennen Siegespause schwang sich der Red-Bull-Pilot wieder zum ersten Verfolger von WM-Spitzenreiter Fernando Alonso auf. Der Ferrari-Pilot, der in Singapur hinter Jenson Button im McLaren Dritter wurde, führt in der WM mit 194 Punkten, hat noch 29 Zähler Vorsprung auf Vettel (165), der sich von Rang vier auf Platz zwei verbesserte.

Michael Schumacher hatte keinen guten Tag. Erst fehlte er bei der Schweigeminute für "Doktor Sid", weil er auf die Toilette musste, dann schied er durch einen selbstverursachten Unfall vorzeitig aus. Der 43-Jährige betrieb nicht gerade Werbung in eigener Sache, was seine Formel-1-Zukunft betrifft. "Ich muss analysieren, was passiert ist", sagte er genervt, nachdem er mit seinem Mercedes scheinbar ohne Reaktion dem Toro Rosso von Jean-Eric Vergne ins Heck gefahren war: "Ich habe nicht zu spät gebremst, sondern eher einen Tick zu früh, aber die Verzögerung kam viel zu spät, keine Ahnung, warum." Es war der siebente Ausfall im 13. Saisonrennen für Schumacher.

In dieser Saison war der siebenfache Champion unter anderem in Budapest aufgefallen, weil er vor dem Rennen auf dem falschen Startplatz geparkt hat. In Singapur hatten sich die Gerüchte gemehrt, dass Mercedes Schumacher in der kommenden Saison durch Hamilton ersetzen will.

Wie bei der Zieleinfahrt hatte Schumacher auch schon in der entscheidenden Phase vor dem Start gefehlt. Als seine Kollegen und Teamchefs ihres "Doktor Sid" gedachten, musste er auf die Toilette, verpasste die Schweigeminute. "Ich muss mich entschuldigen, ich war noch auf dem WC. Meine Gedanken waren aber bei Sid", sagte Schumacher. Zahlreiche Fahrer hatten Watkins in der Vorwoche mit bewegten Worten gewürdigt. Auch Schumacher hatte ihn als Freund bezeichnet, "mit dem ich viele Erinnerungen verbinde, beruflich wie privat". Bei seinem schweren Unfall 1999 in Silverstone sei Watkins unter anderem "sofort an meiner Seite" gewesen.

Die Weltmeisterschaft wird in zwei Wochen in Suzuka, Japan fortgesetzt. (sid, red, DER STANDARD, 24.9.2012)

 

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