Salzburger Walkner ist Motocross-Weltmeister

  • Matthias Walkner sagt: "Das ist extrem geil für mich."
    foto: apa/walkner

    Matthias Walkner sagt: "Das ist extrem geil für mich."

Walkner mit Sieg bei MX3-WM am Ziel seiner Träume: "Einfach nur geil" - Erster WM-Titel für Österreich seit Heinz Kinigadner

Teutschenthal/Deutschland - Österreich hat erstmals seit 27 Jahren wieder einen Motocross-Weltmeister. Der Salzburger Matthias Walkner sicherte sich am Sonntag in Teutschenthal die Krone in der Klasse MX3. Nach einem dritten Platz im ersten Tageslauf war der 26-jährige KTM-Pilot schon vor dem Abschlussrennen nicht mehr von der Spitze zu verdrängen.

"Das ist extrem geil für mich. Ich bin überglücklich und fast den Tränen nahe. Auf diesen Moment habe ich mein ganzes bisheriges Leben hingearbeitet", meinte Walkner. "Das ist etwas, das mir keiner mehr wegnehmen kann." Zu den ersten Gratulanten zählte vor Ort Heinz Kinigadner, der 1984 und 1985 jeweils in der 250ccm-Klasse für die bis Sonntag letzten WM-Titel eines Österreichers gesorgt hatte.

Der frisch gebackene MX3-Champion müsste als Belohnung kein Startgeld für die kommende MX1-Saison bezahlen. Walkner weiß aber noch nicht, ob er den Schritt in die Königsklasse wagt bzw. überhaupt wagen kann. "Jetzt lasse ich einmal diesen Erfolg sacken, ich habe mir da noch keine Gedanken gemacht. Das ist natürlich alles mit einem großen finanziellen Aufwand verbunden. 10.000 Euro wären nur rund ein Zehntel des Budgets, das man braucht", rechnete Walkner vor.

Titelkampf ausgeblendet

Begleitet von zwei Autobussen mit Verwandten, Freunden und KTM-Mitarbeitern war Walkner Richtung Teutschenthal zum WM-Finale aufgebrochen. Dort wollte er so schnell wie möglich, also gleich im ersten Rennen, den Sack zumachen. "Ich habe den WM-Titelkampf ziemlich gut ausgeblendet. Wenn du am Start mit 40 anderen in die erste Kurve gehst, dann denkst du eh nicht an solche Sachen", erzählte Walkner.

Als während des Rennens dann alles nach Plan lief, begann Walkner allerdings kurz nachzudenken. "Ich dachte mir nur: 'Bau jetzt keinen Scheiß.' Es liegen ja doch ein paar g'scheite Felsen auf der Strecke herum. Aber es ist gut gegangen und mir ist eine riesige Last von den Schultern gefallen."

Walkner hofft, dass sein WM-Sieg dem Motocross-Sport in Österreich zu einem "kleinen Boom" verhilft. "Es würde mich freuen, wenn jetzt mehr darüber berichtet werden würde, dass es in Österreich auch ein paar Motocrossfahrer gibt. Vielleicht sagen ja ein paar Leute: 'Der Walkner ist ein klasser Bursch' und es tut sich etwas auf. Es ist nämlich schon ordentlich schwer, in Österreich auf diesem Niveau Motocross zu fahren. Dabei ist es so eine coole, abwechslungsreiche und anspruchsvolle Sportart", berichtete Walkner.

Ein Erfolg, der viele Väter hat

"Während eines Rennens sitzt du 35 Minuten auf dem Motorrad und hast permanent einen Puls zwischen 160 und 190. Wenn du da zweieinhalb Stunden an einem Tag am Motorrad trainierst, dann bist du eh schon richtig gut", berichtete Walkner von seinem Alltag. Walkner trainiert zwei- bis viermal pro Woche auf dem Motorrad, ansonsten hält er sich mit Laufen, Skitouren, Koordinationsübungen und in der Kraftkammer fit.

Möglich ist das WM-Abenteuer nur dank eines Klein-Teams, das mit viel Leidenschaft dem Motocross-Sport alles unterordnet. Als finanzieller Gönner fungiert Wolfgang Hillinger aus Gmunden. "Er ist wie ein zweiter Vater für mich." Zur engsten Crew gehören auch Bruder Gerald ("Mädchen für alles"), Chefmechaniker Patrick Lindenthaler, LKW-Pilot Stefan Amtmann, mit dem er pro Saison rund 70.000 Kilometer unterwegs ist und Schwester Eva. Die Freeski-Vizeweltmeisterin erledigt die Pressearbeit für Matthias.

"Zum Glück gibt es solche Leute. Ich bin allen unglaublich dankbar. Wir führen eine Art Zigeunerleben. Wenn man dann so etwas wie heute zurückkriegt, dann ist das eine gewaltige Genugtuung", sagte Walkner. Seine Verletzungsliste nach zwölf Jahren auf den Rennstrecken liest angesichts der Gangart im Motocross zum Glück sehr bescheiden: einmal Kreuzbandriss, einmal Schulterbruch. "Ich kenne meine Grenzen sehr gut. Das ist vielleicht auch eine Schwäche, weil ich manchmal ein bisschen mehr riskieren könnte. Aber auf Dauer macht es sich bezahlt." (APA, 23.9.2012) 

Share if you care