210 Tote in Syrien an einem Tag

23. September 2012, 13:39

Ban und Brahimi berieten in New York über Konflikt - Rebellen: Armee verlor Kontrolle über Großteil Syriens - Freie Syrische Armee verlegte Kommandozentrale nach Syrien

Damaskus/Istanbul/Atma/New York - Kurz vor Beginn der UNO-Vollversammlung in New York mit dem Topthema Syrien hat das Bürgerkriegsland eines seiner blutigsten Wochenenden erlebt. Allein am Samstag wurden mindestens 210 Menschen getötet, darunter 145 Zivilisten, wie die Organisation der Syrischen Menschenrechtsbeobachter mitteilte. Die meisten Toten gab es demnach im Großraum Damaskus und in der nordsyrischen Millionenmetropole Aleppo. Auch am Sonntag wurden wieder Gefechte gemeldet. Nach Angaben von Aktivisten brachen erneut Kämpfe in Aleppo sowie in der Provinz Daraa aus. UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon und der Syrien-Sondergesandte von UNO und Arabischer Liga, Lakhdar Brahimi, berieten am Sitz der Vereinten Nationen über den Syrien-Konflikt.

Ban und Brahimi betonten, dass die sich verschlimmernde Krise in Syrien eine wachsende Gefahr für Frieden und Sicherheit in der Region sei. Zentrales Thema ihres Treffens waren den Angaben zufolge die Möglichkeiten, der "schrecklichen Gewalt" in Syrien Einhalt zu gebieten und in Richtung einer politischen Lösung voranzuschreiten.

Die syrische Armee hat nach Angaben eines Kommandanten der Rebellen mittlerweile die Kontrolle über den Großteil des Staatsgebiets verloren. Einzig die Überlegenheit des Militärs in der Luft halte die Führung noch an der Macht, sagte der Rebellenoberst Ahmed Abdel Wahab. Er ist nach eigenen Angaben Kommandant einer Brigade von rund 850 Kämpfern der Freien Syrischen Armee (FSA). "Ob mit oder ohne ausländische Hilfe - der Fall des Regimes ist eine Frage von Monaten, nicht von Jahren", sagte er.

Freilassung von Regimekritikern

Die FSA verlegte ihre Kommandozentrale zudem von der Türkei nach Syrien. FSA-Chef Riad al-Assaad sprach dabei von "einer guten Nachricht für unser freies und heroisches syrisches Volk". Die Freie Syrische Armee hatte sich im Juli vergangenen Jahres aus Deserteuren der regulären syrischen Truppen gebildet und hat nach eigenen Angaben tausende Kämpfer unter Waffen.

Unterdessen gingen die Kämpfe in Syrien auch am Wochenende weiter. Neben den Schauplätzen Aleppo und Daraa, waren nach Oppositionsangaben auch in der Nähe eines belebten Grenzübergangs nach Jordanien heftige Kämpfe zwischen Regierungstruppen und Rebellen ausgebrochen.

Nach Angaben der libanesischen Armee griff eine "große Zahl" syrischer Rebellen in der Nacht auf Samstag einen ihrer Posten im Osten des Libanon an. Opfer habe es bei dem Überfall von Kämpfern der Freien syrischen Armee nahe des libanesischen Dorfs Arsal nicht gegeben, teilte das Militär mit. Es sei bereits der zweite derartige Angriff innerhalb weniger als einer Woche.

Die staatliche Nachrichtenagentur Sana verkündete unterdessen die Freilassung von 121 Regimekritikern aus Aleppo, die "keinen Mord begangen" hätten. Auch in den Protesthochburgen Homs und Hama seien in den vergangenen Tagen Dutzende Gefangene auf freien Fuß gesetzt worden. Meldungen aus Syrien sind wegen der Medienblockade von unabhängiger Seite nur schwer zu überprüfen.

Türkisches Militär stockt auf

Das türkische Militär verlegte Medienberichten zufolge gepanzerte Fahrzeuge und schwere Waffen an die Grenze zu Syrien. Das NATO-Mitglied hat in den vergangenen Monat bereits mehrmals Truppen an der 911 Kilometer langen Grenze zu Syrien stationiert, als die Kämpfe zwischen Rebellen und den Einheiten von Präsident Bashar al-Assad zunahmen und gleichzeitig immer mehr Flüchtlinge sich in die Türkei absetzten. Es wird befürchtet, dass der syrische Bürgerkrieg die gesamte Region erfassen könnte. Der türkische Ministerpräsident Tayyip Erdogan zählt zu den schärfsten Kritikern Assads.

Ägyptens islamistischer Präsident Mohamed Mursi sprach sich abermals für eine enge Einbeziehung des Iran in die Bemühungen um die Beilegung des Bürgerkriegs in Syrien aus. Mursi sagte am Samstag in einem Interview des staatlichen ägyptischen Fernsehens, die Führung in Teheran könne eine "aktive und unterstützende Rolle bei der Lösung des Syrien-Problems" spielen. Daher sei der Iran in dem von ihm ins Leben gerufenen Quartett der regionalen Anrainer ein wichtiger Akteur. Der Gruppe gehören außerdem Ägypten, Saudi-Arabien und die Türkei an. Der Iran wäre der einzige Verbündete Assads in der Gruppe. Mursi machte erneut deutlich, dass er Assad keine Zukunft gibt.

Bei dem seit mehr als eineinhalb Jahren andauernden Konflikt in Syrien sind nach UNO-Schätzungen bereits mehr als 20.000 Menschen gestorben. Fast eine Viertelmillion Syrer ist ins Ausland geflohen. In Syrien sind laut UNO-Angaben mehr als eine Million Menschen heimatlos. (APA, 23.9.2012)

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Ein Tag ohne Dönerbudenmeldung könnte auch einmal was ;-)!

Die Tage ohne Assad werden noch viel mehr koennen....

Für ein Posting, in dem jemand sich einen Tag ohne Assad wünscht gibt es eine Verteilung von 12 Rot und 3 Grün.

Da hochgerechnet auf Ö bedeutet, dass sich rund drei Viertel der Österreicher sich weiterhin Assad an der Macht wünschen und lediglich ein Viertel den Diktator loswerden will.

Wie GLAUBWÜRDIG ist die Strichelei hier im Forum ??????

Stellen Sie sich nur so d... oder haben Sie wirklich noch nicht kapiert, worum es den meisten Postern im Standard, in der Presse, in der Zeit und vielen anderen Medien geht? Sie möchten sich nicht vera.... lassen, c'est tout.

Ein Tag ohne Assad und auch ohne die Extremisten auf der anderen Seite in einem friedlichen Syrien (ohne Diktatur oder Gottesstaat) wäre etwas, was ich den Menschen dort von ganzem Herzen wünsche!

Wie wahr!

Aber das geht eben nur mit Gewalt. Leider....

Danke für diesen Link, guter Artikel!

Quartett der regionalen Anrainer

Saudi Arabien hat es eh schon beim ersten Treffen seine Erwartungshaltung an das Ganze deutlich gemacht und ist gleich der Einladung zu dem Treffen nicht nachgekommen. Weil ist ja auch mnit Sicherheit zu erwarten das ab solut nihts herauskommt. Genauso wie ja auch der Iran in der Vergangenheit gross angekündigt hatte, seinen eigenen Plan zur friedlichen Beilegung des Konflikts vorzubringen. Bis heute ist nichts von diesem Vorschlag zu vernehmen gewesen.Und das diese Woche beim Topthema Syrien in der Vollversammlung nichts herauskommen wird ist auch zu 100 % zu erwarten. Auf der einen Seite die westlichen Demokratien samt USA und auf der anderen Seite die mehr oder weniger Diktaturen Russland und China als Blockiererer. Alles wie gehabt.

Jetzt verstehe ich endlich,was die Farbe in Ihrem Nick bedeutet.

Zitat von "blaue Rose":
"Auf der einen Seite die westlichen Demokratien"
Saudi-Arabien ist also für Sie eine westliche Demokratie!
In welcher Fantasiewelt leben Sie eigentlich?

Wenn man was missverstehen will, dann versteht man es halt falsch

Nur zur Info: Saudi Arabien ist für mich keine westliche Demokratie sondern genauso wie Syrien eine Diktatur der übelsten Sorte. Mit westlichen Demokratien waren natürlich ua. Frankreich, Deutschland, England... gemeint. Und habe da die Abstimmungen im Sicherheitsrat gemeint wo ja auf einer Seite eben die obengenannten Staaten sind die schärfere Sanktionen gegen das Assad Regime verlangen und auf der anderen Seite eben die Russen und Chinesen die dies immer blockieren. Aber denke Sie haben das sowieso absichtlich missverstanden oder. P. S: Es ist die Blume gemeint, nicht ein sympathisieren mit "Rechts".

Was sind den sie für ein rechtes Reckerl ?

Ich hoffe Sie meinten nicht mich sondern "Freedem Fighkers"

Mit einem rechten Reckerl habe zumindest ich gott sei Dank nichts gemein.

"..Ich hoffe Sie meinten nicht mich.."

Fraugott behüte: selbstvertändlich nicht !

Na da bin ich ja froh. ; - )

Wer will schon unverdientermaßen ins rechte Eck gestellt werden

Quartett der regionalen Anrainer, welches von Ägypten ins Leben gerufen

In dieser Gruppe wäre der Iran der einzige Verbündete Assads. Der Iran ist mehr oder weniger bald der einzige Verbündete von Assad. Die Russen gehen in einigen Wortmeldungen ja auch schon auf vorsichtige Distanz zu Assad, China blockiert wohl im Sicherheitsrat, haben aber Syrien nie so in allen Belangen wie eben bis jetzt Russland,unterstützt.
Bleibt also noch Nordkorea, überhaupt die Demokratie schlechthin.Fast so demokratisch wie das Syrien unter Assad. Assad könnte ja, falls ihm auch die Russen nicht wollen, was anzunehmen ist, zum Lukaschenko ins Exil. Dort gehts ja auch sehr demokratisch zu.Bei dortigen Regierungswahlen alle 110 Mandate an Lukaschenko Anhänger. Erinnert an die famosen demokratischen Wahlen in Syrien im Februar 2012.

Die Regierung hat jetzt, eine neue Konferenz der Opposition genehmigt.

Ende September wird diese Konferenz in Damaskus stattfinden. Vierundzwanzig verschiedene Parteien, die Pläne für einen Waffenstillstand vorgelegt haben, werden sich daran beteiligen. Da ist die Regierung natürlich ganz klar gefragt, ihren Teil dazu beizutragen: die Waffen schweigen zu lassen. Genauso sind aber die bewaffneten Kräfte der Opposition gefordert.
Wer sich ganz klar gegen diesen Aufruf zum Waffenstillstand geäußert hat, war einerseits die Freie Syrische Armee (FSA). Und andererseits der Syrische Nationalrat, der in Europa und in den USA als die Gruppierung der syrischen Opposition dargestellt wird.
Auch die haben das total abgelehnt.
http://weltnetz.tv/video/399

Naja, vorher muss die Grundbedingung der FSA erfuellt werden!

Der Assad-Clan muss abtretenm eh klar.....

Genau so ist es

Die Regierung hat jetzt eine neue! Konferenz der Opposition genehmigt.

Wurde schon früher mal eine Konferenz vom Regime genehmigt und wo und wann hat diese stattgefunden? Kann mich natürlich irren, aber mir ist nichts von eienr bereits stattgefundenen Konferenz bekannt.

welche regierung - oder meinen sie das regime

regierungen regieren - zumindest schlecht - aber ein krieg gegen große teile der bevölkerung ist nicht regieren

Glauben Sie wirklich bei allem an der Ernsthaftigkeit der Assad Propaganda

Das es da außer den im SNC gebündelten Oppositionsgruppierungen gleich vierundzwanzig ! verschiedene Parteien sich daran beteiligen, die Pläne für einen Waffenstillstand vorlegen. sind das die Alibioppositionellen die bei der Farce genannt Parlamentwahl kanditieren durften. An und für sich wurde diese Wahl ja von der tatsächlichen Opposition boykottiert. Ein paar Oppositionelle (also echte) wollten schon kanditieren. Deren Kanditatur wurde aber behördlch verboten. Also diese angeblichen Oppositionsparteien kann man sowieso vergessen. Nach dem es ja bis jetzt nur Lügen gab wäre die demokrtische Opposition schlecht beraten auf dieses Täuschungsmanöver einzugehen. Ist halt wieder mal ein Versuch von Assad Zeit zu "schinden".

Einen Aufruf zum Waffenstillstand von Assad - Ernstgemeint?

Assad liess verkünden was die Bekämpfung des aufstandes betrifft rechnet er in einigen Wochen mit handfesten Ergebnissen. Das klingt nicht nach Bereitschaft zu einem Waffenstillstand und schon gar nicht das er wirklich eine Friedenslösung möchte.Und, fragt sich nur wer einer solchen Einladung von Assad seitens massgeblicher Teile der Opposition folgen würden. Hat er doch erst jetzt wieder 3 Oppositionelle einer Gruppierung verhaften lassen, die noch Gesprächsbereitschaft signalisierten und von Assad bis jetzt toleriert wurden, weil diese gegen die FSA sind.

Assads Schwester verlässt das Land

Bushra Assad, die ältere Schwester des syrischen Präsidenten, hat sich offenbar nach Dubai abgesetzt. Zuvor soll es zum Streit zwischen den beiden gekommen sein. Assads Gegner versuchen, ihre Kräfte zu bündeln.

http://www.tagesanzeiger.ch/ausland/n... y/15278628

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