Gestohlene "Tanzblätter" lagen in Getränkelager

23. September 2012, 12:01

Großteil der Beute sichergestellt - Verdächtiger in U-Haft

Wien - Die Wiener Polizei hat einen Millionen-Kunstdiebstahl geklärt: Anfang September waren ungefähr 350 sogenannte Tanzblätter des heimischen Künstlers Franz Grabmayr aus dessen Atelier in Wien-Döbling gestohlen worden. Entdeckt wurden die Bilder mit einem Wert von etwa 1,5 Millionen Euro in einem Getränkelager eines Wirtshauses in Rudolfsheim-Fünfhaus. Ein Verdächtiger befindet sich in U-Haft, berichtete die Exekutive am Sonntag.

Die Täter waren über den Balkon in die im "Karl-Marx-Hof" in der Heiligenstädter Straße befindlichen Räumlichkeiten des 85-jährigen Wiener Malers eingedrungen. Die Ermittlungen gestalteten sich als umfangreich - bis schließlich die Spur zu einem 42-Jährigen führten. Beamte des Landeskriminalamtes Wien, Außenstelle West (Gruppe Kargl, Leitung Oberst Georg Rabensteiner) nahmen den Mann fest.

Die Bilder - teilweise gerahmt, teilweise in Mappen - lagerten alles andere als professionell in einem Lokal. Dem 48-jährigen Wirt zufolge, habe ihn der 42-Jährige gebeten, das Lager benutzen zu dürfen. Er habe Probleme mit seiner Wohnung und müsse einen Teil des Inventars zwischenbunkern, soll der Stammgast seinem Wirten erklärt haben. Beide Männer sind nicht geständig.

"Circa zehn bis 15 Objekte fehlen, alle anderen Bilder wurden sichergestellt", hieß es bei der Polizei. Wegen der Menge der gestohlenen "Tanzblätter" schlossen die Ermittler nicht aus, dass der Verdächtige Komplizen hatte. Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (V) dankte "den vielen couragierten Bürgerinnen und Bürgern", die durch "viele zweckdienliche Hinweise die Profis des Landeskriminalamtes" bei der Arbeit unterstützt haben.

Der gebürtige Kärntner Franz Grabmayr stellte erstmals 1952 in der Ausstellung "Junge Kärntner Begabungen" im Künstlerhaus Klagenfurt aus. Erst danach begann der Hauptschullehrer ein Studium an der Akademie der bildenden Künste in Wien, wo er später Assistent wurde. Durch die Pantomime begann er sich für den Tanz zu begeistern und besuchte häufig Ballett-Training und Aufführungen in der Wiener Staatsoper. Dabei entstanden auch die ersten Tanzbilder des sonst sehr landschaftsverbundenen Malers, der in Wien und im Waldviertel lebt und 2002 durch eine Retrospektive in der Österreichischen Galerie Belvedere gewürdigt wurde.(APA, 23.9.2012)

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1 Posting
Freu mich für den Herrn Künstler Franz G.

Das war bestimmt ein leichter Fall für die Polizei.
Sonst würden sie nicht weitergekommen sein.

Wie ich es erlebt habe Körperverletzungen mit laufenden Überwachungskameras sind ja viel schwerer aufzuklären als materielle Verbrechen.

Also: totales Vertrauen in die Arbeit der Polizei.

Gebrochenes Körperteil. Niente.
Gestohlener Kaugummi. Gelöst.

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