Mit sechs Millionen eingelullt

Einserkastl |

Honorige Herrschaften stellten ihre Expertise in den Dienst des Betrugs und der Untreue

Er war so "eingelullt", dass er die sechs Millionen doch genommen hat. Er wusste zwar innerlich, dass sein Honorar für dieses Hypo-Alpe-Adria-Gutachten nur 300.000 Euro wert war. Er war sogar selbst irgendwie daran beteiligt, dass das Honorar von aberwitzigen zwölf Millionen Euro auf immer noch verrückte sechs Millionen Euro heruntergehandelt wurde - "Patriotenrabatt" nannte das der fröhliche Haider-Adlatus Stefan Petzner damals; aber der Haider sagte einfach zu ihm: "Tua dir nix an, alles läuft gut" - und Dietrich Birnbacher schloss ganz, ganz fest die Augen. Er ist Wirtschaftstreuhänder und Steuerberater.

Andere Wirtschaftstreuhänder und Steuerberater erstellten dann ein Gutachten, dass die sechs Millionen für ein paar Seiten Blabla schon okay und "eh nachvollziehbar" seien. Da war Birnbacher noch mehr eingelullt.

Aber nicht nur Birnbacher. Seine Kollegen auch und die Vorstände der Kärntner Landesholding, die den Mist bezahlen mussten, ebenfalls.

Dieser Kärntner Skandalkomplex ist nicht nur die Katastrophe gieriger, verschlagener, korrupter Politiker, sondern auch die honoriger Herrschaften, die ihre Expertise in den Dienst des Betrugs und der Untreue stellten. Ihr Urteilsvermögen, ihre moralischen Maßstäbe und - schlimm für sie - ihr Gespür für das strafrechtlich Unbedenkliche waren eingelullt. Der Rechtsstaat und die Demokratie konnten sich nicht auf sie verlassen (Hans Rauscher, DER STANDARD, 22./23.9.2012)

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