Dayli-Investor: "Enorme Kraftanstrengungen"

16 Kilometer Klebeband und eine bald fertige Bilanz sollen Dayli in ein besseres Licht rücken. Die frühere Schlecker-Tochter ringt um Zulieferer

16 Kilometer Klebeband und eine bald fertige Bilanz sollen Dayli in ein besseres Licht rücken. Die frühere Schlecker-Tochter ringt um Zulieferer, sucht einen Finanzchef und eine Hausbank. Der neue Besitzer ist zuversichtlich.

 

Wien - Das blau leuchtende Schlecker-Schild ist abmontiert. An den Auslagen klebt ein einsames Plakat mit einem türkisen Dayli-Logo. Im Laden selbst hat sich seit dem Konkurs der deutschen Mutter so gut wie nichts verändert. Die Regale sind spärlich gefüllt, von vielen Produkten gibt es nur ein einziges Stück. Eine Kundin verlässt das Geschäft eines Wiener Außenbezirks nach raschem Rundblick unverrichteter Dinge. Die Verkäuferin lächelt entschuldigend.

"Es fehlt immer noch am Wichtigsten wie etwa Müllsäcken und Wattestäbchen." Ob und wann es mehr werde, darüber sei sie nicht informiert. Optisch sei der Umbau vorerst abgeschlossen, nur Klebefolien mit Punkten seien noch geplant. Sie zuckt resigniert mit den Schultern: Mehr wisse sie nicht.

Er habe die Drogeriekette einen Tag vor der drohenden Insolvenz gerettet, sie wieder zum Laufen zu bringen, bedürfe enormer Kraftanstrengung, sagt Rudolf Haberleitner. Der Konkurs des Mutterkonzerns stelle eine starke zusätzliche Belastung dar, der die ganze Branche sensibilisiere. Seit August ist er mit nicht genannten Investoren neuer Eigentümer des Unternehmens. Schon ab nächster Woche werde vieles besser, versichert er.

Am Montag sollen 16 Kilometer Klebeband für die Fassaden eintreffen, eine neue Leuchtschrift gebe es dann Mitte 2013. Dürftige Bestückung mit Ware sieht er keine. "Wir sind zu 80 Prozent voll."

Dass es Probleme mit den Lieferanten gibt, räumt Haberleitner im Standard-Gespräch aber offen ein. "Uns machen kurze Zahlungsziele zu schaffen." Kleine Zulieferer seien auf der Bremse, Schuld Kreditversicherer, die Geschäfte mit Dayli nach wie vor nicht decken. Denn die geprüfte Bilanz für 2011 und das erste Halbjahr 2012 blieb Haberleitner ihnen bisher schuldig. "Ohne Kreditversicherer hält es kein Händler lange durch", sagt ein Drogeriezulieferer.

Haberleitner erklärt die Verzögerungen bei der Bilanz mit Problemen in Deutschland. "Kommende Woche liegt sie vor." Was eigene Finanzierungen betrifft, soll er dem Ondit zufolge nicht zu wichtigen Bankern vorgelassen werden - was er scharf zurückweist. Es sei klar, dass viele Institute nach der Insolvenz der früheren Schlecker-Mutter noch zurückhaltend seien. Er bemühe sich aber um den Aufbau einer Hausbank-Verbindung. "Wir haben etliche Kontakte, eine Annäherung gibt es noch nicht."

Konzerne wie Procter & Gamble und Unilever bestätigen auf Anfrage Lieferungen an Dayli. Beiersdorf will sich nicht äußern. Claro-Eigentümer Josef Dygruber weiß von etlichen Lieferanten, die aus Angst um Außenstände abwarten. Er selbst glaube an das Nahversorger-Konzept und bleibe an Bord, auch wenn es mit Risiko verbunden sei, sagt er. Er will für die neue Eigenmarke produzieren, die derzeit ihrer Umsetzung harrt.

Eigenlabels sind für das Überleben eines großen Händlers unabdingbar. Die Branche sieht darin die große Herausforderung für Haberleitner. "Die neue Marke heißt Dayli", erläutert dieser. Sie werde künftig mehr als 18 Prozent des gesamten Sortiments ausmachen.

Neuer Partner in Polen

Was sich sonst noch bei Dayli tut: Haberleitner hat für 180 Filialen in Polen einen lokalen Joint-Venture-Partner gefunden, wie er sagt. Der Vertrag sei unterschrieben, der Partner führe das operative Geschäft. Für die Shops in Italien seien drei auf der Shortlist.

In Deutschland sei er sich mit 400 Vermietern einig, ihre Läden zu führen. Es spieße sich aber an fehlenden Kreditversicherungen. Dass den Neustart in Österreich, wie zu hören ist, Lieferanten stark mitfinanzieren sollen, stimme so nicht. Nur neue Partner leisteten Beiträge, was branchenüblich sei.

Sorge um die zwei großen Logistikcenter in Österreich, die den Schlecker-Kindern gehören - ein strittiger Immodeal - hat er keine: "Es gibt langfristige Mietverträge."

Rund 150 Geschäfte sollen Postpartner werden. Die Post will dazu keine Zahlen nennen, aktuell seien elf fix geplant, so ein Sprecher. Nachsatz: " Wir schränken uns bei der Partnerwahl nicht ein." Bis auf Pornokinos und Erotikhändler sei hier nahezu alles möglich.

Um die Einführung der Lebensmittel bei Dayli kümmert sich Barbara Eichinger, bisher Produktmanagerin für"Ja! Natürlich". Weitere Bereichsleiter sucht Dayli noch - vor allem einen Finanzchef. (Verena Kainrath, DER STANDARD, 22.9.2012)

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