Nachrichten in aller Kürze
Alles zur Community
Nachrichten, die zu Ihnen kommen: Newsletter, Feeds und SMS
Alles zu unseren mobilen Angeboten: Apps, Mobilversion und SMS
Unsere Radio- und TV-Angebote
Die Zeitung im Internet: Abo, E-Paper, Anzeigen und mehr
Alles über die Redaktion von derStandard.at
Alles über Onlinewerbung, Stellenanzeigen und Immobilieninserate

Der Axtmörder und sein Opfer.

Eine ungarische Fahne bei Protesten in Eriwan. Bevor sie angezündet wurde, bewarfen sie die Demonstranten mit Münzen.
Die Österreichisch-aserbaidschanische Handelskammer lädt dieser Tage zu einer „Konferenz der Gastfreundschaft“ nach Aserbaidschan, einer Leistungsschau des kaukasischen Tourismus mit integrierter Geschäftsanbahnung für österreichische Unternehmer. Das trifft sich gut, wo doch Baku gerade seinen Nationalhelden, den „Axt-Mörder“ Ramil Safarow, empfangen hat und dabei bewies, wie viel Wärme Volk und Regime am Kaspischen Meer spontan entwickeln können.
Acht Jahre hat Safarow in einem ungarischen Gefängnis für seinen Mord an einen armenischen Offizierskollegen abgesessen. Als er Ende August zur Verbüßung seiner restlichen Haftzeit nach Aserbaidschan überstellt wurde, begnadigte ihn Staatschef Ilham Alijew im Handumdrehen und zur gar mächtigen Überraschung der ungarischen Regierung. Safarow wurde zum Major befördert, erhielt acht Jahre Sold ausgezahlt, der ihm durch die bisherige Haft entgangen war, und eine neue Wohnung als Bonus. Baku sagt willkommen. Anfang Oktober reist Aserbaidschans Wirtschaftsminister mit einer Delegation nach Ungarn. Dass Baku als Dankeschön Staatsfonds des abgebrannten Landes kauft, ist als armenische Propaganda abgetan worden.
Safarow hatte während eines Sprachlehrgangs für NATO-Offiziere in einer ungarischen Militärakademie im Jahr 2004 den armenischen Leutnant Gurgen Margarjan im Schlaf überrascht und mit einer Axt zerhackt. Es war ein geplanter kaltblütiger Mord. Einen Angriff des Aserbaidschaners auf den zweiten armenischen Teilnehmer des Lehrgangs konnten herbeigeeilte Polizisten verhindern. Er sei von Margarjan provoziert worden, führte Safarow später zur Erklärung an. Seine Anwälte gaben an, der Aserbaidschaner sei durch den Tod von Familienangehörigen im Karabach-Krieg Anfang der 1990er-Jahre traumatisiert. Safarow wurde in Budapest zu 30 Jahren Haft ohne Recht auf Begnadigung verurteilt – nach acht ist er nun frei und gefeiert.
Außenpolitisch sind Amnestie und Jubelfeiern für den Axt-Mörder ein Desaster für Aserbaidschan und den instabilen Südkaukasus. Kritik an Alijew hat es in den vergangenen drei Wochen von allen Seiten gehagelt: dem Europarat, dem Europaparlament, der US-Regierung, einigen EU-Staaten, der UN-Menschenrechtskommissarin, der „Minsk-Gruppe“ der OSZE, die im Konflikt um Berg-Karabach zu vermitteln versucht, und damit bemerkenswerter Weise auch von Russland. Als Alijew Anfang der Woche zu einem Arbeitsbesuch nach Paris kam, gab es Demonstrationen und eine Mahnung von Präsident François Hollande, der aserbaidschanische Staatschef möge ein „Klimat des Vertrauens mit Armenien wiederherstellen“.
Parallelen werden gezogen zwischen Alijew und dem gestürzten tunesischen Diktator Ben Ali, der Kleptokratie in Aserbaidschan wegen und Alijews im Westen immer gern gehörter Versicherung, er sei die einzige Garantie gegen den islamischen Extremismus; die frühere Sowjetrepublik Aserbaidschan hat eine mehrheitlich schiitische Bevölkerung und sieht sich politischer und sozialer Einflussnahme durch den Iran ausgesetzt, wo ohnehin ein großer Teil des aserbaidschanischen Volks lebt. Den größten Schaden hat Safarows Begnadigung aber wohl in den diplomatischen Bemühungen um eine Beilegung des Karabach-Konflikts angerichtet. Die Unmöglichkeit einer Aussöhnung mit Armenien in absehbarer Zeit ist deutlich geworden. Die Zeichen stehen auf Krieg, nicht auf Entspannung und Lösung des Konflikts um die armenische Enklave und die von Armenien besetzten Gebiete.
Hätte Alijew die Möglichkeit gehabt, Safarow nicht zu begnadigen? Natürlich. Er hätte auch einige Zeit verstreichen lassen und später die Freilassung des Mörders anordnen können. Doch in einem Gefängnis in Baku wäre dann ein aserbaidschanischer Offizier gesessen, der weiter seine Haftzeit für den Mord an einem Feind, einem armenischen Offizier verbüßt. Sofern Alijew dies jemals in Betracht gezogen hat: Innenpolitisch wäre das schwierig geworden für das Regime. Es hätte sich angreifbar gemacht durch die nationalistische Opposition, die konkurrierenden Clans in Alijews Autokratie hätten Munition gegen den Staatschef in der Hand. Doch so weit ist das Rechtsbewusstsein im Land nach 20 Jahren Armenier-Hetze im Gefolge des Kriegs schon ausgehebelt, dass die große Mehrheit nichts anderes erwartet als eine umstandslose Aufhebung einer gerichtlichen Verurteilung wegen Mordes. Ramil Safarow – so wird den Aserbaidschanern durch ihre Regierung bestätigt – habe mit der Massakrierung eines Armeniers seine patriotische Pflicht getan.
"Ich bin das Haar in seinem Hintern", bekannte eine Anhängerin des türkischen Premiers. Eine verblüffende Parallele zu Helmut Qualtinger
Parkbesetzer raus, Touristen raus, freie Bahn für die Polizei. Rechtzeitig zur Massenkundgebung für seine Parteianhänger hat der türkische Regierungschef Erdogan den Gezi-Park räumen lassen. Istanbuls Ausgehviertel wurden zur Kriegszone.
Parkbesetzer raus, Touristen raus, freie Bahn für die Polizei: Rechtzeitig zur Massenkundgebung für seine Parteianhänger hat der türkische Regierungschef Erdogan den Gezi-Park räumen lassen. Istanbuls Ausgehviertel wurden zur Kriegszone
Die Protestbewegung im Istanbuler Park wollte bleiben. Ihre Forderungen sind nicht erfüllt worden, argumentiert sie. Doch Samstagabend greift die Polizei an. Am Tag 18 endet die Besetzung.
Das war dann auch dem türkischen Europaminister zu viel: Egemen Bagis intervenierte bei der Polizei und holte zwei Erasmus-Studenten aus dem Gefängnis. Die saßen dort seit Tagen als "ausländische Agitatoren" der Taksim-Protestbewegung
Demonstrationen gibt es in jeder großen Stadt, sagt der türkische Europaminister. Polizeieinsätze auch. Die landesweite Protestbewegung gegen den autoritären Stil von Regierungschef Erdogan einmal aus der Normalisierungsperspektive.
Die Nachrichtensender in der Türkei berichten nur eingeschränkt über die Protestbewegung in Istanbul und anderen Städten. Die offensichtliche Hörigkeit gegenüber der Regierung finden auch AKP-Wähler befremdlich
Der neue Alkoholbann der frommen türkischen Regierungspartei AKP ist eher Kosmetik für die Wähler. Wer will, kann bis 21.59 Uhr immer noch Bier und Raki im Laden kaufen
Wolen Siderow, der Führer der Rechtsextremen in Bulgarien, schwingt sich zum Schiedsrichter über die kommende Koalition von Sozialisten und der Partei der türkischstämmigen Bulgaren im Parlament auf. Dort regiert das politische Patt.
Dubiose Unternehmergruppen, eine Selbstverbrennung und ein Rücktritt. Der bulgarische Politiologen und Umweltaktivisten Nikolai Marinow zeichnet vor den Wahlen ein düsteres Bild seiner Heimatstadt Varna.
...dass die aserbaidschanische Bevoelkerung durch 20 Jahre Absenz von guter Erziehung (extreme Korruption im ganzen Erziehungssystem) und Extrem- Intensiv- Propaganda bei dem Thema Armenien (JEDEN Tag wird in den Nachrichten als erste Meldung berichtet, welche abscheulichen, hinterlistigen, widerwaertigen und brutalen Teufel die Amenier sind) voellig irrational geworden ist. Je juenger, dest duemmer und radikaler ist der Durchschnittsaserbaidschaner. Leider. Sehr traurig fuer die erste islamische Demokratie, die auch fuer Europa so wichtig sein koennte. Aliyev wird die Geister, die er rief, hier nicht mehr los.
In Aserbaidschan wie auch in anderen "Nationen" muss durch Lügen eine Feindschaft gegenüber den ehemaligen Bewohner der für den Islam eroberten Gebieten aufrecht erhalten werden. So und nur so kann die Aufklärung im Keim erstickt werden. Der Hass ist so stark ausgeprägt, dass rationale Denkansätze verpönt sind.
Ich kann es nicht beweisen aber ich glaube hier eine Gleichschaltung mit der Schutzmacht Türkei feststellen zu können:
„An dem übersteigerten Nationalgefühl tragen Jahrzehnte staatlich kontrollierter und gelenkter schulischer Indoktrinierung sowie verantwortungsloser medialer Hetze die Hauptschuld… In den Schulbüchern, werden Armenier, Griechen und Syrer als Feinde dargestellt….“
Quelle:
Internationale Gesellschaft für Menschenrech
Sie können auf die Feinde der Armenier, die Türken, zählen. Diese verstehen sich als Schutzmacht Aserbaidschans. Und damit haben sie indirekt die Unterstützung der USA und der EU. Der Axtmord ist unter Freunden eine quantité négligeable für die liebevollen Beziehungen zur human westlichen Wertegemeinschaft.
Frankreich:
"Als Alijew Anfang der Woche zu einem Arbeitsbesuch nach Paris kam, gab es Demonstrationen und eine Mahnung von Präsident François Hollande, der aserbaidschanische Staatschef möge ein „Klimat des Vertrauens mit Armenien wiederherstellen“"
Und die Österreichisch-aserbaidschanische Handelskammer lädt dieser Tage zu einer „Konferenz der Gastfreundschaft“ nach Aserbaidschan.
Warum kann Österreich kein deutliches Zeichen nach außen hin setzen? Erst wenn der internationale Druck groß genug ist schließen wir uns an?
Meine sie vielleicht diesen Abschnitt im Artikel?
"Anfang Oktober reist Aserbaidschans Wirtschaftsminister mit einer Delegation nach Ungarn. Dass Baku als Dankeschön Staatsfonds des abgebrannten Landes kauft, ist als armenische Propaganda abgetan worden."
wieso ein de-facto Land, welches noch dass demokratischste in der gesammten Sowjetunion ist, das von besoffenen Sowjets willkürlich gezogen wurde an einem Psychopaten abtreten muss, der dort seine Pseudomonarchie etabliert hat.
Es geht hier nicht um Armenien vs. Aserbaidschan.
Eher geht es um Berg-Karabach vs. Alijew.
San Marino hatte im Mittelalter eine ähnlich abstruse Situation mit einem Familien-Clan (Malatesta) in der Nachbarschaft. Ratet mal, wer siegreich daraus hervorging.
Monte Melkonian (* 25. November 1957 in Visalia, Kalifornien; † 12. (?) Juni 1993 in Bergkarabach; armenisch ????? ?????????, in wissenschaftlicher Transliteration Mont‘e Melk‘onean) war ein US-amerikanischer politischer Aktivist, Asala-Terrorist und Freischärler und späterer Kommandant der Einheit von Martouni im Krieg um Bergkarabach und armenischer Abstammung. Er war einer der Anführer der Asala.
Im Frühjahr 1985 wurde er Mitglied der leninistischen armenischen Terrororganisation Asala. Er erhielt eine militärische Ausbildung. Es gilt als sicher, dass er an der Besetzung der türkischen Botschaft am 24. September 1981 teilnahm.
Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.