Prozess um OPEC-Anschlag vor deutschem Gericht

Angeklagte Sonja Suder soll Waffen für den Chef des Terrorkommandos, Carlos, beschafft haben

Frankfurt - Knapp vier Jahrzehnte nach dem tödlichen Terroranschlag auf die Konferenz der Organisation Erdölexportierender Länder (OPEC) in Wien rollt das Frankfurter Landgericht die Ereignisse noch einmal auf. Auf der Anklagebank sitzt seit Freitag eine mutmaßliche ehemalige Terroristin der Revolutionären Zellen (RZ). Die Anklage wirft der 79 Jahre alten Sonja Suder dreifachen Mord und einen versuchten Mord vor.

Bei dem Überfall auf die OPEC-Konferenz in Wien waren 1975 Dutzende Menschen als Geiseln genommen und nach Algerien entführt worden, darunter mehrere Ölminister. Drei Menschen wurden getötet.

Dafür ist Suder nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft mitverantwortlich, obwohl sie in Wien gar nicht dabei gewesen sei. Sie habe sich vorher im Frankfurter Stadtwald mit dem Terroristen Hans-Joachim Klein getroffen und Waffen für Carlos beschafft, den Chef des Terrorkommandos. Die Geiselnahme ist strafrechtlich mittlerweile verjährt, ebenso die Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung.

Diverse Sprengstoffanschläge

Außerdem müssen sich Suder und ihr Gefährte Christian Gauger (71) wegen diverser Sprengstoffanschläge in den 1970er Jahren in Nürnberg, Frankenthal bei Ludwigshafen und Heidelberg verantworten. Als die beiden Angeklagten am Freitag den Gerichtssaal betraten, klatschten junge Sympathisanten minutenlang Beifall.

Am ersten Prozesstag wurde lediglich die Anwesenheit der Beteiligten festgestellt, zur Verlesung der Anklage kam es noch nicht. Der Prozess wird sich in die Länge ziehen - schon jetzt hat das Gericht 39 Fortsetzungstermine bis zum 26. März nächsten Jahres angesetzt. Der nächste Verhandlungstag ist für den 2. Oktober vorgesehen.

Suder soll Klein rekrutiert haben, der später in seinem eigenen Prozess als Kronzeuge gegen sie aussagte und 2001 wegen des OPEC-Anschlags zu neun Jahren Haft verurteilt wurde. Gauger soll für Anschläge auf Fabriken und das Heidelberger Schloss verantwortlich sein. In den Jahren 1975 bis 1978 entstand dabei erheblicher Sachschaden. Mit dem OPEC-Attentat hat der schwer kranke Gauger laut Anklage nichts zu tun.

Die Verteidigung warf dem Gericht vor, nicht ausreichend geprüft zu haben, ob die Aussagen von Zeugen, auf die sich die Anklage stützt, überhaupt verwertbar sind. So sei einer der Zeugen, der bei einem Attentatsversuch Augen und Beine verlor, bei der Vernehmung 1978 traumatisiert gewesen.

Gemeinsam mit Gauger war Suder im September vergangenen Jahres von Frankreich den deutschen Justizbehörden übergeben worden. Gauger kam zunächst in ein Gefängniskrankenhaus in Kassel und ist derzeit nicht inhaftiert, Suder wurde in Frankfurt in Untersuchungshaft genommen. (APA, 21.9.2012)

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