Nick Knatterton und die Rad-Taliban

  • Tweed-Ride: Die humorresistente Fundi-Bikerszene war "not amused".
    foto: derstandard.at/von usslar

    Tweed-Ride: Die humorresistente Fundi-Bikerszene war "not amused".

Ein Lehrstück über den "Verrat am Radfahren"

"Wenn es wen so stört, soll er halt wegschauen." David Marold wundert sich: Dass sich tatsächlich Menschen darüber echauffieren, weil sich ein paar Leute am Rad einen Dresscode auferlegen, hätte der Wiener "nicht im Traum erwartet". Die Vehemenz, mit der vom "Verrat am Radfahren" per "Verhipsterung" und "Boboisierung" gezetert wird, weil andere schick radeln, "irritiert mich".

Was sich der Verlagsmitarbeiter zuschulden kommen ließ? Er findet einen Trend nett, der 2008 in London entstand: "Tweed Rides" nämlich.

Hauptsache "british"

Tweed Rides sind Ausfahrten im 30er-Jahre Stil: Nick-Knatterton radelt mit Tim & Struppi. "Das macht manchen Spaß - und tut keinem weh" fand Marold, gründete Tweedride.at und bat letzten Freitag zur Ausfahrt: "70 Leute kamen - und gaben sich Mühe."

Denn der Einstieg ist leicht: "Rollkragenpulli, Wollsakko, die Hose in Kniestutzen. Vielleicht noch eine Schiebermütze", Hauptsache man gibt sich "british": Die "Fahrrad-Mods" speisten zur "tea time" Gurkensandwiches. Einer mit Melone und Schirm wollte Gin Tonic ausschenken. Man tanzte "Lindy Hop" (einen 30er-JahreTanz). Gefahren, so Marold, wurde "aber doch rechts. Sicherheitshalber."

Fazit: Teilnehmer, Publikum "und fünf Millionen Touristen" hatten Spaß. Nur die humorresistente Fundi-Bikerszene ist "not amused": Das Rad statt als Ideologietransporter und Kampfgefährt(en) als schickes Stilmittel zu nutzen, ist für Wiens Rad-Taliban "Verrat". Marold macht das ratlos: "Ganz ehrlich: Ich verstehe nicht, wo da das Problem liegt." (Thomas Rottenberg, Der Standard Printausgabe, 21.9.2012)

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