Tiefer, weiter und vor allem atemloser

Ansichtssache

Apnoetauchen! Aufsehen hat der Sport zuletzt durch den Weltrekordversuch von Herbert Nitsch erregt. Dieser tauchte mit Hilfe eines speziellen Schlittens in eine wahrlich atemberaubende Tiefe von 244 Meter.

Der Versuch war erfolgreich, endete jedoch auf Grund von gesundheitlichen Beschwerden im Krankenhaus. Der Wiener befindet sich nach wie vor in Therapie und auf dem Weg der Besserung.

foto: aida austria

Doch Apnoetauchen ist nicht immer ein Einzelgang. Die Weltmeisterschaft fand von 9. bis 16. September im französischen Nizza statt, und zwar als sogenannte Team-WM. Jede teilnehmende Nation entsendet sowohl ein dreiköpfiges Damen- als auch Herrenteam.

Gezählt wird eine Gesamtpunktezahl. Eine Disqualifikation drückt den Schnitt stark nach unten, deswegen wird besonders auf die Sicherheit der Athleten geachtet.

Österreich wurde in Nizza durch Christopher Friedrich, Martin Mühlbauer, Christian Fötinger, Bernadette Schildorfer, Elisabeth Mattes und Karin Gebauer vertreten.

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Eröffnet wurde das Event mit einer großen Parade durch Nizza und dem nahegelegenen Ort Villefranche-sur-Mer. Insgesamt nahmen 31 Nationen und über 180 SportlerInnen an dieser Weltmeisterschaft teil.

Österreich reiste neben den sechs Athleten mit einer Physiotherapeutin, einem Team-Captain und zwei weiteren Betreuern an.

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Links das medizinische Personal, rechts die Medien und in der Mitte das Tieftauchseil mit Schiedsrichtern, Sicherheitstauchern und Organisatoren.

Begonnen haben die Wettkämpfe nämlich mit der Disziplin "Constant Weight", dem Tieftauchen aus eigener Kraft und nur mit der Hilfe einer Flosse als Antrieb. Volle Punktezahlt gibt es nur beim tatsächlichen Erreichen der vorher angegeben Tiefe.

Tiefer kann nicht getaucht werden, denn das Orientierungsseil endet genau auf der jeweiligen Tiefe des Tauchers - welcher mit einer Sicherheitsleine mit diesem verbunden ist, um im Notfall auch sicher zur Oberfläche gebracht werden zu können. Dreht ein Athlet früher um, setzt es Strafpunkte.

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Österreich platzierte sich mit seinen Leistungen im oberen Mittelfeld. Christopher Friedrich (links) tauchte 65 Meter tief, Martin Mühlbauer 62 Meter und Christian Fötinger 46 Meter - trotz hoher Wellen und sehr schwierigen Bedingungen.

Auch das Damenteam beeindruckte mit 43 Meter von Bernadette Schildorfer (neuer nationaler Rekord) und 36 Meter von Elisabeth Mattes. Karin Gebauer (Mitte) plante 45 Meter tief zu tauchen.

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Doch just bei Gebauers Tauchgang war das Meer grausam und machte einen entspannten und sicheren Tauchgang wegen starkem Seegang und heftigem Sturm unmöglich. Aufgrund eines kleinen Fehlers an der Oberfläche wurde sie disqualifiziert (Video).

Die besten in dieser Disziplin waren der Franzose Guillaume Néry mit 114 Meter und die Japanerin Misuzu Hirai mit 77 Meter.

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Im nächsten Bewerb, dem Zeittauchen, ging es darum in absoluter Ruhe möglichst lange an der Oberfläche liegend die Luft anzuhalten. Der Idealzustand: etwas schläfrig und müde, aber entspannt und zufrieden.

Doch auch diese Disziplin birgt große Gefahren in sich, wenn sie nicht ohne eine gute Ausbildung und fundiertes Wissen ausgeübt wird. Die Athleten begeben sich dabei an ihre körperlichen Grenzen und schaffen es beim Überschreiten dieser oftmals nicht mehr alleine aus dem Wasser - eine kurze Bewusstlosigkeit ist die Folge. 

Auch hier platzierten sich die Österreicher im guten Mittelfeld. Martin Mühlbauer schaffte es 5:58 Minuten (Video) die Luft anzuhalten, gefolgt von Christopher Friedrich mit 5:19.

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Christian Fötinger (hier bei der Behandlung durch Physiotherapeutin Gundi Friedrich) wurde durch einen kleinen Fehler in der Körperhaltung ein Strich durch die Rechnung gemacht.

Beim Kämpfen in den letzten Sekunden verließen seine Atemwege für einen winzigen Augenblick die Wasseroberfläche, was sofort mit einer roten Karte geahndet wurde. Hier konnte jedoch das österreichische Damenteam punkten. Bernadette Schildorfer erreichte 4:55, Karin Gebauer 4:15 und Elisabeth Mattes 3:36.

Die besten in dieser Disziplin waren der Däne Jesper Stechmann mit 7:50 Minuten und Natalia Molchanova mit 7:06 Minuten.

 

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Als letzter Bewerb war dann die sportliche Königsdisziplin an der Reihe - das Streckentauchen. Hier geht es schlicht darum, mit einem einzigen Atemzug eine möglichst große Distanz zu durchtauchen. Österreich konnte auch hier seine erwartete Leistung erbringen.

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Martin Mühlbauer (Bild) erreichte 160 Meter, Christopher Friedrich 146 und Christian Fötinger 106.

Bei den Damen trumpfte Bernadette Schildorfer mit gewaltigen 136 auf. Sie holte sich damit auch zugleich ihren zweiten Nationalrekord bei dieser WM. Und das obwohl sie den Sport erst seit sieben Monaten betreibt. Elisabeth Mattes tauchte souveräne 102 und Karin Gebauer sichere 80.

Die WM-Besten dieser Disziplinen waren das russische Familien Dream-Team Alexey Molchanov mit 242m und seine Mutter, Natalia Molchanova mit 208m.

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Da Österreich sowohl bei den Herren, als auch bei den Damen mit einer roten Karte bestraft wurde, fiel das Gesamtergebnis zwar nicht wie erhofft, aber dennoch zufriedenstellend aus. Die Herrenmannschaft erreichte unter insgesamt 26 Teams den 16. Platz.

Die Damen erreichten den 12. Platz unter 17 Nationen. Der Sieg bei den Herren ging an Kroatien, bei den Damen an Japan.

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Die Vorbereitungen auf den nächsten Wettkampf laufen bereits auf Hochtouren. Schon zu Faschingsbeginn, am 11. November 2012 findet im Bundessportzentrum Südstadt, der größte internationale Apnoewettkampf Österreichs - der Hydro Dynamic 2012 statt. (red; 21.9.2012/Dieser Artikel wurde in Zusammenarbeit mit Martin Mühlbauer erstellt)

Links

Zusätzliche Infos zum Apnoetauchen, Ausbildungen sowie Vereinen und Trainingszeiten unter www.divestyle.at und www.aida-austria.at.

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