Audi ersinnt die CO2-neutrale Mobilität

Andreas Stockinger
23. September 2012, 17:17
  • Der technische Unterbau für den A3 Sportback TCNG - fährt mit Erdgas, das CO2-neutral erzeugt werden kann.
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    Der technische Unterbau für den A3 Sportback TCNG - fährt mit Erdgas, das CO2-neutral erzeugt werden kann.

  • Erste Pilotanlagen in Deutschland und den USA laufen bereits an, 1500 Audis können so ab 2013 klimaneutral fahren.
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    Erste Pilotanlagen in Deutschland und den USA laufen bereits an, 1500 Audis können so ab 2013 klimaneutral fahren.

  • Schicke Modelle gehören zu einem "Future Lab" natürlich dazu.
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    Schicke Modelle gehören zu einem "Future Lab" natürlich dazu.

  • So auch bei Audi.
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    So auch bei Audi.

  • Hier ist eher Zukunftsmusik zu sehen.
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    Hier ist eher Zukunftsmusik zu sehen.

Erste Produktionsstätten zur Entwicklung einer neuen Generation alternativer Treibstoffe starten bereits. Fernziel: CO2 zur Spritgewinnung direkt aus der Luft

Gestatten: Mein Name ist Blau. Kyanos eigentlich, weil die Griechen mich so getauft haben. Ich stamme aus der Familie der Stäbchenförmigen - Bakterion sagen die Hellenen.

Uralt bin ich in der Tat. 3,5 Milliarden Jahre. Ganz erheblich älter als Sie da, Sie von der Gattung Homo sapiens sapiens. Sie Jungspunde allerdings haben sich jüngst an meine Erbschaft herangemacht. Mich damit ganz durcheinandergebracht. Mein Erbgut modifiziert. Das bringt mich ins Schwitzen, und der Saft, den ich dabei absondere, mit dem können Sie schon in naher Zukunft unbeschwerten Umweltgewissens durch die Gegend sausen.

Wenn Audi sich die photosynthetisch begabten Cyanobakterien vorknöpft, so hat dies den genannten ganz konkreten Grund, und wie das funktioniert und auf wie breiter Front insgesamt der bayerische Hersteller sich der Zukunft der Mobilität annähert, das erfuhr DER STANDARD soeben bei einem Technologie-Symposion "Audi future lab mobility" (sich der Muttersprache Deutsch anzunähern stand wohl nicht auf der Agenda).

Nicht allein seligmachend

Audi ist dabei klug genug zu bekennen: "Wir erheben keinen Anspruch auf allein seligmachende Ideen", so der ebenso kompetente wie eloquente aus Linz stammende Technikpapst Heinz Hollerweger, Leiter Entwicklung Gesamtfahrzeug, und man wolle "auch nicht erzählen, dass wir wissen, wie die Zukunft geht". Die Audianer haben im Zukunftskonnex jedoch etliche erstaunliche, mitunter verwegen, ja: kühn anmutende Ideen, und damit zurück zu besagten "blaublütigen" Mikroorganismen als der spannendsten eine.

Hobbs, New Mexico. Audi kooperiert hier mit dem US-Unternehmen Joule. Eine Pilotanlage ist gerade im Entstehen, für 2014 ist der kommerzielle Produktionsstart geplant, herauskommen sollen dann Synthetik-Ethanol und -Diesel, und zwar, das ist der Clou, ganz ohne Benutzung von Agrarflächen. Mithilfe von Sonnenenergie entstehen aus CO2 und Abwasser flüssige Kraftstoffe, mithilfe besagter genmanipulierter Mikroorganismen. Die "Ernte" ist erstaunlich: Kommt man bei einem Hektar Mais auf 3500 Liter Bio-Ethanol, bringt bei dieser neuen Methode ein Hektar 75.000 Liter!

Aus der Luft gegriffen

Noch einmal: keine Biomasse, keine Konkurrenz zu Lebensmitteln. Schlau auch: Statt dass Fabriken CO2 in die Luft pusten, wird das klimaaktive Gas bei diesem Ansatz dort abgezweigt und zur Spritgewinnung verwendet; so ließen sich ab sofort Zementwerke und andere CO2-Schleudern sinnvoll zweitnutzen.

In letzter Konsequenz soll dann CO2 direkt aus der Luft gewonnen werden, vielleicht kommt ja bald einmal ein ähnliches Genie daher wie einst Fritz Haber, der sich des Luft-Stickstoffs zur nobelbepreisten Ammoniaksynthese bediente. Der saubere Treibstoff der Zukunft wäre dann sozusagen auch aus der Luft gegriffen.

Helios und Aiolos

Ein anderes Projekt, bei dem es um "CO2-neutrale Premiummobilität" geht und bei dem die "Rohstoffe" für den Sprit vollständig erneuerbar sind, ist noch weiter fortgeschritten als das in der Halbwüste New Mexicos, und wenn dort Helios, der Sonnengott, eine entscheidende Rolle spielt, dann hier, in Werlte im schönen Emsland, Aiolos, der windige Geselle.

Gemeinsam mit dem Anlagenbauer Solarfuel werkelt Audi an einer E-Gas-Anlage, die zur Elektrolyse den Überschussstrom einer Offshore-Windkraftanlage nutzt - nochmal, zum Einsickernlassen: Strom, der sonst ungenutzt verpufft, wird hier zur Wasserstofferzeugung (H) genutzt. Das CO2 bezieht die Anlage aus einer damit vom diesbezüglichen Emissionsverdacht entlasteten Biogasanlage, und aus der Vermählung von H und CO2 in der Methanisierungsanlage entspringen viele kleine Kohlenwasserstoffe: synthetisches Methan, das wieder ins Erdgasnetz eingespeist werden kann und wird. Im dritten Quartal 2013 soll das Werk den Regelbetrieb aufnehmen und jährlich 1000 Tonnen Methan produzieren.

Pilotprojekt geplant

Mit dieser Menge, und damit finalmente zur praktischen Anwendung, lassen sich 1500 Kompaktwagen mit einer Laufleistung von 15.000 km p. a. versorgen. Audi will das auch wirklich 1500 Kunden anbieten, das dazupassende Auto wurde soeben vorgestellt, A3 Sportback TCNG heißt das Ding, als Motorisierung wurde ein 1,4 TSI mit 110 PS gewählt. Ja und dann? Über eine spezielle Tankkarte wird die getankte Gasmenge zentral registriert - und exakt dieselbe Menge vom Werk im Emsland ins Erdgasnetz eingespeist.

Auch wenn das nur ein Anfang ist: willkommen in der CO2-neutralen Zukunft. (Andreas Stockinger, Der Standard Printausgabe, 21.9.2012)

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Aha, KEINE Biomasse

Eine Suppe aus Cyanobakterien, die Biosprit herstellen, ist offenbar, wenn man dem Standard glauben darf, KEINE Biomasse. Man lernt ja nie aus..... ;-))
Nur - was ist das denn sonst?

Der Ausstieg aus dem Erdöl hat schön begonnen

Noch sind es erst kleine, zaghafte Schritte. Aber die theoretischen Gesamtkonzepte sind schon da und werden Zug um Zug umgesetzt.
Elektroautos, Biogas-, Windgasautos sind im Kommen. Die alternative Stromerzeugung mit Sonne und Wind wird von Tag zu Tag rentabler und gleicht sich den Kosten des Erdöls an.
Unter diesen Gesichtspunkten heute noch in der Arktis zu horrenden Kosten nach Öl zu bohren ist schon sehr von gestern.

Die Chinesen sind uns da schon wieder einen Schritt voraus,..

sie bieten bereits =48Volt Wärmepumpen an, das ergibt aus einer Kilowattstunde an die 3 kWh an Wärme im E-Auto.
Das wir technisch immer weiter ins Hintertreffen gelangen haben wir unseren tüchtigen Koalitionären zu verdanken, dafür liefern die demnächst wiederum 100Mio als Kioto-Strafe ab, Geld das wir nicht haben.

endlich...

... mal vernünftigt klingender beitrag zum diesem thema!

cyanobakterien gehören keineswegs alle

zur "Familie der Stäbchenförmigen "

alles nur Blendgranaten der Autolobby(Benzin,Diesel)

Ein Elektroauto ist ein sehr einfach aufgebautes Ding das eigentlich wesentlich günstiger sein müste (mit Akku) als ein Verbrennermodell - davor hat die Autoindustrie Angst.
Beispiel Blendgranate ungernütze Windenergie:
man erzeugt aus der hochwertigen Elektroenergie Wasserstoff - daraus dann Methan und versorgt dann damit die uneffizienten Verbrennungsmotore.
(Kosten, Gesamtwirkungsgrad!!!!)
Nur ja keine Fahrzeuge mit Elekromotor!

die spezifischen kosten lithiumakku sind beim fahrradlicht ganz gut mit jenen der autoakkus zu vergleichen - warum sollten die beim auto ohne subventionierung wesentlich günstiger sein?
das e-mobilität, sofern ohne oberleitung/Stromschiene bisher nur seine untauglichkeit bewiesen hat steht ja auch außer zweifel

Leider ists halt so, dass die Strom-Infrastruktur für einen breiten Einsatz von Elektroautos als Puffer für Erzeugungsspitzen aus Windkraft- und Fotovoltaikanlagen bei weitem nicht leistungsfähig genug ist. Sie müssten z.B. halb Wien umgraben, um hier entsprechend leistungsfähige Anspeisungen allerorts bereitzustellen.
Darüber hinaus solltens die Vorzüge einer etwas wärmeverlustbehafteten Umsetzung von chemischer zu kinetischer Energie nicht unterschätzen. Moderne Autos müssen Sprit zuheizen, weil der Kühlkreislauf in der kälteren Jahreszeit einfach nicht genug abwirft, um die Kabine zu heizen. Wollens wirklich 2/3 des Akkus im Winter durch eine elektr. Heizung laufen lassen? Wenn die Kapazität des Akkus so und so schon miserabel ist?

Und Sie glauben, der Strom kommt eh aus der Steckdose ?
Unser Strom kommt zu einem Drittel aus fossilen Brennstoffen. Bei Zusatzbedarf ehöht sich das.

qualifizierte Beiträge wären gefragt!

natürlich benötigen E-Autos Strom, aber bei vernüftger Tarifgestaltung werden die Autos dann geladen wenn gerade Überschuss produziert wird. (in der Nacht, wenn die Windräder alle laufen oder die PV Anlagen sehr viel produzieren) auf jeden Fall besser als über Pumpspeicherwerke zu versuchen Strom zu speichern, weil:
schlechter Wirkungsgrad - lange Leitungen erforderlich.
Der Strombedarf der Elektrofahrzeuge wird im übrigen stark überschätzt!!

liest du auch was du schreibst, in der Nacht wenn PV Anlagen viel produzieren?
aber im ernst: den kübel läd man auf wenn der akku saft benötigt, nicht wenn grad irgendwer mein jetzt wäre es günstig - das nennt man individuelle mobilität.

So richtig kenn ich mich ja net aus, denk mir aber, dass eine massenhafte Nutzung von Elektroautos (eine Mio. in Ö zum Beispiel) doch auch einen sehr ordentlichen Mehrbedarf an Strom benötigen würden.

Und nachdem Strom und dessen Erzeugung, und auch der stetige Mehrbedarf von uns, ein sehr strittiges Thema für die Zukunft ist, glaub ich kaum, dass Elektroautos eine nachhaltige Lösung für die Zukunft sein werden... da beisst sich ja was in den Schwanz irgendwie :)

...du brauhst nur ein eindrad mit gutem wirkungsgrad

auf´s auto dach montieren & der fahrtwind treibt dann das windrad kostenlos an!...

Mit Verlaub, ihre Annahme ist nicht richtig

Fuer Deutschland hat man ausgerechnet, dass wenn man den gesamten Autoverkehr auf Strom umstellen wuerde, der Strombedarf um 16% steigen wuerde. Das ist eine Menge, freilich, aber machbar. Die Herausforderung einer kompletten Umstellung der gesamten Stromproduktion auf Erneuerbare ist so und so enorm. Das E-Auto macht das Kraut auch nicht fett.

genau, geht nicht + geht nicht = geht nicht.
das was audi hier macht ist jene überschüsse zu nutzen die im norden deutschlands tatsächlich vorhanden sind und über stromleitungen nicht abtransportiert werden können, und daher umgewandelt im gasnetz transportiert werden. die perfekte lösung solang man jemanden findet ders bezahlt.

Strom, der ungenutzt verpufft?

...kann sich das noch jemand leisten?

die alternative sind stromleitungen bauen die
1) sauteuer sind
2) keiner auf seinem grund bzw in der nähe seiner wohnung haben will
3) nur für einige stunden pro jahr - in der zeit starker wind und wenig bedarf - genutzt werden.
da ist das audikonzept zumindest sinnvoller

Naja, wo hab ich das gelesen?
Es ist absurd, eine Energiesparlampe einzusetzen, um damit 40 Watt zu sparen .... die Energiesparlampe aber im Supermarkt zu holen und dort mit dem Auto hinzufahren, wobei man locker die Entsprechung von 200.000 Watt verbraucht.

nochwas zum unqualifizierten Beitrag von "Nacktbar"

Watt ist die Einheit für Leistung!
Gemeint war vieleicht 200kWh. (= Enerrgie)
Wenn man dem gegenüberstellt das ein E-Auto für 100km ca. 15kWh benötigt können Sie mit 200kWh einen Supermarkt besuchen der 600 km entfernd liegt. (oder was haben Sie für Fahrzeuge????)
oder meintes Sie etwa den Verbrauch der Glühbirne - das wäre bei 1000Std. Brenndauer 40kWh.
- in der Schule wohl nicht aufgepasst??

Und die Glühbirnen haben sie zuvor ohne Energieeinsatz selbst hergestellt? Oder haben Sie diese vielleicht doch auch im Supermarkt gekauft?

stimm so - aber

ist nicht das Thema dieses Beitrages - außerdem das besorgen einer Glühlampe würde, wenn man es so macht,genausoviel Energie benötigen.
Anmerkung: Energiesparlampen sind OUT - LED in IN
(beim nächsten Einkauf mitnehemn - dann lohnt sich das auf jeden fall - kann man relativ einfach durchrechnen!!)

Es gibt Zeiten in denen man dafür bezahlen muss um seinen Strom abgenommen zu bekommen.

schön und gut, nur die passenden Autos kosten dann wieder 36000€ aufwärts...

Praktisch kann jeder Otto-Motor auch mit Erdgas betrieben werden

Serienfahrzeuge kosten hier um 1.000- 2.000 € mehr als der reine Benziner. Nachrüsten kommt auf 2.000 - 3.000 €.

Danke für Ihre Information

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