reacTable: Das DJ-Pult der Zukunft

Iwona Wisniewska
21. September 2012, 14:15
  • Ein kleines "Pop-Up-Menü"
    vergrößern 800x536
    foto: derstandard.at

    Ein kleines "Pop-Up-Menü"

  • Der Tisch ist relativ kompakt, bietet aber trotzdem genug Platz, damit bis zu vier Leute daran arbeiten
    vergrößern 800x536
    foto: derstandard.at

    Der Tisch ist relativ kompakt, bietet aber trotzdem genug Platz, damit bis zu vier Leute daran arbeiten

  • Hier der Lautstärke-Regler
    vergrößern 800x536
    foto: derstandard.at

    Hier der Lautstärke-Regler

  • Im Zusammenspiel können richtig gute Beats und interessante elektronische Musik erzeugt werden
    vergrößern 800x536
    foto: derstandard.at

    Im Zusammenspiel können richtig gute Beats und interessante elektronische Musik erzeugt werden

Ein Instrument, das viele Experimentalmusiker und DJs begeistert, war in Wien zu Gast

Es war 2005, als Martin Kaltenbrunner gemeinsam mit spanischen Kollegen in Barcelona einen Tisch entwickelte, der eher nach einem Science-Fiction-Gerät denn nach einem Musikinstrument aussah. Als Universitätsprojekt entwickelten Kaltenbrunner und Kollegen ein DJ-Pult, der mit den konventionellen Instrumenten in der Musik nicht vergleichbar ist: Der Tisch, genannt reacTable, arbeitet mit einer Kameratechnik, die Codes erkennt und ausführt. Am Donnerstag präsentierte der Linzer sein Projekt im Rahmen der Veranstaltung "User Interface 2020. Beyond Touchscreen", einem Event aus der Reihe TwentyTwenty.

Haptik im Vordergrund

Gespielt wird auf dem Tisch mit bunten Würfeln und anderen "Bausteinen", die mit Codes - genannt "Amöben" - bedruckt sind. Die Kameratechnologie unter dem Tisch erkennt die Codes und spielt je nach Code unterschiedliche Musik ab. Nicht nur Beat-Samples, Schlagzeug oder hohe Frequenzen können abgespielt werden: Mit eigenen Elementen für Lautstärke oder Frequenzbereich kann so ganz individuell Musik gestaltet werden. Dank optischem Multitouch werden mehrere Würfel und Elemente auf den Tisch gelegt, die im gemeinsamen Zusammenspiel Musik erzeugen. Ein aufklappbares Menü erlaubt verschiedene Einstellungen und Anpassungen - natürlich ebenfalls am Tisch selbst. Für Kaltenbrunner ist vor allem die Verbindung analoger Techniken mit der digitalen Welt interessant. Der kooperativ Faktor ist ebenfalls nicht zu vernachlässigen: Der Tisch ist mit Absicht rund und nicht eckig, sodass bis zu vier Personen daran werken können.

Innerhalb weniger Minuten aufgebaut

2007 kam für Kaltenbrunner und seine Freunde der erste große kommerzielle Erfolg: Die isländische Musikerin Björk hat das Gerät gekauft. Interessant ist der Tisch vor allem für Musiker, die auf Tour gehen. In einer neueren Version ist der reacTable nämlich mobil geworden und kann innerhalb von 15 Minuten aufgebaut werden. Wer seinen reacTable auf Tour mitnimmt, kann die visuell durchaus spannend gestalteten Vertonungen über einen Kamera-Stream auf einer Leinwand seinen Konzertbesuchern zeigen. Für den Musiker selbst ist die Erfahrung Musik ansehen und auch fühlen zu können, eine spannende. Viele Museen und DJs greifen mittlerweile auf den Musiktisch zurück. Ganz billig ist er nicht, immerhin kostet der Tisch 10.000 Euro. 

Erlernen in der Praxis - ohne große Theorie

Das intuitive Interface, die Portabilität und auch die individuelle Anpassung eröffnen experimentierfreudigen Musikern neue Welten. Durch einfaches Probieren ist mühevolles und langes Erlernen nicht unbedingt notwendig, denn es geht vor allem um das Erforschen und Erfahren. Gelernt wird praktisch und nicht - wie bei vielen Musikinstrumenten - zuerst in der Theorie. Das Gerät hat sich etwa 75 Mal bis jetzt verkauft, so Kaltenbrunner. Das Universitätsprojekt ist mittlerweile zu einem Unternehmen geworden und ansässig in Spanien. Martin Kaltenbrunner begleitet das reacTable-Team nur noch in beratender Funktion und hat eine Professur an der Kunstuniversität in Linz im Interface Culture Lab angenommen. 

Smartphone-Apps

Als kleine Draufgabe hat das reacTable-Team eine App für iOS und Android entwickelt, die ein bisschen reacTable-Feeling versprüht. Wer sich anschauen möchte, wie das Gerät funktioniert, kann sich ein Video dazu auf YouTube ansehen:

 

(Iwona Wisniewska, derStandard.at, 21.9.2012)

Share if you care
Posting 1 bis 25 von 26
1 2

Ich kam vor ein paar Monden (so ca. in 2009 oder 2010) in den Genuß ein paar Stunden am ReacTable zu verbringen. War unglaublich amüsant!

Jaja, DJing und producing, der Unterschied ist jedem egal...

ganzes Album vom Herbst 2011

Oliver Huntemann Paranoia
Hat seine ca. einjährige Reactable Liveshow gerade beendet.

gääääähn

vor jahren shcon auf der Ars electronica präsentiert das ding. Oliver Huntemann hat letztes Jahr sogar am Urban Art Forms damit gespielt....

in linz beginnz und schon nach ein paar jahren bekommen auch die wiener es mit

die iOS App gabs doch auch schon zu Zeiten des iPad 1?

*lechz* aber 10.000 find ich dan im endefekt gar nicht so dramatisch. cooles projekt!!!

ach, bei vielen djs würd ein mp3-player auch reichen.
siehe aoki, der durch die ganze halle tanz und ein set spielt ohne seine turns zu berühren.

bin gespannt wann der trend wieder richtung liveband zurückschwenkt.

Aoki ist wirklich ein kaschperl.
Es ist als Trance-Hörer gerade wirklich traurig.
Es gibt von A state of Trance 550 ein 10-Stunden video auf youtube und ich traue mich zu behaupten dass kein einziger Live aufgelegt hat.

der trend richtung live-band

kommt spätestens wenn das copyright abgeschafft wird ;)

Was mich eher ärgert bei den meisten DJs, ist dass die es nicht packen mit Dramaturgie aufzulegen. Die machen nette Breaks und Drops, aber nach 2 Stunden denkt man sich, er steigert zwar irgendwie, aber es wird langsam fad weil es keinen "Energiewechsel" gibt.

Fast so schlimm wie diese Dubstep-DJs, die alle 35 Sekunden einen neuen Drop machen..

dafür ist dubstep die erste habe stunde richtig geil!

was weiß ich.
ich seh' mir die chemical brothers an, wünsch mir mal daft punk zu sehen, und halte alles andere für kindergarten.

(natürlich kenn ich die meisten guten sachen aus dem bereich nicht, komm ja eher aus der gitarrenecke.)

Fett!

Mich würde ja mal interessieren, wie lange man braucht, um genauestens zu wissen was man da eigentlich macht! Also wenn ich zB. einen bestimmten Ton erzeugen möchte und ich dann auch weis wie ich den mache.

Geht schon, man kann sich ja am Computer darauf einschießen. Gibt sogar ein paar gute free VSTs. Klangtechnisch kommen die an das vollanaloge Zeug nicht ran (Bauteile etc), aber bevor man sich einen modularen zulegt sollte man sowieso wissen was man überhaupt für module haben will.

imho ists vermutlich am besten sich einfach mal mit Synthies zu beschäftigen, z.B. Massive von Native Instruments. Das Ganze ist keine Hexerei und wenn man das mal so ein Jahr verwendet, dann weiß man auch wie man Vogelzwitschern, Donnergrollen oder einen klassischen Ravesynth baut ; D

Wunderbar, jetzt werden noch mehr Computerfutzis zu Musikern.

Freu mich schon auf die Interview, wenn manche einer wieder glaubt, Bass komme nur von der Bassdrum ;)

dass sind immerhin schon welche die bereits wissen dass es nicht basedrum heisst.

jedes jahr auf der musikmesse in frankfurt schau ich da vorbei und finde es immer noch faszinierend!

nicht ...

nur das das teil schon relativ alt ist, die apps gibts auch schon länger.
genial ist es auf alle fälle, auf einem tablet macht es auch schon spaß.

gleiches gilt auch für das TENORI-ON von yamaha

kostet leider auch dicke : D

Sieht sehr interessant aus :) Hätte vielleicht wirklich Potential. Muss mir das gleich genauer ansehen.

bzw: liebe redaktion,
euer Link zu "reacTable"
hat zur Zeit ein "http://" zuviel drin.
nur als Hinweis am Rande ;)

Iwona Wisniewska
03
21.9.2012, 14:30

Vielen Dank, Link ist ausgebessert :)

Uralt Teil... gabs schon vor 5 Jahren ;)

Posting 1 bis 25 von 26
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.