reacTable: Das DJ-Pult der Zukunft

  • Ein kleines "Pop-Up-Menü"
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    foto: derstandard.at

    Ein kleines "Pop-Up-Menü"

  • Der Tisch ist relativ kompakt, bietet aber trotzdem genug Platz, damit bis zu vier Leute daran arbeiten
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    Der Tisch ist relativ kompakt, bietet aber trotzdem genug Platz, damit bis zu vier Leute daran arbeiten

  • Hier der Lautstärke-Regler
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    Hier der Lautstärke-Regler

  • Im Zusammenspiel können richtig gute Beats und interessante elektronische Musik erzeugt werden
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    Im Zusammenspiel können richtig gute Beats und interessante elektronische Musik erzeugt werden

Ein Instrument, das viele Experimentalmusiker und DJs begeistert, war in Wien zu Gast

Es war 2005, als Martin Kaltenbrunner gemeinsam mit spanischen Kollegen in Barcelona einen Tisch entwickelte, der eher nach einem Science-Fiction-Gerät denn nach einem Musikinstrument aussah. Als Universitätsprojekt entwickelten Kaltenbrunner und Kollegen ein DJ-Pult, der mit den konventionellen Instrumenten in der Musik nicht vergleichbar ist: Der Tisch, genannt reacTable, arbeitet mit einer Kameratechnik, die Codes erkennt und ausführt. Am Donnerstag präsentierte der Linzer sein Projekt im Rahmen der Veranstaltung "User Interface 2020. Beyond Touchscreen", einem Event aus der Reihe TwentyTwenty.

Haptik im Vordergrund

Gespielt wird auf dem Tisch mit bunten Würfeln und anderen "Bausteinen", die mit Codes - genannt "Amöben" - bedruckt sind. Die Kameratechnologie unter dem Tisch erkennt die Codes und spielt je nach Code unterschiedliche Musik ab. Nicht nur Beat-Samples, Schlagzeug oder hohe Frequenzen können abgespielt werden: Mit eigenen Elementen für Lautstärke oder Frequenzbereich kann so ganz individuell Musik gestaltet werden. Dank optischem Multitouch werden mehrere Würfel und Elemente auf den Tisch gelegt, die im gemeinsamen Zusammenspiel Musik erzeugen. Ein aufklappbares Menü erlaubt verschiedene Einstellungen und Anpassungen - natürlich ebenfalls am Tisch selbst. Für Kaltenbrunner ist vor allem die Verbindung analoger Techniken mit der digitalen Welt interessant. Der kooperativ Faktor ist ebenfalls nicht zu vernachlässigen: Der Tisch ist mit Absicht rund und nicht eckig, sodass bis zu vier Personen daran werken können.

Innerhalb weniger Minuten aufgebaut

2007 kam für Kaltenbrunner und seine Freunde der erste große kommerzielle Erfolg: Die isländische Musikerin Björk hat das Gerät gekauft. Interessant ist der Tisch vor allem für Musiker, die auf Tour gehen. In einer neueren Version ist der reacTable nämlich mobil geworden und kann innerhalb von 15 Minuten aufgebaut werden. Wer seinen reacTable auf Tour mitnimmt, kann die visuell durchaus spannend gestalteten Vertonungen über einen Kamera-Stream auf einer Leinwand seinen Konzertbesuchern zeigen. Für den Musiker selbst ist die Erfahrung Musik ansehen und auch fühlen zu können, eine spannende. Viele Museen und DJs greifen mittlerweile auf den Musiktisch zurück. Ganz billig ist er nicht, immerhin kostet der Tisch 10.000 Euro. 

Erlernen in der Praxis - ohne große Theorie

Das intuitive Interface, die Portabilität und auch die individuelle Anpassung eröffnen experimentierfreudigen Musikern neue Welten. Durch einfaches Probieren ist mühevolles und langes Erlernen nicht unbedingt notwendig, denn es geht vor allem um das Erforschen und Erfahren. Gelernt wird praktisch und nicht - wie bei vielen Musikinstrumenten - zuerst in der Theorie. Das Gerät hat sich etwa 75 Mal bis jetzt verkauft, so Kaltenbrunner. Das Universitätsprojekt ist mittlerweile zu einem Unternehmen geworden und ansässig in Spanien. Martin Kaltenbrunner begleitet das reacTable-Team nur noch in beratender Funktion und hat eine Professur an der Kunstuniversität in Linz im Interface Culture Lab angenommen. 

Smartphone-Apps

Als kleine Draufgabe hat das reacTable-Team eine App für iOS und Android entwickelt, die ein bisschen reacTable-Feeling versprüht. Wer sich anschauen möchte, wie das Gerät funktioniert, kann sich ein Video dazu auf YouTube ansehen:

 

(Iwona Wisniewska, derStandard.at, 21.9.2012)

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