Eurokrise bremst Welthandel aus

21. September 2012, 16:54

Internationaler Warenaustausch soll heuer statt 3,7 Prozent nur um 2,5 Prozent wachsen

Singapur - Die Schuldenkrise in Europa bremst den Warenaustausch rund um den Globus. Die WTO senkte ihre Prognose für das Wachstum des Welthandels in diesem Jahr von 3,7 auf 2,5 Prozent. Er lege damit nicht einmal halb so stark zu wie im Durchschnitt der vergangenen 20 Jahre, teilte die Welthandelsorganisation mit. Für 2013 erwartet sie nun nur noch ein Plus von 4,5 Prozent - im Frühjahr waren noch 5,6 Prozent vorausgesagt worden.

"Der Hauptgrund für diese Verlangsamung ist natürlich Europa", sagte WTO-Chef Pascal Lamy. "Wir wissen aber auch, dass das US-Wachstum schwächer als angenommen ausfällt und dass Japan nicht in guter Form ist." Viele Euro-Länder stecken in einer Rezession, weil sie im Kampf gegen die Schuldenkrise Steuern erhöht und Ausgaben gesenkt haben. Die Chancen, dass sich der Handel stärker entwickelt als erwartet, bezeichnete Lamy als gering: "Die Abwärtsrisiken überwiegen."

Nachlassende Nachfrage aus China

"In einer zunehmend miteinander verflochtenen Welt drohen sich ökonomische Schocks schnell auszubreiten", sagte Lamy. Laut WTO hat vor allem die europäische Schuldenkrise die Hoffnung auf eine exportgetriebene Erholung der Weltwirtschaft zunichte gemacht. Für die Korrektur der Prognose habe dies eine große Rolle gespielt. Die EU steht immerhin für 60 Prozent der Importe der entwickelten Volkswirtschaften. Gemeinsam mit einer nachlassenden Nachfrage aus China treffe die vor allem die Entwicklungsländer, vor allem in Asien, so die WTO.

Die WTO-Prognose basiert auf der Annahme, dass die weltweite Wirtschaftsleistung in diesem Jahr 2,1 Prozent und 2013 um 2,4 Prozent wachsen wird. "Es ist schon überraschend, dass das Handelsvolumen langsamer wächst als die Weltwirtschaft", sagte Lamy.

Die Welthandelsorganisation befürchtet zudem eine wachsende Gefahr, dass die jahrelange Krise die Regierungen verstärkt zu protektionistischen Maßnahmen zum Schutz der heimischen Wirtschaft veranlassen könnte.

Die deutschen Exporteure können trotz der schwächeren Entwicklung ihren Weltmarktanteil ausbauen: Nach Prognose ihres Branchenverbandes BGA legt ihr Auslandsumsatz in diesem Jahr um etwa vier Prozent zu und damit schneller als der weltweite Handel insgesamt. Das dürfte auch 2013 der Fall sein: Der Deutschen Industrie- und Handelskammertage (DIHK) sagt dann ein Plus von sechs Prozent voraus. Derzeit liegt der deutsche Anteil am Welthandel bei 8,1 Prozent. (APA, 21.9.2012)

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