Schlechte Zähne sind nicht vererbt

  • Zucker wird in der Nacht nicht vom Speichel neutralisiert.
    foto: ruth rudolph/pixelio.de

    Zucker wird in der Nacht nicht vom Speichel neutralisiert.

Mangelhaftes Putzen führt bereits bei Kleinkindern zu Karies - Abendliches Fläschchen und Dauerstillen schaden den Zähnen

Salzburg - Zähneputzen ist schon bei Babys, die den ersten Zahn bekommen, unerlässlich. Denn gerade bei den Kleinkindern ist die Gefahr von Karies besonders groß. Das erklärte die Kinderzahnärztin Verena Bürkle anlässlich des derzeit laufenden Symposiums für Kinderzahnheilkunde in Salzburg. Die größte Gefahr bei Kleinkindern seien nicht Naschereien, sondern das abendliche Fläschchen.

"Das ständige Fläschchen oder Dauerstillen ist für die Zähne nicht gut", meinte die Medizinerin. In der Nacht würden Zucker und Säuren nämlich nicht vom Speichel neutralisiert und könnten so die Zähne angreifen. Ganz generell seien gesüßte Getränke - auch die beliebten Verdünnungssäfte - für die Zahngesundheit problematisch. "Am besten ist es, Wasser zu trinken", rät die Zahnärztin.

Bei Kleinstkindern ortet die Medizinerin eine Lücke bei den Vorsorgeprogrammen für Zahngesundheit. "Im Kindergarten ist es oft schon zu spät", weiß Bürkle. Mit richtiger Mundhygiene müsste man ab dem ersten Zahn beginnen. Deshalb werde versucht, Kinderärzte, Hebammen und die Anbieter von Stillgruppen für das Thema Zahngesundheit zu sensibilisieren.

Bakteriöse Erkrankung

Insgesamt werde die Zahngesundheit der Kinder besser, stellt die Ärztin fest: "Wir haben ganz viele Kinder mit gesunden Zähnen, aber einige wenige mit sehr schlechten Zähnen." Es gebe Kinder, die hätten mit zweieinhalb Jahren zehn kariöse Zähne. Das hänge auch oft mit dem sozialen Hintergrund eines Kindes zusammen. Wenn Eltern keinen Wert auf die eigene Mundhygiene legen, dann achten sie auch bei ihren Kindern nicht darauf.

Dabei seien "schlechte Zähne" nicht vererbt, sondern meist die Folge mangelhaften Putzens bei Kindern und Eltern. Karies sei nämlich ansteckend, die Bakterien würden von den Eltern auf die Kinder übertragen. "Den größten Gefallen können Eltern ihren Kindern damit tun, dass sie sich selbst die Zähne sanieren lassen und regelmäßig zur Mundhygiene gehen."

Platzhalter Milchzahn

Der weit verbreiteten Ansicht, dass die Milchzähne ohnehin ausfallen und sie damit nicht wichtig seien, widerspricht die Ärztin: "Die Milchzähne sind Platzhalter für das bleibende Gebiss. Wenn kaputte Zähne früh gezogen werden, dann zieht das durch den Platzverlust meist aufwendige kieferorthopädische Behandlungen nach sich." Außerdem besteht bei kariösen Milchzähnen die Gefahr, dass sie die bleibenden Zähne anstecken.

Der Tipp der Medizinerin: Vom ersten Milchzahn an täglich zwei Mal zu putzen. Die Eltern sollten bis zum zehnten Lebensjahr des Kindes nachreinigen. Süßigkeiten sind erlaubt, allerdings in Maßen - etwa nur nach den Mahlzeiten oder zu bestimmten Zeiten. Vorsicht ist auch bei süßen Lebensmitteln und süßem Obst geboten. "Wenn ständig wieder etwas in den Mund geschoben wird, schadet das den Zähnen am meisten", meinte Bürkle: "Man muss den Zähnen auch einmal eine Pause gönnen." (APA, 21.9.2012)

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