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Die Aktienmärkte sind kaum wiederzuerkennen. Noch vor wenigen Jahrzehnten gehörten professionelle Anleger wie Fondsmanager, Pensionskassen und Staatsfonds zu der Minderheit an den Kapitalmärkten. Seit 1945 hat sich aber der Anteil der institutionellen Anleger in den USA von acht auf 70 Prozent erhöht. Alleine Investmentfonds halten laut Daten der US-Börsenaufsicht SEC fast jede dritte der ausstehenden Aktien. Auch in Europa nimmt die Bedeutung von Fonds und Versicherungen als Anleger zu. Zudem spielen die großen globalen Geldhäuser auch hierzulande eine wachsende Rolle.
Doch sie vertreten ihre Anleger nicht angemessen bei Hauptversammlungen und wichtigen Unternehmensentscheidungen, kritisiert der Gründer der Investmentgesellschaft Vanguard, Jack Bogle, in einer Kolumne für die "Financial Times". Denn viel zu selten würden Investmentfondsmanager es wagen, gegen das Management von Unternehmen aufzubegehren und die Anlegerinteressen, etwa gegen überhöhte Managerbezüge, zu verteidigen. Die Fondsmanager seien stumm geworden. Die Gründe sind für Bogle mannigfaltig.
Fondsgesellschaften hätten nicht wirklich große Anreize haben, sich gegen das Management von Unternehmen zu wehren. Schließlich geht es den Gesellschaften ja um die Gewinne der Aktienportolios, nicht um Corporate Governance. Zugleich ist der Anlagehorizont immer kürzer geworden. Der Umschlag von Aktienportfolios ist im Schnitt drastisch gestiegen und die durchschittliche Haltedauer von Aktien geht immer weiter zurück. Für Bogle agieren immer mehr Finanzakteure spekulativ, als dass sie langfristig investieren. Und viele Fondsgesellschaften leben zudem ganz gut davon, dass sie die betrieblichen Pensionen von Großkonzernen verwalten. "Warum also die Hand beißen, die einen füttert?"
Fondsmanager führen zudem auch gute Gründe für ihren passiven Stil an. Wenn sie mit dem Management eines Unternehmens nicht zufrieden sind, verkaufen sie eben ihre Anteile, anstatt sich in der Hauptversammlung zur Wehr zu setzen. Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Gerade auch bei gut geführten Unternehmen gibt es ständig Handlungsbedarf, etwa bei den Vorstandsbesetzungen oder -bezügen.
Und so langsam tut sich was. Einzelne Institutionen proben den Zwergenaufstand: Fonds haben in der jüngsten Wahlsaison bei Unternehmen (etwa zu den Themen Managerbezügen oder Direktorenbestellung) so stark Protest geäußert wie noch nie. Ganz besonders deutlich wurde das bei den großen US-Banken. Citigroup und JPMorgan etwa müssen sich mit unzufriedenen Aktionären herumschlagen, die ihnen die Zustimmung zu den Managergehältern versagt haben, auch in den Reihen der Investmentgesellschaften. Ebenso hat sich die größte US-Investmentgesellschaft Blackrock mit etlichen Führungsetagen überworfen.
Die "Schweizerische Handelszeitung" schreibt zudem, dass auch Norwegens 560 Milliarden Dollar schwerer Staatsfonds künftig bei Schweizer Unternehmen (er hält u. a. Beteiligungen an UBS und Nestlé) mehr mitreden möchte, um seine Investitionen aktiv zu verteidigen. So hat der Staatsfonds zusammen mit dem Fonds aus Katar die Übernahme des Bergbaukonzerns Xstrata durch den Rohstoffhändler Glencore blockiert, weil der Preis den Aktionären zu niedrig schien. Es scheint, dass die schwierigeren Zeiten am Kapitalmarkt die Mitsprache wertvoller gemacht haben. (Lukas Sustala, derStandard.at, 21.9.2012)
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