Shuttle-Zeitalter zu Ende: "Endeavour" am Weg ins Museum

  • Die "Endeavour" kurz vor ihrer letzten Landung.
    foto: reuters/gene blevins

    Die "Endeavour" kurz vor ihrer letzten Landung.

  • Eine modifizierte Boeing 747 brachte das Shuttle unbeschadet zur Erde.
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    Eine modifizierte Boeing 747 brachte das Shuttle unbeschadet zur Erde.

  • Die Raumfähre wird nun ausgemustert und erhält einen Ehrenplatz im Museum in Los Angeles.
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    foto: jae c. hong/ap/dapd

    Die Raumfähre wird nun ausgemustert und erhält einen Ehrenplatz im Museum in Los Angeles.

Ausgemusterte US-Raumfähre wird nun Museumsstück

New York - Rund 30 Jahre lang war das Space Shuttle-Programm der NASA Amerikas ganzer Stolz und die Raumfähren Ikonen. Jetzt ist das Shuttle-Zeitalter zu Ende. Tausende verfolgten die Abschiedstour der "Endeavour" mit Begeisterung - aber auch mit großer Wehmut.

Das war's. Mit der Ehrenrunde der Raumfähre "Endeavour" über große Städte der USA in Kalifornien ist auch das endgültige Ende des Space Shuttle-Programms der US-Raumfahrtbehörde NASA besiegelt. Nie wieder wird - zumindest nach jetziger Planung - ein NASA-Shuttle starten oder landen, noch nicht mal mit Hilfe eines Träger-Flugzeugs. Alle vier verbliebenen Fähren sind in den Ruhestand versetzt und zu Ausstellungsstücken erklärt worden. Es ist das Ende einer Ära.

Als letzte der vier verbliebenen Raumfähren hatte sich die "Endeavour" Mitte der Woche auf dem Rücken einer umgebauten Boeing 747 vom Weltraumbahnhof in Cape Canaveral in Florida aus auf den Weg ins Museum gemacht. Für Freitagnachmittag (Ortszeit) war sie in ihrer neuen Heimat - der kalifornischen Metropole Los Angeles - erwartet worden. "Ich mache das mit einem lachenden und einem weinenden Auge", wurde Jeff Moultrie, einer der Piloten, die die Raumfähre nach Kalifornien brachten, von US-Medien zitiert. "Wir fühlen uns natürlich privilegiert, dass wir ein kleiner Teil der Geschichte sein dürfen. Aber wir sind auch traurig."

Über 20.000 Erdumrundungen

Rund 30 Jahre lang - seit dem ersten Start der Raumfähre "Columbia" am 12. April 1981 - war das Space Shuttle-Programm Amerikas ganzer Stolz gewesen. Die Raumfähren "Columbia", "Challenger", "Discovery", "Endeavour" und "Atlantis" legten auf ihren insgesamt 135 Missionen mehr als 870 Millionen Kilometer zurück, umrundeten 21.152 mal die Erde und wurden zu nationalen Ikonen. Ihre Erfolge wurden begeistert gefeiert, die Unglücke der "Challenger" und der "Columbia", bei denen insgesamt 14 Astronauten ums Leben kamen, schockiert betrauert.

Das Space Shuttle-Programm galt lange als Garant der US-Vormachtstellung im All, doch in der Realität war es vor allem eins: Zu teuer. Eine Milliarde Dollar (rund 700 Millionen Euro) kostete ein Flug zuletzt und brachte nicht viel mehr, als einen Transport zur Internationalen Raumstation ISS. Am 21. Juli 2011 landete die "Atlantis" ein letztes Mal in Cape Canaveral. Der Mars wurde zum neuen Ziel deklariert und bemannte Missionen dorthin sollen nach dem Willen der US-Regierung in wenigen Jahrzehnten starten.

Privatraumfahrt wird profitieren

Europäische und amerikanische Raumfahrer sind nun bei ihrem Weg zur Internationalen Raumstation ISS auf Mitfluggelegenheiten in den russischen "Sojus"-Raumschiffen angewiesen, die 1966 erstmals starteten. Auch die Privatindustrie profitiert vom Ende der Shuttles - als erster privater Weltraumtransporter war "Dragon" der US-Firma SpaceX im Mai an die ISS angedockt. Allerdings hatte er keine Menschen an Bord.

Die Raumfähre "Atlantis" ist jetzt Ausstellungsstück auf dem Weltraumbahnhof, "Discovery" im Museum in Virginia und die nie ins All geflogene Test-Raumfähre "Enterprise" in New York. Blieb nur noch "Endeavour". Tausende Amerikaner verfolgten in der vergangenen Woche das nostalgische Abschiedsspektakel des Space Shuttles - am Rand der Rollfelder, in den Städten, die der Doppeldecker aus Flugzeug und Raumfähre überflog, und live im Internet. Die "Endeavour" ließ sich Zeit auf ihrer Ehrenrunde und drehte über fast jedem amerikanischen NASA-Standort, der in die Ära der Raumfähren involviert gewesen war, noch ein paar Extra-Schleifen, um sich ein letztes Mal aus der Luft zu verabschieden. (APA, 21.9.2012)

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16 Postings
Ich kann mich noch gut erinnern an den 12.April 1981

und wie die Starts davor immer wieder verschoben wurden.Als 13jähriger konnte ich da noch richtig mitfiebern.Dann war ich froh,daß endlich eines gestartet ist.Aus einer US-Zeitschrift hat mir dann damals sogar jemand eine Liste der Shuttlestart-Termine mit zugehörigen Nutzlasten rauskopiert.Viele explizit militärische Missionen und auch viele mit kryptischen Bezeichnungen waren da aufgeführt.Gestimmt haben die Termine dann oft eh nicht.Naja,lange her,daß ich noch so einen Enthusiasmus für die Raumfahrt hatte.Die Explosion der Challenger 1986 brachte dann schon den ersten großen Rückschlag...

bei solchen schlagzeilen frage ich mich immer

ob die Menschheit in punkto Fortschritt ihren Zenit überschritten hat.
Statt ehrgeizigen Weltraumprogrammen/Raumfähren/Raumstationen/Missionen gibts ... Kampfdrohnen fürs Militär und ein größeres handy und einen größeren Fernseher für daheim.
That's it?
Schöne neue Welt, wir kommen!

Weltraumprogramme waren nie zivil

Mit diesen Augen sollte man die Anstrengugen diverser Regierungen betrachten.
So wie es auf der Erde nicht mehr einen einzigen Flecken gibt, der von zumindest einer Macht kontroliiert wird - sei es auch nur planerisch, so gibt es auch keinen nahen Weltraum mehr, der nicht militärisch genutzt wird.
Die USA scheinen nur weiter zu sein, und mehr aufs unbemannte zu setzen.

Disagree

Die NASA hat sehr viele Programme zur Erforschung des Weltraums. Deutlich mehr jedenfalls als der Rest der Welt zusammen.

ich sehe das eh global.

Ein halbes jahrhundert nach dem 1. mensch am mond hat die nasa nichtmal mehr eine bemannte raumfahrt. Was sie vielleicht in ein paar jahren haben ist die selbe methode wie vor 50 jahren: Kapseln.
Und das highlight auf jahre hinaus ist ein (zugegeben toller) roboter am mars.
Am Horizont ist nichts bahnbrechendes zusehen, die größte hoffnung wieder einen mensch am mond zu sehen sind die chinesen und das finde ich eher deprimierend. Und darüber hinaus ist alles blanke science fiction.
Im Jahre 1970 sah man 2010 menschen zwischen erde und den planete fliegen...

Die "Kapsel"

wird für 4-6 Astronauten Missionslängen von 21 bis 210 Tagen ausserhalb der Erdumlaufbahn ermöglichen. Und Apollo war max. 3 für max. 14 Tage ausserhalb der Erdumlaufbahn.
Und niemand - nicht die Europäer, die Chinesen und auch nicht die Russen hat nur annähernd was ähnliches in der Pipeline.

Und was den Mars Rover betrifft....der ist bei weitem nicht alleine:

GRAIL, Juno, DLRE, Dawn, MRO, EPOXI, Odyssey, Opportunity, Cassini-Huygens, Voyager 1& 2, New Horizons....

Und das sind jetzt nur die, die mir gerade einfallen die nicht im Erdorbit rumhängen sondern diesen verlassen haben und noch aktiv sind

also nach 50 jahren statt 3 besatzungsmitglieder 4-6.
Wieviele konnten nochmal mit dem shuttle fliegen? Waren das nicht 8?
Und der rest den sie aufzählten: Ja tolle UNBEMANNTE missionen der VERGANGENHEIT.
Ich will ja nicht sagen, dass es nichts mehr gibt! Was ich sage ist: vor 40 Jahren sah man optimistisch mit ehrgeizigen Zielen in die Zukunft. Die ernstzunehmende SCIENCE fiction sah uns im jahr 2010 mit forschungsstationen am mond und vielleicht sogar am mars.
Und heute? Ja, es gibt tolle satelliten im sonnensystem. Nur die russen haben eine ernstzunehmende bemannte raumfahrt, die usa haben vielleicht bald wieder eine.
Und in Punkto SCIENCE fiction: Da holt langsam die realität die pessimistischen dystopien ein.

Das Shuttle war ein Orbiter...

...und selbst wenn sie 20 Leute reingesteckt hätten auch nur gut für 14 Tage Weltraumaufenthalt + Reserve bis max. 600km Höhe.
Das ergäbe 20x14 Tage = 280 Tage Support - real waren es natürlich nur 8 und die längste Tour war knapp 16 Tage - macht 128 Manntage im Low Earth Orbit. Und niemand(!) baut ihnen eine Rakete die so ein Teil auf zweite kosmische Geschwindigkeit beschleunigen kann.

Apollo konnte 42 Manntage Support bereitstellen für Missionen bis max. 14 Tage.

Orion wird im Endausbau über 800 Manntage Support bereitstellen können für Missionen bis 210 Tage über das Erdorbit hinaus.

Wenn sie den Unterschied nicht begreifen können oder wollen ist das ihr Problem.

ich will das orion programm ja nicht schlecht reden, im gegenteil das erklärte ziel von obama Asteroiden und nicht der Mond könnte sich als eine entscheidung mit enormen weitblick erweisen.
Was ich meine: 1961, die amerikaner hatten noch nicht mal einen menschen in eine umlaufbahn gebracht, wurde das ziel mond erklärt, 8 Jahre (!) später war ein mensch am mond.
Seither sind 50 jahre entwicklung vergangen, seit 2011 haben die usa keinen transporter mehr ins all und das ziel ist um 2020 wieder einen zu haben. Nicht für den LEO, sondern darüber hinaus. Fein. Das ist trotzdem mit dem ehrgeiz von 1961 nicht zu vergleichen, denn man kann auf 50 jahre fortschritt, entwicklungen und erfahrungen zurückgreifen!

ich gebe zu bedenken

dass zwischen Apollo-Sojuz (stand ich übrigens heute davor im smithonian) und STS-1 auch 6 Jahre waren.

Weiters gebe ich zu bedenken, dass es nicht nur 50 Jahre Entwicklung und Erfahrung sondern auch eine enorme Steigerung der Komplexitäten gibt.

Eine P-51 Mustang war in Entwicklung ab 1940, in Produktion von 42-48 und in Dienst bis Mitte der 50er.
Die F-104 Starfighter war in Entwicklung ab 1952, in Produktion von 56-79 und im Einsatz bis Anfang/Mitte 90er.
Die F-16 war in Entwicklung ab 1970 und ist in Produktion seit 1978, im Dienst bis 2050(?)

Die Entwicklungszyklen im Luftfahrzeugbau werden generell immer länger, auch zivil, die Komplexitäten sind unvorstellbar gewachsen und werden noch größer.

aber in einem punkt muss ich ihnen wohl recht geben: dass wir uns nicht mehr einig werden. Vielleicht sollten wir die diskussion fortsetzen, wenn die usa wieder einen transporter ins all haben - also so um 2020, nach 2 weiteren präsidentenwahlen. Das shuttle-programm hat auch (bei allen erfolgen) bei weitem seine erwartungen nicht erfüllen können (von wegen 50 starts pro jahr, von wegen billig). Dann wird man beurteilen kann was wirklich aus dem orion-projekt wirklich geworden ist.

To boldly go where no man has gone before

Ich habe immer den Traum gehabt, dass die Erforschung des Weltraums die Menschheit ein wenig mehr "zusammenrücken" lässt. Das Shuttleprogramm war für mich dafür der beste Repräsentant. Aber vielleicht muss man einfach weniger träumen.
Good bye , Endeavour.

Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie ich als Kind voller Spannung auf den ersten Flug gewartet habe, dessen Übertragung ich wegen einer Verschiebung bis in den Urlaub hinein dann verpasst habe. Es ist traurig zu sehen, wie mit Concorde und Shuttle zwei Meilensteine des technisch machbaren im Museum verschwinden, ohne dass es würdige Nachfolger gäbe.

Es war ja angeblich zu teuer! Aber für Bomben haben´s genug Geld!
Und jetz müssens mit den Russen zur ISS fliegen...irgendwie peinlich!

kosten in ca 40 Jahren rund 150 Milliarden Euro....unbestritten sehr sehr viel Geld......was ist uns noch schnell Griechenland, oder besser sind uns die Banken Wert ??? Wenn man überlegt wieviele Arbeitsplätze damit über Jahrzehnte gesichert wurden ( siehe Wikipedia ) begreift man den Bankenwahnsinn etwas eher !!

Ich hätts ja noch verstanden, wenn es ein Nachfolgemodell gegeben hätte...aber so...

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