Septemberarbeit

Gregor Fauma
26. September 2012, 16:57
  • Die Zwiebel-Lieferungen treffen in der Regel Mitte September ein, nette Nachbarn
 in Pension nehmen die Kisten entgegen, und deren Inhalt harrt seinem 
Schicksal, der feuchtwarmen Septembererde.
    foto: derstandard.at/ped

    Die Zwiebel-Lieferungen treffen in der Regel Mitte September ein, nette Nachbarn in Pension nehmen die Kisten entgegen, und deren Inhalt harrt seinem Schicksal, der feuchtwarmen Septembererde.

Erschöpfend war das Nichtstun des Sommers, jetzt aber darf Gregor Fauma umso intensiver garteln

September - es gibt wieder Arbeit. Endlich sind die faden Wochen beständiger Hitze, lauen Winds und funktionierender Tröpfchenbewässerung vorbei.

Verblühtes wurde müde abgezwickt, Stauden wurden gestützt, und gelegentlich wurde eine Handvoll Wasserlinsen vom Holzsteg aus von der Oberfläche des Schwimmweihers geschöpft. Und damit war man selbst und die Arbeit bereits erschöpft.

Doch nun steht bald der Oktober vor der Tür, einer der schönsten Gartenmonate, und die Arbeit schwillt von einem milden Sollen zu einem imperativen Müssen an. Zumeist steht man bereits darauf, wenn man nach Septemberarbeit Ausschau hält: Der Rasen braucht Zuwendung. Die Hitze hat ihm zugesetzt, es gibt kahle Flecken, und der Boden ist nun bereit, neue Samen septemberwarm zu umhüllen und zum Austreiben zu bringen.

Denn Samen brauchen immer ein gewisses Maß an Wärme und Feuchtigkeit, um ihr Inneres nach außen zu kehren - und der September bietet hier ideale Verhältnisse. Düngen sollte man übrigens nie, wenn Neues schlüpfen, sich entfalten oder keimen soll. Das würde Gegenteiliges bewirken.

Zusammenrechen und Anreichern

Mitunter fallen auch schon die ersten Laubblätter von frühwelkenden Bäumen. Gelegentliches Zusammenrechen und Anreichern des Komposts gehören zu netten Nebentätigkeiten im September. Es ist quasi das Aufwärmen für den echten Herbst, wenn noch vor Schnee und Matsch eine dicke Laubschicht die Beete und Wiesen bedeckt.

Und weil das Gartenjahr im September beginnt, muss der Gärtner natürlich planen, was denn im kommenden Kalenderjahr so blühen soll. Dazu hat er Kataloge studiert, Gartenfeuilletons verfolgt und online die besten Zwiebelanbieter ausgeforscht. Die Lieferungen treffen in der Regel Mitte September ein, nette Nachbarn in Pension nehmen die Kisten entgegen, und deren Inhalt harrt seinem Schicksal, der feuchtwarmen Septembererde.

Die Zwiebeln gehören dann ungefähr ihrer doppelten Höhe entsprechend tief eingepflanzt. Sollten Sie sich dabei helfen lassen, vergessen Sie den Zusatz "aber Wurzeln nach unten" nicht. Es würde sich im kommenden Frühjahr rächen.

Rächen kann man sich auch an jenen Garten"freunden", die immer dann über den Zaun geschaut haben, wenn man eine Gartenleiche am Kompost seufzend begraben musste und dabei mit guten Tipps nicht allzu sparsam waren. Ihnen schenkt man einen Sack mit 500 Zwiebeln, irgendwelche Frühjahrsblüher, und genießt, wie die Garten"freunde" Opfer ihrer gärtnerischen Verantwortung werden und die nächsten Wochen mit krummem Rücken Stück für Stück 500 Knollen fluchend in die Erde drücken. So kann es einem gehen, wenn man interhortikulturellen Takt vermissen lässt.

Brutkästen und Vogelhäuschen

Des Weiteren kann man im Herbst zu groß gewordene Stauden teilen, indem Überirdisches entfernt und der Wurzelstock entzweigehackt wird, um erneut, schön getrennt voneinander, eingesetzt zu werden.

Auch die Rosen bekommen noch etwas ab, nämlich Kalium in Form von Kalidünger, das hilft ihnen bei gar tiefen Temperaturen im Februar, oder noch wichtiger, bei Spätfrösten bis hinein in den Mai. Der erhöhte Salzgehalt durch das bis dahin im Holz eingelagerte Kalium erhöht die Frostresistenz mitunter entscheidend.

Wer auch für die Fauna aktiv werden möchte, reinigt im September die Brutkästen und Vogelhäuschen. Bunte Vogelhäuschen waren ja diese Saison in diversen Gartenzentren der Renner. Das Reinigen der vermilbten, verkoteten Vogelhäuschen gehört nicht zu den schönsten Arbeiten, aber wer im Folgejahr wieder Kohlmeisen und Amseln eine Nistmöglichkeit zur Verfügung stellen möchte, kommt daran nicht vorbei.

Und die Igel danken es, wenn man ihnen ein geschütztes Eck des Gartens mit Astwerk und Laub ausstattet - sie fressen dann in Gegenleistung auch brav des Nachts die Nacktschnecken.

Mit der Nacktschneckensorge beginnt im September das Gartenjahr, und mit der Nacktschneckensorge wird es auch wieder enden. So ist es geplant - im ewigen Kreislauf der Natur, wie wohl ein Universum-Sprecher brummend-knurrend kommentieren würde. (Gregor Fauma, Rondo, DER STANDARD, 21.9.2012)

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Tipps für den Igel

Ich habe kürzlich im Schaugarten Kagran die "Benjes-Hecke" kennengelernt. Als Methode zur Verwertung herbstlichen Schnittholzes und als Quartier für Igel & Co. eine feine Sache - wenn man ein bisschen "Unordnung" im Garten aushält: wer den Platz hat, einfach googeln!

sowas hab ich auch - ganz ohne den benjes zu kennen :-)
die verabschiedung davon dass es im garten müll gibt ist der erste und wichtigste ansatz. dann dann entstehen haufen von reisig, laub, altem holz ganz von allein - wohin mit dem zeug?! - und damit halten tiere einzug die im sterilen garten keinen platz finden einzug - neben den säugetieren die nicht immer beliebt sind kommen auch deren fressfeinde. ohne obst dass am boden liegt um von nagern nächtens gefressen zu werden keine käutze und eulen, ohne totholz keine hirschkäfer, ohne rasenmäher wiederum überleben gottesanbeterin und eidechsen halt usw.

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