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Washington/Wien - Dass die San ein ganz besonderes Volk sind, wird von verschiedenen Wissenschaftsdisziplinen seit langem behauptet. Linguisten gehen davon aus, dass die einzigartigen Klick- und Schnalzlaute ihrer Sprachen Überbleibsel von ganz frühen Ursprachen des modernen Menschen sind. Ethnografische Untersuchungen der egalitären Sozialstruktur der Buschleute oder ihrer urtümlichen Jagdmethoden belegen ebenfalls den besonderen Status dieses weitverzweigten Volks, das durch den Film "Die Götter müssen verrückt sein" auch Eingang in die Populärkultur fand.
In den vergangenen Jahren haben Humangenetiker immer mehr Hinweise darauf zusammengetragen, dass die Wiege des modernen Menschen irgendwo im südlichen Afrika liegen muss und die San sehr nah an der Wurzel des menschlichen Stammbaums stehen dürften.
Ein internationales Forscherteam hat nun die bisher ausführlichsten DNA-Analysen an insgesamt 220 Vertretern von elf Gruppen der San und der Khoikhoi durchgeführt, die gemeinsam die Bevölkerungsgruppe der Khoisan bilden und im Süden und Südwesten Afrikas beheimatet sind. Die aufwändigen Untersuchungen, die im US-Wissenschaftsmagazin Science vorgestellt wurden, belegen nicht nur die extrem weit zurückreichende Herkunft der San, sondern brachten auch einige Überraschungen.
Laut den Berechnungen von Carina Schlebusch (Universität Uppsala) und Kollegen weisen die DNA-Unterschiede darauf hin, dass sich die San als älteste heute existierende Menschengruppe bereits vor rund 100.000 Jahren abspalteten. Das wiederum ist lange bevor der moderne Mensch aus Afrika in Richtung Asien und Europa aufbrach, was vor frühestens 70.000 Jahren geschah. Zum Vergleich: Die nächstälteste noch existierende Großgruppe Afrikas, die zentral- und ostafrikanischen Jäger-und-Sammler-Populationen, gehen seit erst etwa 45.000 Jahren eigene Wege.
Bei der Untersuchung der Verwandtschaftsverhältnisse innerhalb der Khoisan fanden die Forscher erhebliche genetische Differenzen, die zum einen darauf schließen lassen, dass sich die Khoisan vor 35.000 Jahren in eine nördliche und eine südliche Gruppe aufspalteten. Zum anderen lege die enorme genetische Diversität nahe, dass bereits am Beginn der modernen Menschheit wahrscheinlich mehrere Wiegen standen. (tasch, DER STANDARD, 21.9.2012)
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http://www.youtube.com/watch?v=Igako9Jqd3k
Naja, so toll ist mit ein wenig Nachdenken der große Zeitraum zwischen verschiedenen Populationen auch nicht. Denn das bedeutet ja nicht, dass es da 55.000 Jahre keine Abspaltungen mehr gegeben hat. Das bedeutet nur, die heute noch älteste existierende Abspaltung sind die San und die nächstälteste existierende Abspaltung sind die ostafrikanischen WildbeuterInnen-Kulturen. Vielleicht gabs in den 55.000 Jahren 55.000 Abspaltungen (jedes Jahr eine ;-)), aber die sind heute nicht mehr existent.
Umgekehrt heißt das aber auch, dass sich die San seit 100.000 Jahren nicht verkreuzt haben. In Europa wären sie in dieser Zeit vielleicht 100 mal durchmischt worden?
Ich weiß schon, dass ist sehr gewagt, vielleicht hat es früher weniger, oder auch mehr, Wanderungsbewegungen gegeben. Aber z.B. die Basken (mit einer vor-indogermanischen Sprache) und selbst die Ungarn kann man heute genetisch kaum mehr von der Umgebung unterscheiden. Nach 1100 Jahren.
Wenn die Buschleute genetisch die ursprüngliche menschlliche Bevölkerung repräsentieren oder ihr doch nahestehen, wofür die genbetische Vielfalt ein Indiz sein kann, dann hätten sie sich erst viel später mit Gruppen vermischen können, die sich unter Reduzierung dieser Vielfalt und zunächst sicherlich lange noch stark von von evolutionären Einflüssen (Pigmentverlust in nördlichen und -zunahme in aquatorialen Regionen, regionale Zunahme von adulter Milchzuckertoleranz in bereits ziemlich später Zeit etc.) geprägt, anderswo herausgebildet haben.
Einen gewissen Gene flow wird es (wenn) aber (wahrscheinlich) nicht nur in die San-Linie hinein, sondern auch aus ihr heraus gegeben haben. Nicht-neutrale Mutationen (also solche, mit eine Selektionsvorteil) wären da hinsichlich der Quantifizierung des Gene flow natürlich von neutralen Markern abzutrennen.
Von daher ist die Aussage des Vorposters "Umgekehrt heißt das aber auch, dass sich die San seit 100.000 Jahren nicht verkreuzt haben." auch eine der quantitativen Definition von "verkreuzt".
Hm. Jetzt bin ich verwirrt.
Wenn heute noch eine eindeutige genetische Eigenständigkeit ("gehen eigene Wege" interpretiere ich als mehr Unterschiede als die Häufung einfacher Marker) nachgewiesen werden kann, dann können sie sich mit anderen Zweigen nicht sehr intensiv vermischt haben. Sonst wären die Unterschiede wie z.B. bei den Ungarn verwischt worden.
Wo liege ich falsch?
Da dürfte es aber doch primär um solche Marker gehen (freilich nicht nur). Ist für Ihre Frage aber auch gar nicht so erheblich - obwohl z.B. eine phänotypisch bedeutsame Genvariante, die irgendwie einen Überlebensvorteil sichert, statistisch natürlich eine größere Chance hat, "sich in den San einzubürgern", selbst wenn es nur wenige Immigranten mit dieser Variante gab, die sie aus anderen Linien dorthin gebracht haben (und sich dort dann vergnügt haben). Gleiches gilt für die "Out migration" aus den San in umliegende Populationen. Das Mengenverhältnis von Immigranten zu Populationsgröße der aufnehmend Population spielt auch eine Bedeutung, ob solche "Einkreuzungen" über die Zeit nachweisbar bleiben.
(Muß das Paper aber auch noch lesen...)
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