Nachrichten in aller Kürze
Alles zur Community
Nachrichten, die zu Ihnen kommen: Newsletter, Feeds und SMS
Alles zu unseren mobilen Angeboten: Apps, Mobilversion und SMS
Unsere Radio- und TV-Angebote
Die Zeitung im Internet: Abo, E-Paper, Anzeigen und mehr
Alles über die Redaktion von derStandard.at
Alles über Onlinewerbung, Stellenanzeigen und Immobilieninserate

Die Länder haben die Wahl, sagt Kommissar Andor. Entweder sie heben das Pensionsantrittsalter drastisch an, oder sie riskieren die Zunahme der Altersarmut. Österreich fordert er auf, die Frühpensionierungen weiter einzuschränken und das Pensionsalter von Männern und Frauen rascher anzugleichen.
EU-Sozialkommissar László Andor fordert eine drastische Erhöhung des Pensionsantrittsalters in Europa. Konkret wünscht er sich im STANDARD-Gespräch, das Pensionsalter künftig automatisch an die steigende Lebenserwartung anzupassen. Die EU-Kommission werde zwar keinem Staat vorschreiben, wann Menschen in Pension zu gehen haben. "Aber die Länder haben die Wahl: Entweder werden Pensionen künftig sehr niedrig ausfallen, und die Altersarmut steigt. Oder die Beitragszahlungen werden angehoben, was möglich ist, aber der Wettbewerbsfähigkeit schadet. Die dritte Option, die wir unterstützen, ist es, länger zu arbeiten", so Andor.
Die Ausgaben für Pensionen werden in den EU-Ländern bis 2060 von derzeit zehn auf 12,6 Prozent der Wirtschaftsleistung ansteigen; für Andor eine "dramatische" Entwicklung. Für einige Staaten würden die Pensionszuschüsse um 30 Prozent steigen. Die österreichische Regierung forderte er dazu auf, die Anpassung des Pensionsalters von Frauen an jene der Männer zu beschleunigen. Österreich will die Anpassung 2033 abschließen, das sei eine "sehr langfristige Zielsetzung". Die Regierung solle die Frühpensionierungen weiter einschränken.
Andor warnt vor einer steigenden sozialen Kluft in der Eurozone und kritisiert die bisherige Antikrisenstrategie seiner Behörde. Sparprogramme allein würden Südeuropa nicht aus der Misere helfen. Notwendig sei ein Investitionsprogramm in der Art des Marshallplans.
STANDARD: Sie kämpfen dafür, dass die Menschen in der EU länger arbeiten: Das Pensionsantrittsalter soll automatisch mit der Lebenserwartung steigen. Sie sind 46. Wie lange möchten Sie arbeiten?
Andor: Vor meiner Zeit in der EU-Kommission war ich in Ungarn als Universitätsprofessor tätig. Das Pensionsalter für Hochschullehrer liegt dort bei 70 Jahren, und das ist sehr in Ordnung für mich.
STANDARD: Die Lebenserwartung in der EU soll bis 2060 um acht Jahre steigen. Wird Ihr Vorschlag in Österreich umgesetzt, müsste das Regelpensionsalter auf 73 Jahre angehoben werden. Ist das vertretbar?
Andor: Ich möchte keinem Land vorschreiben, wann die Menschen in Pension zu gehen haben. Fakt ist aber, dass die Wahrscheinlichkeit der heute arbeitenden Generation und ihrer Kinder, das 100. Lebensjahr zu erreichen, stetig steigt. Immer mehr Menschen haben also 40 Jahre Pension vor sich. Zugleich sinkt die Zahl der Erwerbstätigen. Länder haben die Wahl: Entweder werden Pensionen künftig sehr niedrig ausfallen und wird die Altersarmut steigen. Oder die Beitragszahlungen werden angehoben, was möglich ist, aber der Wettbewerbsfähigkeit schadet. Die dritte Option, die wir unterstützen, ist es, länger zu arbeiten.
STANDARD: EU-Länder geben für Pensionen zehn Prozent ihrer Wirtschaftsleistung aus. Geschieht nichts, werden diese Ausgaben bis 2060 auf 12,5 Prozent steigen. Klingt nicht so dramatisch.
Andor: Oh doch, das ist dramatisch. Die zwei Prozent bedeuten für einige Länder einen Anstieg der Ausgaben von 30 Prozent. Die Kostenveränderung ereignen sich nicht über Nacht und werden erst mit der Zeit spürbar. Diese Verzögerung hat es Regierungen ermöglicht, Reformen aufzuschieben. Aber wenn die Umstellungen nicht erfolgt, wird der Anpassungsdruck überwältigend groß.
STANDARD: Wie sehen Sie das Pensionsystem in Österreich?
Andor: Die Herausforderungen sind ähnlich wie im Rest der EU: Die Lebenserwartung steigt, die Fruchtbarkeit sinkt, jedes Jahr verlassen mehr Menschen den Arbeitsmarkt, als neue hinzukommen. Österreich hat zuletzt einige wichtige Entscheidungen getroffen, so soll das Pensionsantrittsalter für Männer und Frauen angeglichen werden. Wobei die Zielsetzung eine sehr, sehr langfristige ist.
STANDARD: Die Angleichung soll bis 2033 erfolgen.
Andor: Weshalb die Kommission Österreich gebeten hat, die Anpassung zu beschleunigen. Österreich sollte zudem die Frühpensionierungen weiter einschränken. Die EU-Kommission ruft nicht dazu auf, sie abzuschaffen. Es gibt Fälle, wo Frühpensionen begründet sind, etwa in physisch anstrengend Berufen. Aber grundsätzlich profitieren immer mehr Menschen von verbesserten Arbeitsbedingungen und von Weiterbildungsmöglichkeiten. Das sollte es ermöglichen, länger im Berufsleben zu bleiben.
STANDARD: Die Regierung hat die Wege zur Frühpensionierung zuletzt eingeschränkt. Reicht das?
Andor: Es ist eine Sache, etwas anzukündigen. Worauf es nun ankommt, ist die Umsetzung.
STANDARD: Stört es Sie nicht, dass Pensionen fast nur mehr unter dem Gesichtspunkt der Kosten diskutiert werden? Besonders Menschen, die eine Invaliditätspension in Anspruch nehmen, werden gern als Simulanten stigmatisiert.
Andor: Wir wollen niemanden stigmatisieren. Wir erarbeiten unsere Vorschläge nicht nur auf Grundlage von Statistiken, sondern sprechen mit den Organisationen, die Menschen mit Erkrankungen und Behinderungen vertreten. Dabei kommt klar heraus, dass diese Gruppen selbst die Integration am Arbeitsmarkt anstreben. Sie wollen länger arbeiten. Es ist uns auch bewusst, dass diese soziale Inklusion mit öffentlichen Förderungen unterstützt werden muss, weshalb wir dafür eintreten, 20 Prozent der Mittel aus dem EU-Sozialfonds für soziale Inklusion am Arbeitsplatz zu verwenden.
STANDARD: Sie sind auch für Sozialpolitik zuständig. Ist das Bild, dass die Menschen von Europa haben, durch die harten Sparprogramme in Spanien, Griechenland, Portugal nicht stark beschädigt worden?
Andor: Das Gesamtbild gibt Anlass zur Sorge. Was die soziale Situation betrifft, geht es weniger um ein gesamteuropäisches Problem als um die zunehmende Kluft in der EU. Wachstum, Finanzstabilität, Arbeitsmärkte, Sozialsysteme: Europa driftet auseinander. Österreich und Deutschland spüren das nicht so stark, aber im Süden hat sich die Lage dramatisch verschlechtert. Das hat eine Reihe von Konsequenzen. So nimmt die Auswanderung aus Griechenland, Irland und Portugal in andere Kontinente zu. Das ist beunruhigend. Die Kommission bemüht sich daher, bestehende Strukturfonds so stark wie möglich zu nutzen und die Folgen der Transformation zu mildern.
STANDARD: Können Länder wie Griechenland ohne einen Marshallplan, also ein Wiederaufbauprogramm, aus der Krise kommen?
Andor: Eine Art Marshallplan wird nötig werden. Denn alleine durch Lohnanpassungen - das steht derzeit klar im Fokus der Sparprogramme in Südeuropa - wird die Wettbewerbsfähigkeit nicht wieder aufleben. Dafür braucht es viele andere Voraussetzungen, wie den weiteren Ausbau der Infrastruktur. Zudem müssen Investoren angezogen werden, was aber in einem Umfeld sozialer und politischer Instabilität nur schwer möglich ist.
STANDARD: Wenn Sie recht haben, wird die Zukunft düster. Geld für ein Wiederaufbauprogramm will niemand geben.
Andor: Die Zukunft muss nicht düster sein. Um die Erholung zu ermöglichen, braucht Europa aber einen anderen Mix an fiskaler und monetärer Politik. Europa muss innovativ bleiben. Die Europäische Zentralbank hat nun einige innovative Schritte angekündigt. Aber das wird nicht genügen. (András Szigetvari, DER STANDARD, 21.9.2012)
László Andor ist seit 2010 Kommissar für Beschäftigung, Soziales und Integration. Der in den USA und Europa ausgebildete Ökonom hat zuvor an der Budapester Corvinus-Uni unterrichtet. Andor ist Ex-Berater des früheren sozialdemokratischen Premiers Ferenc Gyurcsány.
ÖVP-Staatssekretär: Zeit noch nicht reif für Schuldenvergemeinschaftung
Vizekanzler Spindelegger will mehr Demokratie in Union
Der EU-Parlamentarier über Großbritannien, das andere Länder "ewig in Geiselhaft nimmt", und die Selbstdemontage der SPÖ
Staatssekretär Lopatka: Regierung muss mehr Erklärungsarbeit leisten
Parlamentarier aus Brüssel im "Europa Club Uni" in Linz
31 Prozent sehen EU "total positiv" - Vor einem halben Jahr waren es nur 25 Prozent
Neuverteilung nach Beitritt Kroatiens im Ausschuss diskutiert - Schweden will für Österreich 18 statt 19 Sitze
EU-Abgeordnete Köstinger über die Affäre Strasser und das Dilemma der EU-Parlamentarier
BZÖ-Europaabgeordneter Stadler soll am Montag aussagen - Hans-Peter Martins Immunität soll erneut aufgehoben werden
Exbundeskanzler Franz Vranitzky fordert eine aktivere EU-Politik - Staatssekretär Wolfgang Waldner soll sich "vehement" auf Europa konzentrieren
Leitlinienkompetenz des Regierungschefs über Hintertür
Europaabgeordneter Sven Giegold über die Affäre Strasser, Egopolitik und nervige EU-Richtlinien
Sabitzer hatte Tonbandaufzeichnungen weitergegeben
Streit um möglicherweise entwendete Computerdaten von Hans-Peter Martin - Europaparlament soll im Oktober entscheiden
EP-Vizepräsident Karas gegen "Verweigerungshaltung" - Spindelegger warnt vor Beitrags-Verdoppelung
Vizepräsident des Europaparlaments plant Netzwerk der "Freunde des Europäischen Parlaments"
Streit um Computerdaten von Hans-Peter Martin
Britische Euroskeptiker zu radikal - In anderer Gruppe gab es ein Veto niederländischer Calvinisten
Acht Prozent dafür - EU-Ambitionen Ankaras geschwunden
SPÖ-Delegationsleiter im EU-Parlament: Bei Gewinn von EU-Wahl nicht leichtfertig Kommissarsanspruch aufgeben
Nach zweijähriger Vorbereitungszeit - Per Bürgercard oder Handy-Signatur kostenlos
Jeder Zweite mit Regierung unzufrieden - Keine Partei mit realistischen EU-Zielen
Nur ein Viertel der Befragten dagegen
Freund als Assistenten angemeldet und bezahlt, ohne dass dieser gearbeitet habe
Das wichtigste wäre mal ganz schnell einen Gehalts- und Pensionsdeckel einzuziehen, und dann Erbeinkommen über 10 Jahre in der Höhe der jeweiligen Lohnsteuer zu besteuern. Ein Mietendeckel, und Spekulationen bzw. andere Betrügereien und Korruption in Griff bekommen und dann schauen wir mal ob sich die Pensionen noch immer nicht finanzieren lassen. Und nein ich möchte keinen 70 Jahre alten Prof an der Uni sehen, da gibts nur wenige Ausnahmen die im hohen Alter noch was taugen. Hatte selbst einen uralten, der vergas immer wo er war und fing von vorne an..Alzheimer.
Gibt es offizielle Zahlen zum Sterbealter der Menschen in Österreich? Hab mal gehört mehr als die Hälfte der Männer erleben den 65. Geburtstag nicht.
Man will wohl das Pensionssystem gesund stoßen, indem man möglichst wenige Menschen überhaupt die Pension erleben lässt.
Zielführender wäre es die Pensionssysteme von den Finanzmärkten zu holen.
die selbstmordrate vor dem 65. geburtstag ist in österreich bei männern keine geringe, die tödlichen unfälle mit auto, motorrad und bei risikosportarten ist ebenfalls sehr männlich dominiert. die männer berauben sich also nicht selten unnötigerweise selber der möglichkeit älter zu werden...
Alkohol, Nikotin, Karrierestress sind wohl eher die Gründe.
Ich finde es jedenfalls unpackbar, dass wir immer später für immer weniger in Pension gebeten werden, wobei die Abgaben wie auch die Privatbeiträge so hoch sind.
Dabei ist das auch eine Form von Pensionsraub, wenn man seine eigene Pension trotz geleisteter Beiträge kaum oder gar nicht mehr erlebt.
welche ein Gleichheit, Frieden, Wohlstand für ihren Mitglieder sichert...sondern eine Spielwiese für Vereine von Bankiers, Großkapitalisten, Börsianer, Spekulanten "Anleger" und Konzernen welchen ohne jegliche Rücksicht auf die Großteil die Bevölkerungen und Auswirkung auf dem soziale Frieden, Verarmung, Umweltschutz fett absahnen....Vor allem schuldig daran die in EU mehrheitlich regierenden Konservative und Neoliberale Parteien! Natürlich die politisch naive, gutgläubige, uninformierte Bürgern, welchen unter große Angst leiden vor jede Änderung ins Land (wie neu Wirtschaft/Gesellschaftsleben, neue Werte, ernste Umweltschutz,usw) haben ...haben mehrheitlich diese Regierungen auch selbst gewählt! Die Fehler aber merken zu Spät....
Die Staats- und Regierungschefs Europas müssen durch einen lauten Aufschrei zur Vernunft gebracht werden! Die EU muss endlich demokratisiert werden, dafür braucht Europa deine Stimme!
Bitte jetzt die Petition für eine Europäische Verfassung der Bürger und Bürgerinnen unterzeichnen:
http://www.moveument.org/de
Bitte auch für den Newsletter anmelden und es Freunden/Bekannten/Verwandten/FB-Freuden weitersagen!
Weil Europa es Wert ist!
Danke!
Ein Leben lang im geschützen Bereich gearbeitet bzw. nie richtig was gearbeitet (auch bei uns in Ö: Schüssel, Blecha, Kukacka, ....)!
Aber die, die das bezahlen sollen länger arbeiten!
Solche Interviews bestärken mich immer noch zusätzlich, dass der EU-Beitritt Österreichs richtig war.
So kann doch übergeordnet Druck erzeugt werden.
Andernfalls würden wir wahrscheinlich noch in 30 Jahren mit 55 in die Pensn gehen, hinter uns die Sintflut!
Wie bei vielen Problemen gibt es wohl auch hier eine billige und eine etwas teurere. Die billigere wäre die Überreichung einer Torte mit Sprungteufelchen an den oder die in Pension Gehende(n), so dass dieser beim Anschneiden derselben einen Herzinfarkt bekommt und das Zeitliche segnet. Somit große Pensionsersparnis. Die teurere wäre aber die, die Pensionsbeiträge europaweit in einem sozial verträglichen Maß zu erhöhen. Der Wettbewerbsnachteil wäre somit ja ausgeschlossen, da in der ganzen EU eingeführt. Wozu haben wir sie schließlich. Und mit China oder den aufstrebenden Ländern Asiens oder Südamerikas werden wir sowieo nicht mit den Kosten konkurieren können, da müssten wir unsere Sozialsysteme so herunterfahren, dass es nur so kracht.
auch wenn's momentan gegen die richtlinien der wto ist. aber darüber debattieren wird man ja wohl noch dürfen, oder sollen wir wieder ins 19. jhdt. mit 6-tagewoche, 12-stundentag, keine krankenversicherung und kinderarbeit zurück?
Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.