Die Fädenzieher des Assad-Kriegs

Reportage | 20. September 2012, 20:06
  • Anwalt Hassoun schreibt Gesetze für die FSA.
    foto: standard/bernath

    Anwalt Hassoun schreibt Gesetze für die FSA.

Die türkische Provinz Hatay im Südwesten des Landes ist eine der Drehtüren nach Syrien

Syrische Anwälte, Ärzte, Exilpolitiker und Einzelkämpfer organisieren von dort den Krieg gegen das Regime von Bashar al-Assad. Eine Bestandsaufnahme.

 

Der Krieg schläft nie oder nur sehr wenig. Ahed hat rot unterlaufene Augen und ein rotes Gesicht. Ein Mann im Dauerbetrieb. Zwischen Mitternacht und vier Uhr morgens marschiert er, immer auf der Hut vor der syrischen Armee, aber auch der türkischen Gendarmerie. Tagsüber sammelt er die Anrufe auf seinem Mobiltelefon: von den Menschen, die rauswollen aus Syrien - dem Rebellen mit dem schlecht verheilten Beinschuss, dem zehnjährigen Mädchen, das als einziges die Bombardierung des Elternhauses überlebt hat; oder von Leuten, die hineinwollen, von privaten Spendern, die Medikamente ins Kriegsland schicken möchten. Lebensmittel wiegen zu viel. Die kann Ahed nicht auch noch in seinen Rucksack packen, wenn er im Schutz der Dunkelheit losläuft über die Grenze in Hatay, der südlichsten Provinz der Türkei.

Hier wird der Krieg gegen Ba shar al-Assad organisiert. Es gibt die Schmuggler und die Idealisten, die Geschäftemacher und die Menschenfreunde. Zu denen gehört Ahed, der gutmütige Syrer. "Ich nehme kein Geld. Manchmal gebe ich sogar noch Geld", sagt er. Seit 14 Monaten geht das so, fast so lange wie der Aufstand, der als demokratische Revolte gegen Syriens Machthaber begann und dann zum Krieg wurde.

Ahed hat seinen Ingenieursjob in Katar aufgegeben, seine Brüder finanzieren den Einsatz an der Front. "Ich kann nicht mit einem Gewehr umgehen. Also mache ich das", sagt der 31-Jährige. Menschen schleusen und Pakete mit Medikamenten über die Hügel nach Syrien schleppen. Auch NGOs rufen ihn mittlerweile an und bitten um seine Hilfe. Ahed, die Ein-Mann-Mission, arbeitet effizient.

Notgesetze für Rebellen

Die militärischen Erfolge der Rebellen, aber auch die Probleme mit dem Gastgeber Türkei lassen die syrischen Flüchtlinge aktiv werden. In Hatay gibt es Anwälte wie Ahmad Hassoun, die einen Rechtskatalog für jene Gebiete ausgearbeitet haben, die von der Freien Syrischen Armee und deren Verbündete kontrolliert werden. "Einige der Rebellen haben sich nicht an das Recht gehalten. Wir haben Bedarf an Regelungen gesehen", sagt Hassoun, "der Kampf darf nicht in ein Chaos führen".

Misshandlungen und Hinrichtungen von Gefangenen haben das Image der Aufständischen schwer beschädigt. Jetzt sei die Lage besser, behauptet der Anwalt, mit jedem Besuch in den Gebieten seien Fortschritte erkennbar. Auch Hassoun und seine Kollegen von der "Vereinigung der freien syrischen Anwälte" gehen in Syrien ein und aus.

Rund 30 Gesetzesartikel haben die Anwälte aufgesetzt und mit den regionalen Militärkommandos der Rebellen in Syrien abgesprochen, einem Dutzend augenscheinlich nur lose verbundener Gruppen. Der Rechtskatalog legt grundsätzliche Fragen fest wie den Umgang mit Gefangenen oder den Schutz von öffentlichen Gebäuden, die das Assad-Regime aufgegeben hat, aber auch das Verbot, Kinder als Soldaten in die FSA aufzunehmen.

Ein Justizkomitee hat dieser Tage seine Arbeit begonnen, berichtet der Anwalt, ein 56-Jähriger, der aus der syrischen Nachbarprovinz Idlib nach Hatay flüchtete. Syrische Richter, die sich der Opposition anschlossen, sollen künftig Recht sprechen und Scharia-Räte ersetzen, die hier und da das Gesetz in die Hand genommen haben. Der Anstoß für den Rechtskatalog kam aus dem streng abgeschirmten Lager der FSA in der Türkei nahe Hatay, der gleichnamigen Provinzhauptstadt. Doch die Rebellenchefs in Syrien wollten sich nichts vorschreiben lassen, erzählt Hassoun.

Syrer, die regelmäßig in Kontakt mit den Aufständischen auf der anderen Seite kommen, berichten von der Geringschätzung der Kämpfer für die Offiziere im Lager Apaydin, die nur wenig Einfluss auf die militärischen Operationen hätten. Waffen und Munition, so heißt es, erbeuteten die Rebellen von der regulären Armee. Aber auch der türkische Geheimdienst kaufe angeblich korrupten syrischen Militärs Waffen ab und gebe sie anschließend an die Aufständischen weiter. Ein anderer Teil werde von Schmugglern aus der Türkei geliefert.

"Wir müssen die Leute an den Ursprung des Aufstands erinnern", sagen syrische Exilpolitiker und Intellektuelle in Hatay, "sie haben es vergessen." Der SNC, der Syrische Nationalkongress, versucht das Banner der Demokratie hochzuhalten. So werden Oppo sitionelle in Syrien für ein paar Tage zur Schulung nach Hatay geholt. Ein Kommunikationsexperte unterrichtete kürzlich eine Woche lang eine Gruppe in Internetsicherheit und der Benutzung neuer, schwer lokalisierbarer Satellitentelefone. Aus Westeuropa kam er - mehr wollen die Organisatoren nicht sagen; auch die Telefone werden von dort geliefert.

Geheimes Lazarett

Noch operieren die türkischen Ärzte in den Spitälern von Hatay täglich Schuss- und Schrapnellverletzungen. Rast ein Ambulanzwagen auf den Straßen vom Grenzzaun nach Hatay, dann kann ein verwundeter Rebell im Fahrzeug liegen. 20 bis 30 schwer Verletzte gibt es am Tag aufseiten der Aufständischen in den Grenzprovinzen, je nach Intensität der Kämpfe, so sagt ein syrischer Arzt, der Abul Abid genannt werden will, ein schmächtiger Mann, der die konservative Sprachweise der Salafisten benutzt. Abul Abid leitet das neue große Lazarett der Rebellen gleich hinter der Grenze, das in diesen Tagen seine Arbeit begonnen hat. Drei OP-Räume hat es, der Ort müsse geheim bleiben, sagt der Arzt. "Die Sicherheit ist unser größtes Problem." Das letzte improvisierte Feldlazarett im Jebel al Akrad, dem "Kurdenberg" hinter der Grenzlinie von Hatay, war erst Anfang des Monats von der syrischen Luftwaffen entdeckt und gleich zerbombt worden. (Markus Bernath aus Hatay /DER STANDARD, 21.9.2012)

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Hier haben wir noch ein paar Fädenzieher:

" Aleppos Westfront ist das Mekka für ausländische Kämpfer

Abu Jahjas Kampfgruppe, rund 20 Männer und ein Junge, ist in einer Schule im südwestlichen Stadtteil Sukkari stationiert. Aleppos Westfront ist das Mekka für Ausländer, die in Syrien am heiligen Krieg teilnehmen wollen, denn hier waren die Kämpfe bis vor kurzem am heftigsten. Abu Jahja meint, es gebe in Sukkari ausländische Dschihadisten, vor allem aus Saudi-Arabien, Libyen, dem Irak, aber auch aus Tunesien, und er habe selbst einen Sudanesen getroffen."
http://www.spiegel.de/politik/a... 56925.html

nicht nur die

http://rt.com/news/expo... syria-699/
die haben schon lang tradition in dem business

Nun ja,.....

am Ende hockt der Ami auf der Ölraffinerie, die Regierung wird als Terroristen vor Gericht gestellt, die Kolumbianer, die von Katar bezahlt werden, weil sie von Washington bestellt wurden, fliegen zum nächsten Einsatz im Iran....und die USA bauen das Land wieder auf....auf Kosten der Syrer, alles schon mal dagewesen, an was erinnert mich das bloß?????

Libyen ...

Wußte gar nicht das Steyr Aug STG 77 auch an die syrische Armee geliefert wurden. Weil die Waffen stammen ja angeblich aus Armeebeständen.

http://kurier.at/nachricht... syrien.php

Sind sie natürlich auch nicht. Auch der Standard hat doch schon so ein nettes Bildchen bei einem Artikel dabei gehabt. Irgendwie ist das hier die reinste Propaganda.

... dazu Handgranaten in Schweizer Qualität

http://www.nzz.ch/aktuell/s... 1.17634147

Bombardierung von Aleppo durch die kriminelle Luftwaffe Assads

http://www.youtube.com/watch?v=hqfHBXHQJm8

ich wußte nicht dass assad auch eine kriminelle luftwaffe betreibt, oder meinten Sie kriminalluftwaffe? vermutlich werden hier terroristen beschossen, oder?

Interessant

"Überläufer" in die umgekehrte Richtung:

http://www.welt.de/politik/a... orbei.html

Warum verlinken sie erneut, und kommentieren nicht eine von den unzähligen Verlinkungen hier?
Alleine auf dieser Seite unter den letzten 25 Posts 3 mal verlinkt.

Tja,

das mehrfache "Allahu Akbar" hat meinen Anfangs-Verdacht - daß es sich nicht um Demonstranten, sondern um Islamisten (die Demonstranten spielen) - handelt.

Also doch keine Demonstranten, sondern Islamisten in Zivilkleidung.

Tja,

die Zahl der Leute, die noch gegen Assad protestieren wollen, werden immer weniger. Nur mehr ein paar Dutzend.

Gestern hat einer dieser "Kämpfer" in einem TV-Interview auf ZDF-Info gesagt, wenn Assad nicht bald verschwindet,

dann übergibt er seinen Sohn der al Kaida. Der Kerl ist zu feig selber zu kämpfen und opfert seinen Sohn. Ich habe keinerlei Respekt vor solchen Leuten.

Die von den USA und Saudi-Arabien gesponsert und unterstützt werden?

Haben sie plötzlich die Seite gewechselt?

Ich war gegen den Überfall auf Libyen, war mehr als misstrauisch ggüber dem Sturz von Mubarak,

hatte kein gutes Gefühl bei Tunesien und bei Syrien un bin ich nicht minder kritisch.

Ich hatte keinen Funken Sympathie für diese Diktatoren, aber mir war klar: es kommt nichts Besseres nach. Überall hat sich die Situation verschlimmert, denn nirgends hatten die "demokratischen Kräfte" auch nur die Idee von einem Plan, wie die Zukunft aussehen sollte. Nichts als "talking points" aber kein umsetzbares Programm.

Nichts "besseres" kommt nach - was für eine Anmassung!

...dann lesen mal das:

http://www.nzz.ch/aktuell/i... 1.17635396

Dass radikale Islamisten versuchen würden den "arabischen Frühling" für ihre Zwecke zu Instrumentalisieren war klar. Aber sie stellen keine Mehrheit dar. Sie versuchen genau wie die Despoten zuvor die Menschen mittels Gewalt einzuschüchtern. Wer Diktatoren als "Schutzwall" zu islamistischen Gruppen hochstilisiert betreibt nur deren Propaganda.

Es ist genau diese Haltung, die den islamistischen Extremisten in die Hände spielt. Sie profilieren sich als einzige wahre Beschützer gegen die Despoten und ihre autoritären Regime. In Syrien lässt das Regime durch die Shabiha-Milizen morden - die islamistischen Gruppen schlagen mit der gleichen Brutalität zurück. Wie Todesschwadronen fallen die Kämpfer der Shabiha-Milizen in Dörfer und Städte ein, gehen von Haus zu Haus und bringen gezielt Leute um. Und während wir von draussen "zusehen" nutzen die islamistischen Extremisten dies für ihre Interessen aus....

Professor Günter Meyer

von der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz

ist vermutlich linksradikal, rechtsradikal, antisemitisch, von der syrischen Regierung gekauft und/oder ein Verschwörungstheoretiker....:-)

http://www.atimes.com/atimes/Mi... 2Ak01.html

ist aber ihnen schnurz.....hauptsache der aufstand wird als islamistisch und von anfang an als militarisiert diffamiert. eine woche kulturreisen mit 10-12 maxerl und einem allwissenden fuehrer, ein paar fotos da, ein paar dort, dann noch 3 bekannte in oder aus syrien und fertig ist die ggen die medienpropaganda kaempfende assadpropagandistin;)

Prof. Dr. Guenter (Günter) Meyer in the “black list” !

http://blogs.eju.org/blogs/pro... lack-list”

Dafür ist er ein unfähiger Professor, der eine Online Umfrage ernst nimmt (ca. 130 Antworten Emails kamen aus Syrien), dass die Mehrheit hinter Assad steht.

Das AUCH noch!

Sie halten nicht viel von wissenschaftlichen Arbeiten?

Mehr als solche, denen der Boden einer Universität fremdes, feindliches Territorium zu sein scheint.

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