Frank Stronach: "Es herrscht ein Machterhaltungssystem"

Interview | Walter Müller
21. September 2012, 05:30
  • Er werde "viel eigenes, versteuertes Geld einsetzen, um etwas zu einer Systemveränderung beizutragen", sagt der Gründer des Auto-Zulieferkonzerns Magna, Frank Stronach.
    foto: apa/eggenberger

    Er werde "viel eigenes, versteuertes Geld einsetzen, um etwas zu einer Systemveränderung beizutragen", sagt der Gründer des Auto-Zulieferkonzerns Magna, Frank Stronach.

Kommende Woche steigt Frank Stronach mit der Präsentation seiner Partei offiziell in die Innenpolitik ein

Milliardär Frank Stronach zu interviewen ist ein etwas komplexer Vorgang: Entweder man fliegt zu ihm nach Kanada oder sendet die Fragen per E-Mail. In beiden Fällen muss man sich zu einem "Freigabeprozedere" verpflichten. Interviews dürfen nur erscheinen, wenn eine schriftliche Erklärung unterzeichnet wird, den gesamten Interviewtext samt "Titel und Einleitung" dem Stronach-Institut "zur etwaigen Richtigstellung von Fakten" vorzulegen.

STANDARD: Haben Sie in Kanada die Turbulenzen um den Untersuchungsausschuss mitbekommen? Wenn er jetzt früher abgedreht wird, könnte das Ihnen ja sehr zugutekommen.

Stronach: Nein, das Abdrehen des U-Ausschusses ist sicher nicht in unserem Interesse. Wenn der U-Ausschuss seine Arbeit früher beendet, deutet das darauf hin, dass Dinge vertuscht werden sollen. Wenn Gesetze verletzt wurden, darf man mit der Aufklärung nicht warten, bis die Wahlen vorbei sind. Die Bürger haben ein Recht darauf, die Wahrheit zu erfahren.

STANDARD: Die ersten Reaktionen auf Ihre Ankündigung, eine Partei gründen zu wollen, waren nicht nur freundlich. Das heißt, Sie müssen mit einem scharfen politischen Gegenwind rechnen.

Stronach: Mit dem Gegenwind habe ich gerechnet. Die derzeitige Regierung ist entweder unfähig, unser Land gut zu führen, oder sie ändert bewusst nichts, weil sie an der Macht bleiben will. Es herrscht ein Machterhaltungssystem von SPÖ und ÖVP, aufgebaut auf Kammern, Gewerkschaften, Bünden und sonstigen Machtblöcken.

Ich scheue mich nicht davor, auf Missstände aufmerksam zu machen. Leider haben die Machterhalter ein großes Netzwerk in Österreich, vor allem auch in der Medienlandschaft. Viele Magazine und einige Zeitungen sind die Sprachrohre dieser Machterhalter und versuchen mich schlecht darzustellen. Sie haben Angst, weil ich den Leuten die Wahrheit sage.

STANDARD: Wo ist Ihre künftige Partei, wo sind Sie persönlich eigentlich gesellschaftspolitisch einzuordnen? Sind sie etwa für oder gegen ein Kopftuchverbot, für oder gegen gleichgeschlechtliche Ehen, für oder gegen eine Gesamtschule?

Stronach: Die Partei ist weder links noch rechts. Wir machen das, wovon wir glauben, dass es am besten ist für Österreich. Nächste Woche werden wir nähere Informationen zur Partei und zu unserem Programm präsentieren.

STANDARD: Da Herbert Paierl bei der Besetzung des ÖIAG-Chefpostens durchgefallen ist und daher sozusagen wieder "frei" wäre: Werden Sie ihn in Ihr Team holen?

Stronach: Ich schätze Herbert. Ich freue mich über jeden, der sich mit unseren Werten und Vorstellungen, wie man Österreich wieder auf einen guten Weg führen kann, identifiziert und mit dabei ist.

STANDARD: Wie kommentieren Sie eigentlich die Affäre um antisemitische Karikaturen auf Heinz-Christian Straches Facebookseite?

Stronach: Ich benütze Facebook nicht und habe dieses Thema nicht im Detail verfolgt.

STANDARD: Österreich diskutiert derzeit über die Abschaffung der Wehrpflicht. Im Jänner wird es dazu eine Volksbefragung geben. Sind Sie für oder gegen eine all gemeine Wehrpflicht?

Stronach: Ich habe selbst gewisse Vorstellungen, möchte aber unter anderem für dieses Thema einen Weisenrat und ein Ethikkomittee einsetzen, die sich mit dieser Frage befassen sollen. Der Weisenrat soll unserem Parteiprogramm den letzten Feinschliff geben.

STANDARD: Magna distanziert sich von Ihnen, der Konzern will nicht in Verbindung mit politischen Aktivitäten gebracht werden. Schmerzt Sie diese Reaktion Ihres Konzerns?

Stronach: Nein, das schmerzt mich nicht, im Gegenteil, Magna ist ein unabhängiges Unternehmen, das sich nicht in Parteipolitik einmischen soll. Eine Firma hat eine einzige Aufgabe: Sie muss im Rahmen der Gesetze Gewinn erwirtschaften. Nur so kann es Arbeitsplätze geben. Eine Firma, die keinen Gewinn macht, ist eine Last für die Gesellschaft.

Das Management trifft Standortentscheidungen nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten. Als ich noch die Kontrolle hatte, legte ich fest, wo wir Werke eröffnen. Die Magna hätte mehr Gewinn gemacht, wenn die Werke anderswo gebaut worden wären. Aber ich bin Österreicher und ich habe zu den Aktionären gesagt, ich baue viele Werke in Österreich. Wenn es euch nicht passt, verkauft eure Aktien und kauft andere Aktien.

STANDARD: Sie investierten auch in universitäre Kooperationen. Wie viel müsste Ihrer Meinung nach Österreich budgetär für die Universitäten bereitstellen, um international wettbewerbsfähig zu sein?

Stronach: Der Staat hat eine Verpflichtung, für die Ausbildung der jungen Leute bis zu einem gewissen Alter zu sorgen. Danach, jedenfalls ab 18, ist es die Entscheidung des jungen Menschen, ob er oder sie gleich arbeiten oder sich zuerst weiterbilden möchte. Ich trete dafür ein, dass nur jene finanzielle Unterstützung erhalten, die sehr gut und fleißig studieren.

Die Allgemeinheit sollte nur für die Kosten für Studien aufkommen, in denen ein Mangel herrscht, etwa in technischen Berufen. Wer unbedingt etwas studieren will, was weniger gebraucht wird, soll dafür selber bezahlen. Er oder sie könnte zuerst arbeiten, sich Geld ansparen und dann studieren. Viele erfolgreiche Leute sind diesen Weg gegangen.

STANDARD: Herr Stronach, es gab viel Kritik und Spekulationen wegen Ihrer Einkommenssituation. Wo und wie viel versteuern Sie exakt?

Stronach: Ich bin ein internationaler Geschäftsmann mit internationalen Unternehmen. Überall, wo ich Einkommen habe, zahle ich Steuern. Alles genau nach den Gesetzen und internationalen Abkommen. Ich habe das meiste Einkommen in Kanada, daher zahle ich auch dort die meisten Steuern. In Österreich verdiente ich letztes Jahr aus Beratertätigkeiten ungefähr zwei Millionen Euro, und ich zahlte daher ungefähr eine Million Euro an Steuern. In der Schweiz habe ich sehr wenige Aktivitäten, daher fallen dort auch nur wenig Steuern an. Ich habe kein Vermögen in der Schweiz veranlagt.

STANDARD: Eine Kandidatur in Österreich würde wohl auch Ihre physische Präsenz im Land voraussetzen. Werden Sie von Kanada nach Österreich übersiedeln?

Stronach: Ich werde viel Zeit in Österreich verbringen, habe aber immer gesagt, ich suche kein Amt und keinen Titel. Ich werde nicht der Bundeskanzler. Ich werde viel Zeit und viel eigenes, versteuertes Geld einsetzen, um etwas zu einer Systemveränderung zum Besseren beizutragen.

STANDARD: Nachdem Ministerin Bures einen Verkauf der ÖBB ausgeschlossen hat: Haben Sie Ihr Kaufangebot wieder ad acta gelegt?

Stronach: Nein, das habe ich nicht, ich glaube nicht, dass die Frau Minister das so entscheiden sollte. Die Frage muss lauten: Wie kann man die ÖBB wieder so organisieren, dass sie gut funktioniert und Gewinne macht? Ein Käufer kann sie ja nicht nach Italien, Polen oder sonst wohin verlegen. Derzeit ist die ÖBB nur ein Abstellgleis für sozialdemokratische Funktionäre. (Walter Müller, DER STANDARD, 21.9.2012)

Frank Stronach (80) wanderte in den 1950er-Jahren nach Kanada aus und gründete eine kleine Werkzeugfirma, die er zum Weltkonzern Magna aufbaute. 2010 verkaufte Stronach sein kontrollierendes Aktienpaket, blieb aber im Board of Directors. In Österreich stieg er unter anderem ins Fußballgeschäft ein.

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Der Korruptions-Untersuchungsausschuss muss weiterarbeiten, bis alle Vorwürfe restlos geklärt sind. Unterstützen Sie die Petition:

http://www.avaaz.org/de/petiti... n/?cWUfzab

"Eine Firma hat eine einzige Aufgabe: Sie muss im Rahmen der Gesetze Gewinn erwirtschaften."

Solange die Allgemeinheit einer solchen Aussage zustimmt, wird sich NICHTS ändern.

Ähm, sorry, aber das IST eben mal die Aufgabe einer Firma?

Wie würden Sie denn die Zielsetzung einer Firma definieren? Möglichst viel Verlust anhäufen, damit man vertraglich zugesicherte Löhne der Arbeiter nicht bezahlen kann?

Ganz einfach!

Die primäre Aufgabe einer Firma ist, zum Wohle ihrer Kunden und Mitarbeiter zu agieren und so IDEELLEN Gewinn zu erzielen. FINANZIELLER Gewinn (der natürlich auch notwendig ist) hat hingegen einzig und allein den Zweck, den Fortbestand der Firma zu ermöglichen. Dass Letzteres als "einzige" Aufgabe eines Unternehmens bezeichnet wird, ist Symptom unseres durch und durch kranken Wirtschaftssystems!

Shareholder vs. Stakeholder Value. Auf lange Sicht kann eine Firma nur existieren wenn beide maximiert werden. Das eine bedingt quasi das andere. ;)

Auf lange Sicht…

Ständige Gewinnmaximierung? Ewiges Wachstum? Wohl kaum! Vielmehr bedeutet in einem endlichen Raum mit begrenzten Ressourcen (Planet Erde) der materielle Gewinn des Einen immer einen materiellen Verlust für Andere(s). Vermehrung und Minderung, Aufstieg und Niedergang, Geburt und Tod halten sich letztlich für jedes Individuum, für jedes Unternehmen, für jede Spezies die Waage. Wer es jedoch versteht, auf der materiellen Ebene stabile Zyklen ohne langfristige Veränderung einzurichten und diese ohne Gier zu nutzen, dessen immaterieller Gewinn (Liebe?!) wird unbegrenzt ins Unendliche wachsen.

Neiiiiin.
Da hat wohl jemand wieder in der VWL-Vorlesung nicht aufgepasst!
Sie vergessen die Produktivität!

Leider ist das Ammenmärchen "wenn einer Gewinnt muss ein anderer gleich viel verlieren" immer noch sehr verbreitet. Falsch. Der Kuchen wächst.

Wenn ich einen Baum fälle, um Tisch und Bett zu bauen, gibt's danach einen Baum weniger. Dazu brauch' ich keine VWL-Vorlesung.

Frankie, zeigs Ihnen und vertreib Sie von den fetten Trögen!

Es sieht eher so aus, als wolle er den Trog kaufen.
Die ersten paar äääh ... Politiker hat er ja schon gekauft.

Stronach & Gesetzestreue & das Anwesen am Wörthersee

1. Das Prozedere zum Interview ist lächerlich. Erinnert an Erich Honecker.
2. Ein politisches Programm vermisse ich immer noch schmerzlich.
3. Wenn sein politisches Personal von der Kategorie Grasser oder Westenthaler (beide bei Magna im Sold gewesen) ist, ...dann Prost Mahlzeit!
4. Zur Gesetzestreue: Herr Stronach, bzw. sein Unternehmen hat am Wörthersee ein Anwesen erworben, das kolportiert wesentlich günstiger war, als der Marktpreis. Gutes Geschäft für Stronach, aber wohl nicht astrein.
...und hier wären wir dann bei Anspruch und Wirklichkeit.

Stronach und die Anpatzer der Systemerhalter-Parteien

1. Stronach will sichergehen dass DAS gedruckt wird was er gesagt und gemeint hat - und nicht das was die Journalisten daraus machen.

2. Ein politisches Programm kann wohl nicht vor der Parteigründung vorliegen, nicht?

3. Kann es schlimmeres politisches Personal geben als das derzeit Regierende? Wo ein amtierender Kanzler "7 Mio. f. d. Wernär" aus der Staatskasse nimmt? WO die Justiz gegen FÜNF AMTIERENDE MINISTER ermittelt: F-Mann, O-Mayer, Schmied, Darabos und Stöger!

4. Wenn ihnen das Wörthersee-Haus zu billig erscheint, warum haben SIE nicht zugeschlagen? Und wer hat es denn zu diesem Preis angeboten? Klagen sie auch darüber dass der Billa das Packerl Butter viel billiger einkauft als sie dafür zu zahlen hätten?

1. Ja genau, das wollten Stalin und Honecker ja auch, und in China ist sowas sowieso üblich ...
Er muss halt lernen, sich auszudrücken.

2. Selbstverständlich kann man sich schon vor einer Parteigründung Gedanken machen. Was macht denn sein Institut, zum Beispiel, außer Interviews abstempeln?

3. Erstens nervt mich das Gejammer. Unzufrieden mit der Politik? Dann geh zur Partei deiner Wahl und hilf mit.
Und ja, es könnte viel schlimmer kommen: Desperados, die so unfähig sind, dass sie selbst bei bisherigen Parteien wie FPÖ oder SPÖ nichts mehr werden können, und sich deshalb von einem Neuen kaufen lassen.

4. Das war ein Deal unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

sie sind ein dankbares opfer von pr-schmähs....

ad 1: jeder der ein interview gibt will, dass er korrekt zitiert wird. bei einem interview, das so wie hier im frage-antwort-schema wiedergegeben wird, ist das im normalfall kein problem. das problem bei einem e-mail-interview ist aber, dass ich als journalist nicht mal weiß, wer mir die antworten gibt und v.a. sind die einfach "zu perfekt" - da könnte ich ja gleich einen pr-text abdrucken.

ad 3: kaum möglich. die sollten auch alle schon längst im ausgedinge sein.

ad 4: wie stellen sie sich das vor? diesen preis hätte ja ein anderer interessent nie gekriegt. und stronach hat ja auch um diesen preis zu kriegen einiges versprochen. aber nichts gehalten. keine propaganda, sondern tatsachen.

Die Roten und Schwarzen haben sich an der Macht festgekrallt

Nur das zählt noch. Bleiben und kassieren um jeden Preis. Genau aus diesem Grund müssen wir sie von der Macht wegwählen und danach sofort mit dem Aufrollen aller Machenschaften der Vergangenheit beginnen, mit aller Vehemenz und lückenlos.

Das, Sara, ist braune Propaganda; heute heizt die FPÖ diese "Hinweg mit den Parasiten"-Stimmung an, um Stimmung gegen die Demokratie zu machen. In den 1920ern war es ihre direkte Vorgängerpartei. Nein, nicht der VdU.

Sie meinen wohl, so wie damals als schwarz/blau kam

und alles ganz anders war!

Den Schaden, den dieses Pack angerichtet hat, zahlen wir noch Jahrzehnte ab!!!

Und ein Stronach wuerde nichts anderes machen, als seine Guenstlinge ueberall reinzusetzen und den Rest des Staatseigentums an Verwandte und Freunderl verscherbeln.

Hat seine Partei irgendso etwas wie ein Programm zusammengestellt, in dem man nachlesen kann wofür die eigentlich stehen, außer willkürliches privatisieren?

Das Programm ist einfach und bekannt:

1) Sozialstaat (sofern noch vorhanden) abmontieren
2) Löhne runter
3) Gewinne erhöhen

Sehr viele gute Aussagen dabei, am meisten sympathisch finde ich "Ich verwende Facebook nicht" :D

Ich geb ihm knapp 10%, auch wenn ich ihn sicher nicht wähle.

Ich geb ihm knapp 10%

schwer zu sagen. zwischen 3 und 20% ist da alles drin, denke ich.

also einziehen tut er meiner Meinung nach auf jeden Fall, über 10 kann ich mir schwer vorstellen, es gibt doch sehr sehr viele Stammwähler, das wird immer unterschätzt ;)

ich bin ja

nuegierig wer für ihn die antworten schreibt. ich geh sowieso davon aus, dass er nur eine marionette ist und er das ganze doch nicht ernsthaft selbst betreibt. kreise in der iv wollten ja schon lang eine partei gründen.

ist es tatsächlich so
eine prophylaktische Zensur-jetzt schon

Ö ist kein unternehmen,wie eine Firma
sondern vielfältiger-auch was Meinungen und Kritiken betrifft

hält stronach sich ein institut, das überprüft, welche aussagen von ihm rausgehen dürfen?

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