Bures will explizites Handyverbot für Radler

20. September 2012, 16:49
  • Drei Viertel aller Österreicher sind regelmäßig auf Rädern unterwegs. Telefonieren während des Fahrens ohne Freisprechanlage soll verboten werden.
    foto: heribert corn

    Drei Viertel aller Österreicher sind regelmäßig auf Rädern unterwegs. Telefonieren während des Fahrens ohne Freisprechanlage soll verboten werden.

Viele wollen neue Regeln für den Fahrradverkehr. Verkehrsministerin Doris Bures legt jetzt ihre Vorschläge vor: keine Kennzeichen, keine neue Promille-Grenze, aber Telefonierverbot

Wien - Das erste Mal ohne Stützräder die Balance auf einem Fahrrad zu halten kommt in der Rangliste der wichtigsten Erinnerungen gleich nach dem ersten Kuss. Wer es einmal geschafft hat, schwingt sich in der Regel immer wieder auf den Sattel. Bereits drei Viertel aller Österreicher fahren regelmäßig Rad, landesweit gibt es sieben Millionen Fahrräder. Allein in den vergangenen fünf Jahren hat der Radverkehrsanteil um 40 Prozent zugenommen.

Auf den Boom will Verkehrsministerin Doris Bures (SPÖ) nun mit neuen gesetzlichen Rahmenbestimmung reagieren. Im Gespräch mit dem Standard erteilt sie manchen Forderungen, die jüngst vor allem aus der Wiener Kommunalpolitik kamen, eine klare Absage:

  • Kennzeichen: Ursula Stenzel (ÖVP), die Bezirksvorsteherin der Wiener Innenstadt, kurvt zwar bereits mit einem selbstgebastelten Radlkennzeichen (W Stenzel 1) herum, und auch Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ) kann sich Nummerntafeln für Fahrräder vorstellen, doch für Bures kommt diese Maßnahme nicht infrage: "Der bürokratische Aufwand wäre unverhältnismäßig hoch." Allein die Zulassungsregistrierung würde laut Bures landesweit rund 1000 Beamte beschäftigen. Dies auch deswegen, weil Fahrräder wesentlich öfter als Autos die Besitzer wechseln.
  • Promillegrenze: Die derzeitige Alkoholisierungsgrenze für Radler von 0,8 Promille will Bures nicht auf das Autofahrerniveau von 0,5 Promille senken. Grund: "Laut Statistik spielt Alkoholisierung keine signifikante Rolle bei von Fahrradfahrern verursachten Unfällen." Grundsätzlich kann die Polizei außerdem jetzt schon leicht angesäuselte Radler, wenn diese einen verkehrsuntüchtigen Eindruck machen, aus dem Verkehr ziehen. In Stein gemeißelt sind die 0,8 Promille aber für Bures nicht, sollte in der Begutachtungsphase zur Novelle der Straßenverkehrsordnung (StVO) neuer Input kommen, ist sie bereit, über eine mögliche Absenkung weiter zu diskutieren. Die Experten im Rad-Unterausschuss des Ministeriums, auf die sich Bures beruft, sehen eben keinen Grund dafür.
  • Handyverbot: Das ausdrückliche Telefonierverbot während des Radelns kommt. Genau genommen ist es schon jetzt nicht erlaubt, telefonierend in die Pedale zu treten, weil immer eine Hand am Lenker bleiben muss, aber keine mehr frei sein kann, wenn man gleichzeitig telefoniert und Abbiegehandzeichen gibt. Doch Bures will eine legistische Klarstellung in der StVO festschreiben. Wie im Auto soll aber eine Freisprecheinrichtung erlaubt sein.
  • Radwegepflicht: Die Pflicht, einen vorhandenen Radweg oder Mehrzweckstreifen zu benützen (also das Verbot, auf einer parallel verlaufenden Straße zu fahren), kann fallen. Bures will die Regelung " flexibilisieren" und die Entscheidung den Straßenerhaltern, also auch Ländern und Gemeinden, überlassen. Die Erlaubnis muss aber durch Beschilderung klar gekennzeichnet werden. Für Rennradler auf Trainingsfahrt gibt es schon jetzt Ausnahmen.
  • Begegnungszonen: Gesetzlich explizit soll auch die Möglichkeit für sogenannte Begegnungszonen geschaffen werden, wo ähnlich wie in Shared-Space-Bereichen alle Fahrzeuge und Fußgänger gleichberechtigt unterwegs sind. In Fahrradstraßen hingegen sollen Kraftfahrzeuge nur zu- und abfahren dürfen. (Michael Simoner, DER STANDARD, 21.9.2012)
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Toller Artikel: Pkw-Nutzung in den Industrieländern hat Maximum erreicht. Regierungen sollten das nutzen - http://bit.ly/Pc88qq !

Yep. Wenn das Paket installiert wird...

Ich habe mir vorgenommen künftig mit gestohlenem Rad-Kennzeichen, dem Laptop am Lenker, ohne Helm & rauschig am Gürtel gegen die Einbahn zu radeln. Das Licht drehe ich gar nicht erst auf °!°

du hast Licht am Rad? das verstößt aber definitiv gegen die Radrowdieehre!

Den Kopenhagenern vergeht das Lachen...

wenn es um die Diskussion der Einführung einer Helm-Tragepflicht beim Radfahren geht! Das wird als ein Anschlag auf die bestehende "Radkultur" empfunden!
Bei uns will man den "gepanzerten Radler" kreieren, anstatt den (Auto)-Verkehr so zu organisieren, dass das Radfahren sicher, angenehm und stressfrei wird!!

Den Kopenhagenern kommt das Lachen...

wenn sie von unserer Diskussion hören:
Radwege zu benutzen oder nicht, ist deshalb kein Thema, weil gscheite Radwege und Radstreifen dort selbstverständlich sind und benutzt werden - Radweg heißt aber dort nicht Rad=weg von der Fahrbahn!
Es den Behörden zu überlassen, welche Radwege zu benützen sind und welche nicht, wird nicht nur in Wien dazu führen, das alles so bleibt wie es ist!!!

Geschwindigkeitsbegrenzungen auf Autobahnen

weg.

Handyverbot für Fahrräder weg.

Mut zur Eigenverantwortung auch und vor allem im Straßenverkehr.

Die Radler können sich bei Mangel an Verantwortungsbewusstsein nur selbst am meisten schaden.

Eine weitere Regel sind nur noch wieder einmal zusätzliche Kosten, eine weitere Regel, die irgendjemand exekutieren muss.

Wenn man der Frau Vassilakou glauben darf, lassen sich doch fast alle Probleme mit "Tschuligen - Passt scho" aus der Welt schaffen.

Hilft aber wirklich.

Löst zwar nicht alle Probleme, nimmt aber bei vielen aufgeregten Diskussionen die Luft raus.

- Radwegbenützungspflicht flexibilisieren und den Ländern & Gemeinden überlassen ... bitte bitte nicht! In Wien reiben sie sich schon die Hände ...
- Kennzeichen wären wirklich ein Blödsinn, passt
- Promillegrenze: ich finde, es sollte gleiches Recht für alle gelten - also entweder Auto & Fahrrad 0,5 oder 0,8
- Handyverbot: gut
- SharedSpace-Zonen: ja warum nicht ...

das mit der Radwegbenutzungsflexibilisierung ist der grösste Humbug seit Erfindung der Radwegbenutzungspflicht, und das soll was heissen. Wird ganz einfach undurchschaubar.

Vollkommen richtig...

selbst in Wien, wo jetzt einen grüne Verkehrsstadträtin tätig ist, wird Bezirkspolitik und Beamtenschaft gehörig bremsen, weil die oft extrem schwachsinnigen Radwege und Radstreifen (viel zu schmal!) um "teures Geld" errichtet wurden, wie es heißt! Da die Bezirke für die Erhaltung der Radverkehrsanlagen zuständig sind und das Geld immer weniger wird, könnte es unter Umständen zu einem "Verfall" der Anlagen kommen, was viele eh begrüßen würden!? Leider tritt niemand für so Radwege ein wie es sie im hochgelobten Kopenhagen gibt: 2,50m breit, in eine Richtung, auf fast allen Hauptstraßen!

wir haben letztens im gemeinderat eine petition pro fahrradstraßen beschlossen. sind noch nicht genbug leute, die sich dafür einsetzen. wird aber nicht aufzuhalten sein, denk ich mal. dauert halt noch, denn in Ö haben die notorischen verhinderer von allem, was nach veränderung riecht, leider noch immer oberhand:-(

Fahrradstraßen

Nach Auffassung holländischer Planer wäre das umzusetzen, wo die doppelte Anzahl an RadlerInnen im Vergleich zu den Kfz vorhanden ist! Bei dem in Wien und Österreich angedachtem Modell, kann es sich bestenfalls um die "ausgedünnte" deutsche Regelung handeln!
In Holland wird die "Fahrradstraße" als intelligentes Designprodukt gehandelt, ähnlich wie "shared space"; beides ist NICHT in der StVO verankert!
Die österreichischen Vorreiter von "shared space" in Graz sind ja auch nicht unbedingt der Meinung, dass man das Produkt in der StVO unterbringen müsste!
Der bei uns herrschende "Über-Regulierungswahn" wird ja vielerorts belächelt (siehe Kennzeichen, Handy, Helmpflicht etc.) und dürfte halt ein letzter Rest aus der Kaiserzeit sein!?

modell sicher ausbaufähig. denke, ig-fahrrad, grüne,... werden weiter dranbleiben.

Fahrradfreundlich, aber wirklich!

Alle Straßen und Gassen in Wien sollten "fahrradfreundlich" werden... Jetzt, nach 30
Jahren draufzukommen, das "Schleichwege-Konzept" der ARGUS aus den 80er Jahren umzusetzen, wirft wohl kein gutes Licht auf die momentanen Ziele der Politik!
Im Vergleich Thaliastraße/ Hasnerstraße oder Josefstädter Straße/ Pfeilgasse ist man als routinierter Radler SCHNELLER in den Schienenstraßen unterwegs als auf den parallelen Radrouten!
Um die 430.000 Euro, die die Hasnerstraße kostete, hätte man etliche Km vernünftig breiter Radstreifen markieren können - in Hauptstraßen, dort wo Ziele des Radverkehrs sind!
Zu Ehrenrettung (der Grünen und Roten): Die Ottakringer Straße, als Schienenstraße, wird "radfreundlich", falls die "Wiener Linien" zustimmen...

bin auch alles andere als zufrieden. trotzdem ist das erstmals ein schritt in die richtige richtung.

ich bin für eine promillebegrenzung für politiker im parlament

und vor allem: intelligenztests!

Es gehörte noch viel mehr geregelt, bzw. VERBOTEN...

Auto:
Leberkässemmel während der Fahrt essen
Nasenbohren
Telefonieren und Nasenbohren
Offensichtliches Gähnen

Fahrrad:
Urinieren während der Fahrt (wie es die Rennradler machen)
Getränkedosen weg schmeißen
Autofahrern den Vogel zeigen

Bim
Furzen, wenn andere Fahrgäste im Wagen sind
Mit einer Alkoholfahne öffentliche Verkehrsmittel benützen
Extrem orientalisch gewürzte Speisen verzehren
Anderen Fahrgästen auf die Zehen treten

Zu Fuß
In Schlangenlinien gehen
Zu schnell gehen (Gefährdung der Langsamen)
in überhöhtem Tempo einer abfahrenden U-Bahn oder Bim nachhetzen
Bei dichtem Fußgängerverkehr sich nicht an die Rechtsregel halten.

Wie man sieht, sind einem innovativen Ministerium kaum Grenzen gesetzt, wenn es um sinnvolle Regeln geht!

wie stellst du dir das vor? Es muss schließlich eine Mindestanzahl da sein, damit der Nationalrat beschlussfähig ist :D

Hier dreht sich alles nur ums Handyverbot und die Alk-Grenze...

Viel wichtiger ist doch der mögliche Wegfall der idiotischen Radweg-Nutzungspflicht.

Was stellt sich Frau Bures hier mit "Beschilderung" vor? Als ob's nicht schon genug Schilder gäbe!

Es reicht doch völlig, jene Straßen zu beschildern, die definitiv nicht von Fahrrädern genutzt werden sollen. Dann sollte aber ein zumutbarer Radweg verpflichtend sein.

Trollige Grüße

Radwegebenutzungspflicht

Das Ganze hing vergangenes Jahr an der Ablehnung der ÖVP! Dabei war der ehemals "bunte Vogel" aus der Busek-Ära, Ferry Meier, als Verkehrssprecher noch eher zugänglich... jetzt gibt es eine härtere Nuss zu knacken, nämlich den Ex-Minister Bartenstein, Nachfolger von Meier!
Hauptsager der Gegner: "Jetzt wurde soviel Geld in Radwege gesteckt, und jetzt wollen die Radler nicht drauf fahren!?"
Das zeigt halt einmal mehr die Ahnungslosigkeit vieler Politiker (no na!), die reale Situation der gebauten Radwege betreffend! Würde es eine "Radfahrpflicht" für Abgeordnete, die kurzen Wege ums Parlament betreffend, geben, würden manchen von ihnen die Augen aufgehen, wie viel schwachsinnige Radweg-"Lösungen" den Radlern zugemutet werden!

Warum idiotisch? Ich, wenn ich das Rad abseits von hobbymäßigem Gebrauch nutzen würde, würde mich sehr darüber freuen, wenn es eine Zone gibt auf der ICH Vorrang gegenüber allem habe (Kinder, etc. mal ausgenommen).
Und als gebrandmarkter Autofahrer freue ich mich sehr darüber, dass Radfahrer dazu verpflichtet sind diese für sie geschaffenen Zonen zu nutzen. Mir haben schon zwei Radfahr-Pfosten beim rechts überholen an der Ampel meine Tür zerkratzt, danke dafür nochmal wenn sie das lesen.

Ich finde aber, dass Radwege forcciert gehören, speziell in der Breite sind die noch sehr ausbaufähig.

haben sie die beiden vorher geschnitten?

sind eigentlich...

... Köpfhörer beim Radfahren erlaubt? Kann mir da jemand weiterhelfen? Danke...

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