RTL-Chefin Schäferkordt: "Was erfolgreich ist, wird kopiert"

  • Anke Schäferkordt ist seit 1991 beim Fernsehsender RTL tätig.
    foto: apa/robert jaeger

    Anke Schäferkordt ist seit 1991 beim Fernsehsender RTL tätig.

Eigener österreichischer Sender derzeit kein Thema - Aufgrund der Zielgruppe "im direkten Wettbewerb mit dem ORF" - "Spezielle Akzente" durch Österreicher bei Talent- oder Promishows

Während die SevenOneMedia-Group rund um ProSieben mit österreichspezifischen Programmen um die Gunst der Zuseher buhlt, setzt Mitbewerber RTL auf Bewährtes. "Die österreich-spezifischen Programme unserer Mitbewerber ProSieben und Sat.1 liegen teils deutlich unter Senderschnitt", erklärte RTL-Chefin Anke Schäferkordt der APA bei einem Gespräch in Wien. Vielmehr sei die Sonderstellung von ProSieben in Österreich ein Grund für den Marktanteilsabstand. Ein eigener österreichischer Sender ist für RTL derzeit aber kein Thema.

"Den Abstand zu den Mitkonkurrenten schauen wir uns regelmäßig an." Grundsätzlich habe RTL aber eine sehr breite Zielgruppe, "da stehen wir im direkten Wettbewerb mit dem ORF. Das ist Fakt und etwas, was wir für den österreichischen Markt an der Stelle nicht ändern können und wollen", so Schäferkordt. Programmfenster, spezifische Formate - bei diesen Überlegungen gehe es auch um simple Kosten-Nutzen-Rechnungen. "Der Anspruch muss ja sein, dass wir mit diesen Formaten erfolgreicher sind als mit dem, was wir ausblenden. Und das sehe ich im Moment nicht."

Übernahmen kein Thema

Ein eigener Sender oder gar die Übernahme von ATV sei hingegen aktuell kein Thema. Über Wettbewerber wollte die RTL-Chefin zwar nicht sprechen, bisher sei man aber zur Entscheidung gekommen, "dass der Markt das für uns nicht hergegeben hat. Sollte sich diese Einschätzung ändern, wären wir da natürlich offen. Aber bisher haben wir das nicht gesehen." Außerdem wisse man aus Erfahrung, dass der Zuschauergeschmack nicht so weit auseinanderliege und österreichspezifische Programme gar nicht soviel erfolgreicher sind.

"Spezielle Akzente" will man aber weiterhin mit der Einbindung österreichischer Kandidaten in den diversen Talentshows wie "Supertalent" oder "Deutschland sucht den Superstar" setzen. Auch für Promi-Shows wie "Let's Dance" und "Ich bin ein Star - holt mich hier raus" sei dies nach wie vor ein Thema. Für das Dschungelcamp etwa habe sie zwar "immer Personen im Kopf", aber letztlich lebe der "Dschungel" nicht "von einem Protagonisten, sondern vom Gefüge. Von daher muss es passen." Wie bisher wolle man die Kandidatennamen erst kurz vor Sendungsstart gemeinsam bekannt geben.

Annährung der Öffentlich-Rechtlichen

Dass der ORF als öffentlich-rechtlicher Sender in seinem aktuellen Programm zusehends Formate von Privaten und darunter auch RTL integriert, sei eine Tendenz, "die wir schon über die letzten Jahre hinweg beobachten", resümierte Schäferkordt. "Ich glaube, dass diese Systeme sich über die letzten 20 Jahre hinweg angenähert haben." So wären Private deutlich aktiver im Informationsbereich ("Wir selbst haben wohl das breiteste Informationsangebot der Privaten in der deutschen Fernsehlandschaft."), andererseits würden Öffentlich-Rechtliche verstärkt auf Entertainment setzen und auch einzelne Shows übernehmen. "Was erfolgreich ist, wird kopiert - so ist der Gang der Dinge." (APA, 20.9.2012)

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