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Amr Moussa (rechts) mit Mohamed ElBaradei
In Ägypten ist die Gründerzeit ausgebrochen - die Parteien-Gründerzeit. Selbstverständlich hat es dieses Phänomen auch gleich nach dem Sturz des Regimes von Hosni Mubarak im Frühjahr 2011 gegeben, als die neuen politischen Gruppierungen nur so aus dem Boden schossen. Aber jetzt kommt die erste Neuordnungswelle für die nichtislamistischen Kräfte. Denn es sollte ja bald ein neues Parlament gewählt werden, wenn alles mit rechten Dingen zugeht.
Dazu ein kurzer Rückblick: Die Stunde der Ernüchterung für die meisten der neuen kleinen Parteien kam bei den Parlamentswahlen zur Jahreswende 2011/2012: Es gewann der von der - ebenfalls neu gegründeten - Partei der Muslimbrüder (Freiheit- und Gerechtigkeitspartei, FJP) geführte Block namens Demokratische Allianz. Hinter ihr räumte der islamistische Block, angeführt von der salafistischen Nur-Partei, am meisten ab. Achtungserfolge erzielten noch die nationalliberale Wafd-Partei und ein sozialdemokratisches Bündnis, aber beide blieben unter jeweils zehn Prozent.
Das ist nicht so lange her - aber das damals gewählte Parlament gibt es nicht mehr, es wurde vom Verfassungsgerichtshof wegen Mängeln bei der Wahl aufgelöst. Einen Moment lang schien es, als würde sich der Muslimbruder Mohammed Morsi, der seit Juni erster ägyptischer Präsident ist, mit den Verfassungsrichtern anlegen und das Parlament wieder zurückrufen. Aber letztlich blieb es dabei: Das Parlament muss neu gewählt werden. Vorher sollte noch die ägyptische Verfassung fertig geschrieben und darüber abgestimmt werden - ein mehr als unsicheres Unterfangen. Aber die politischen Kräfte rüsten sich dennoch jetzt schon für den neuen Wahlgang.
Das erste Ziel der Säkularen, Linken und Liberalen ist natürlich, diesmal nicht unterzugehen. Darum wird sehr viel zusammengelegt, von dem man glaubt, dass es zusammenpasst. Seit 2011 haben sich allerdings viele solcher Blöcke gebildet, die oft schon die ersten Wochen nicht überdauerten. Aber vielleicht kennt man einander ja jetzt schon besser.
In den vergangenen Tagen haben sich folgende Bewegungen in der Parteienlandschaft abgespielt:
Die irakischen Provinzwahlen im Irak haben Malikis „Rechtsstaat"-Bündnis zwar klare Verluste gebracht, aber es bleibt noch immer stärkste politische Kraft
Kurdische Regierung in Erbil in der Zwickmühle
Im Iran gehen die Gerüchte in die Richtung, dass der religiöse Führer Ali Khamenei seinen Atomverhandler Saeed Jalili gern als nächsten Präsidenten sehen würde. Die anderen Khamenei-treuen Kandidaten sollen deswegen gekränkt sein
Irans Präsident begleitete "seinen" Kandidaten Rahim-Meshaei zur Registrierung
Libanons Präsident kritisiert indirekt Hisbollah
Die syrischen Muslimbrüder verweisen gerne auf die Stärke ihrer Mutterorganisation in Ägypten - Ihre Situation ist aber eine völlig andere
Die Hisbollah nimmt den ganzen Libanon in die Geiselhaft ihres "Widerstands"
Katar schreibt sich mit seinen internationalen Investitionen und seiner unabhängigen arabischen Politik mit dicken Lettern auf die Landkarte
Kämpfe zwischen Sicherheitskräften und Sunniten
Wie beim Iran gibt es bei Syrien Auffassungsunterschiede zwischen Israel und den USA, wo die "rote Linie" verläuft
Beide respektierte und integre Männer, denen man abnimmt, dass ihnen das Wohl des Volkes etwas bedeutet und die nicht den Anschein erwecken, Marionetten ausländischer Partikularinteressen zu sein, wie die Salafisten oder MB.
Wir haben früher das Vokabel "Amerikanischer Agent" für Sadat und Mubarak verwendet, vielleicht wird es jetzt Zeit, dieses in "Saudi-Arabischer Agent" für Mursi und Co. unter die Leute zu bringen, so wie die Burschen sich aufführen.
Eines bleibt jedoch vom Beginn der Revolution: Wer die Freiheit aufgibt um Sicherheit zu erlangen wird am Ende beides verlieren.
Daher, wie immer: Demokratie oder Tod!
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