Ur-Riesensalamander kam auch an Land zurecht

20. September 2012, 13:33
  • Riesensalamander sind heute nur mehr im Wasser anzutreffen, während ihre Vorfahren vor rund 56 Millionen Jahren auch das Land zu ihrem Revier gemacht haben.
    foto: davit vasilyan/uni tübingen

    Riesensalamander sind heute nur mehr im Wasser anzutreffen, während ihre Vorfahren vor rund 56 Millionen Jahren auch das Land zu ihrem Revier gemacht haben.

  • Schädelzeichnung des lebenden chinesischen Salamanders (blau) und Schädelrekonstruktion des fossilen mongolischen Salamanders (gelb).
    foto: davit vasilyan/uni tübingen

    Schädelzeichnung des lebenden chinesischen Salamanders (blau) und Schädelrekonstruktion des fossilen mongolischen Salamanders (gelb).

Ungewöhnliche Peramorphose: Heutige Exemplare sind nur mehr im Wasser zu finden, während ältester bekannter Vertreter nicht nur rein auqatisch lebte

Riesensalamander ("Cryptobranchidae") leben nur im Wasser, werden bis zu 100 Jahre alt, erreichen eine Körperlänge von zwei Metern und existieren seit mehr als 56 Millionen Jahren. Fossilien von Riesensalamandern sind auf dem eurasiatischen Kontinent relativ häufig zu finden und unterscheiden sich kaum von heutigen Arten: Die Ur-Salamander hatten eine ähnliche Lebensweise und waren genauso groß wie die heutigen ostasiatischen und nordamerikanischen Riesensalamander-Arten. Während diese jedoch in sauerstoffreichen, schnell fließenden Gebirgsgewässern in China, Japan und den USA leben, bewohnten ihre Vorfahren auch Flüsse und Seen im Tiefland.

Geowissenschaftler der Universität Tübingen haben nun noch einen wesentlichen Unterschied festgestellt: Der älteste bekannte Riesensalamander, Aviturus exsecratus, sei in der Lage gewesen, sowohl im Wasser als auch an Land zu leben, sagen Madelaine Böhme vom Senckenberg Center for Human Evolution and Paleoecology an der Universität Tübingen und Davit Vasilyan von der Arbeitsgruppe "Terrestrische Paläoklimatologie". 

Ungewöhnliche Peramorphose

Die Tübinger Forscher hatten Fossilien des Aviturus exsecratus, der vor ca. 56 Millionen Jahren in der Süd-Mongolei lebte, vor dem Hintergrund neuester Erkenntnisse untersucht. Dabei konnten sie zeigen, dass dieser seine Nahrung sowohl im Wasser als auch an Land suchte. Damit unterscheidet er sich von allen späteren Arten, die ausschließlich im Wasser lebten und leben. Diese Ergebnisse werden in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift PLOS ONE veröffentlicht.

Die Entwicklung einer Art von einer rein aquatischen zu einer amphibisch-terrestrischen Lebensweise ist mit Riesen- und Dauerwuchs verknüpft und wird Peramorphose genannt. Sie ist bei heute lebenden Amphibien völlig unbekannt. Bisher kannte man solche Individual-Entwicklungen nur von paläozoischen Amphibien wie den vor 300 Millionen Jahren lebenden Eryops.

Besonderheiten seines Unterkiefers

Die Wissenschaftler vermuten, dass sich der Aviturus exsecratus im Wasser von Fischen und wirbellosen Tieren ernährte ‒ darauf weisen Besonderheiten seines Unterkiefers hin. Gleichzeitig jagte er bei Landgängen vermutlich Insekten. Hinweise für diese terrestrische Adaptation geben seine schweren Knochen, seine langen Hinterbeine, ein stark entwickeltes Geruchsorgan und eine Gaumenbezahnung, die typisch für auf dem Land lebende Salamander ist. Zudem wurden die Überreste dieses riesigen, bis zu zwei Meter großen Tieres in Gesteinen gefunden, die für terrestrische Ufersedimente charakteristisch sind.

Ursache könnte in drastischer Klimaerwärmung liegen

Als Ursache für diese drastische Veränderung in der Individual-Entwicklung des Salamanders vermuten die Forscher eine sehr kurze globale Klimaerwärmung vor 55,8 Millionen Jahren, das sogenannte Paläozän/Eozän-Temperaturmaximum. Bei dieser stärksten Klimaveränderung seit dem Aussterben der Dinosaurier nahm die globale Temperatur innerhalb von ca. 20.000 Jahren um sechs Grad zu. (red, derStandard.at, 20.9.2012)

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15 Postings
"Basilisk"

Kann es nicht sein, dass es bis vor ein paar hundert Jahren rezente Riesensalamanderarten in Europa gab?
Die Basiliskenlegende handelt doch von einem großen Tier, das sich in Brunnen etc. verirrt und echsenähnlich aussieht (für Laien). Das könnte eine Beschreibung von Riesensalamandern sein, oder?
Versteinert wird man durch ihre Blicke zwar nicht, aber es ist schon ein seelenfressend anmutendes Erlebnis, v.a. wenn der Kopf so groß wie der eigene ist.

Any thoughts?

(ICH WILL SIE STREICHELN!)
#parazoologie

Chinesische Riesensalamander gibts laut Website sogar im Haus des Meeres :)

Ich weiß - das hat jetzt nicht direkt was mit dem Thema zu tun, aber hier gibt's echt geniale Videos über Evolution:

http://www.youtube.com/playlist?... ature=plcp

Das ist so schräg, daß es schon beinahe wieder genial ist!
Grün von mir!

6 Grad Anstieg innerhalb von 20000 Jahren!

Was werden Forscher in 50 Millionen Jahren über unsere Periode sagen?
6 Grad Anstieg innerhalb von 200 Jahren?

und wir ....

...sind uns ganz sicher, dass die erste grafik nicht so aussehen hätte sollen:
http://tinyurl.com/c7mrscp

Sowas habe ich bisher nur bei Obstfliegen gesehen.

Ja. Das zeigt ziemlich eindeutig ein Reptil. Nur Reptilien haben diese großen verhornten Schuppen am Körper, die sich hier zu "Zacken" wie beim Dornteufel (als Schutz vor fliegenden/größeren Fressfeinden) entwickelt haben.
Es scheint eine Art Flugsaurier oder gewesen zu sein, allerdings heftig mutiert, nehme mal an, ein wichtiges regulierendes Gen wie p53 ist kaputt und die ganzen DNA-Fehler traten in der Embryonalentwicklung hervor. Interessant, dass er lebensfähig ist, ich nehme an, er wurde experimentell im Labor erzeugt und erhalten.
Die offensichtlichen Fehler sind:
-Paar zusätzlicher Hinterbeine an der Brust.
-Flügel verkümmert
-Kopf insgesamt zu groß, Ober- und Unterkiefer zu breit
-zusätzliches Paar Flügel an der Schädelbasis

Kleines Detail am Rande:
Die erste Beschreibung eines fossilen Riesensalamanders stammt von
Johann Jakob Scheuchzer
http://de.wikipedia.org/wiki/Joha... Scheuchzer
der das Fossil (heute 'Andrias scheuchzeri') damals (1726) als "homo diluvii testis" beschrieben hat und der Meinung war, es würde sich um das
"Beingerüst eines verruchten Menschenkindes, um dessen Sünde willen das Unglück über die Welt hereingebrochen ist"
handeln
;)

Fantastisches Buch dazu: Der Krieg mit den Molchen von Karel Capek!

Übrigens, jetzt im Herbst bei Nebel oder leichtem Regenwetter raus und ein bissl wandern...

...dann kann man über 500m die kleineren Brüder alle sehen...die gefleckten Feuersalamander, den schwarzen Alpensalamander.

Ich kenne einen tätowierten Salamander,...

... der nur schulterfrei im Sommer sichtbar ist. In zwanzig Jahren wird er entweder vom Laser weggeblitzt oder zum Grottenolm verblaßt sein.

Dr. Heinz Anderle, Freigeist

"Die Entwicklung einer Art von einer rein aquatischen zu einer amphibisch-terrestrischen Lebensweise ist mit Riesen- und Dauerwuchs verknüpft und wird Peramorphose genannt."

mag hier im speziellen so sein, aber grundsätzlich versteht man unter peramorphose, wenn adultstadien-merkmale von vorfahren während der juvenilzeit von nachfahren auftreten.

Was bedeutet das Wort "Individual-Entwicklung" in diesem Kontext?

Spontan würde ich annehmen, dass damit ein einzelnes Individuum gemeint ist. Das passt aber für mich nicht zu den beschriebenen Veränderungen des Körperbaus.

ich vermute mal, das ein salamander damals relativ schnell geschlechtsreif war, obwohl noch klein

diese salamander konnten über das gesamte leben wachsen, was wohl abhängig von den äußeren einflüssen und dem nahrungsangebot war. ähnlich wie fische heute, die noch immer kein echtes größenlimit haben, die tiere wachsen je nach nahrungsangebot immer weiter.

dinosaurier konnten ebenfalls bis zu einem gewissen grad dauernd weiterwachsen, allerdings hat es sich irgendwann als vorteil herausgestellt, in irgendeiner ökologischen nische platz zu nehmen, und nicht dauernd alle nischen durchzuprobieren.

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