In Kalifornien beißt "Foie gras" ins Gras

Ein kalifornischer Bezirksrichter hat am Donnerstag die Rechtmäßigkeit des Verbots von Gänse- und Entenstopfleber bestätigt

Foie gras - wie die "fette Leber" im Französischen genannt wird - dürfte im bevölkerungsreichsten US-Bundesstaat Kalifornien nun endgültig der Vergangenheit angehören. Bereits 2004 war ein Verbot beschlossen und vom damaligen Gouverneur Arnold Schwarzenegger abgesegnet worden. Produzenten und Restaurants wurde allerdings viel Zeit gelassen, um sich auf den "Stopfleber-Bann" einzustellen.

Schließlich wollten "Foie gras-Hersteller" aus den USA und Kanada sogar eine Rücknahme des im Sommer 2012 in Kraft getretenen kalifornischen Gesetzes einklagen, das den Handel sämtlicher Produkte von gestopften Gänsen oder Enten verbietet - also auch von Daunen. Diese Klage hat ein Bezirksgericht in Los Angeles jetzt zurückgewiesen.

Erfolg für den Tierschutz

Millionen von Gänsen und Enten leiden durch die Stopfleber-Produktion, bei der den Tieren zwei- bis dreimal am Tag ein Rohr durch den Schlund bis zum Mageneingang eingeführt und durch ein pneumatisches System eine großen Menge Maisbrei zugeführt wird. Ihre Leber vergrößert sich um ein Vielfaches und erreicht ein Gewicht von bis zu einem Kilogramm. Für viele Tiere verläuft diese Zwangsfütterung tödlich.

"Die Entscheidung des Richters ist ein Erfolg für den Tierschutz", freut sich Helmut Dungler, Geschäftsführer von Vier Pfoten. Für ihn leitet sich daraus auch Handlungsbedarf für den Outdoor-Bekleidungshersteller Patagonia ab, denn das kalifornische Unternehmen verwendet zur Herstellung seiner - auch in Österreich - vertriebenen Produkte Daunen von Gänsen aus Stopfleber-Erzeugung. "Mit dem neuen Gesetz ist die Produktionsweise des Unternehmens nicht nur unethisch, sondern auch illegal", lautet die Überzeugung des Tierschützers. Laut Vier Pfoten weigert sich Patagonia auf "Stopfleber-Daunen" zu verzichten. Trotz telefonischer Anfrage von derStandard.at hat sich das Bekleidungsunternehmen zu den Vorwürfen nicht geäußert.   

Situation in Europa

In 14 europäischen Ländern gilt das Stopfen von Gänsen und Enten als Tierquälerei und wurde deshalb verboten. Der Verkauf ist allerdings nach wie vor legal. Das Stopfverbot wird außerdem von etlichen europäischen Ländern immer wieder umgangen, indem die Tiere in anderen Ländern gemästet werden. "Das kalifornische Gesetz ist daher ein Meilenstein und sollte anderen Ländern als Vorbild dienen. Auch in Europa muss der Verkauf von Fettleber gesetzlich verboten werden", fordert Helmut Dungler. (red, derStandard.at, 20.9.2012)

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