Demenz: Der Tod ist schwer vorhersehbar

  • Wann beginnt das Sterben bei Demenzkranken in Pflegeheimen?
    foto: apa/christof stache

    Wann beginnt das Sterben bei Demenzkranken in Pflegeheimen?

Sterbeprozess Demenzkranker kaum untersucht - Forschungsprojekt soll Leiden Betroffener und Angehöriger verringern

Obwohl in der Schweiz die Zahl der Demenz-Todesfälle in Pflegeheimen kontinuierlich zunimmt, ist der Sterbeprozess noch kaum untersucht. Um ein würdevolles Sterben dieser Menschen zu ermöglichen, müssen Symptome frühzeitig erkannt und die bestmöglichen pflegerischen Maßnahmen ausgewählt werden. Wie die dafür notwendigen Entscheidungsprozesse ablaufen, beeinflusst die Qualität der Versorgung. Forschende des Instituts für Pflege an der ZHAW Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften untersuchen deshalb, welche Faktoren die Symptomlinderung bei demenzerkrankten Personen fördern oder behindern.

Sowohl die Ärzteschaft als auch die Pflegewissenschaft setzen sich in den letzten Jahren intensiver mit diesem Krankheitsbild auseinander. Im Unterschied zu Krebserkrankungen, bei denen teils genaue Prognosen gestellt werden können, ist der Tod bei Demenzerkrankungen schwierig vorauszusehen. Hinzu kommt, dass die verbale Kommunikation mit der an Demenz erkrankten Person in der Sterbephase nur eingeschränkt bis gar nicht möglich ist. Dies führt dazu, dass Symptome und Zeichen der demenzerkrankten Person übersehen oder falsch interpretiert werden können.

Leiden verringern

Der Sterbeprozess bei Demenzkranken ist noch kaum untersucht. Ein Forschungsprojekt des Instituts für Pflege der ZHAW Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften will nun diese Lücke schliessen, ausgehend von der Frage: Wann beginnt das Sterben bei Demenzkranken in Pflegeheimen? Mit der Studie "Palliative Care bei demenziell erkrankten Personen in Pflegeheimen im Kanton Zürich" werden Entscheidungsprozesse zur Symptomlinderung in der Sterbephase analysiert. "Besonderes Augenmerk liegt auf der Art und Weise, wie Pflegende Symptome erfassen und interpretieren; wie sie sich für pflegerische Maßnahmen entscheiden und deren Wirksamkeit überprüfen", erklärt Studienleiterin Andrea L. Koppitz. Ziel des Forschungsprojekts ist gemäß Koppitz, das Leiden der Betroffenen und Angehörigen zu verringern. Außerdem sollen künftig Notfallsituationen beim Sterben von Demenzkranken im Pflegeheim verhindert und eine vorausschauende Planung unter Einbezug der Angehörigen realisiert werden.

Schlüsselfigur Pflegefachperson

Schlüsselfiguren der Untersuchung sind auch die Pflegefachpersonen in Pflegeheimen. Sie begleiten die Personen mit Demenz in der Regel rund um die Uhr, sieben Tage die Woche und garantieren damit sowohl eine zeitliche wie fachliche Kontinuität. Alle anderen Berufsgruppen, die mit dem Heimbewohner in Kontakt kommen, werden von der verantwortlichen Pflegefachperson zum Einzelfall informiert. Aufgrund dieser zentralen Rolle wird die Arbeit von 25 - in der Sterbebegleitung von Demenzkranken erfahrenen - Pflegefachpersonen anhand dreier Forschungsfragen untersucht:

1.Welche Massnahmen zur Symptomlinderung werden in der Terminalphase bei demenziell erkrankten Personen im Pflegeheim angewendet?

2.Wie definieren Pflegefachpersonen den Übergang zur terminalen palliativen Situation?

3.Mit welchen Massnahmen werden psychosoziale Bedürfnisse der Bewohnerinnen sowie Bewohner und der Angehörigen in dieser Phase unterstützt?

Neben der Befragung der Pflegefachpersonen wird die Qualität der Betreuung in den letzten 90 Lebenstagen anhand einer Analyse der Pflegedokumente von 60 verstorbenen demenzkranken Personen untersucht. (red, derStandard.at, 20.9.2012)

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