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Österreichische Abgeordnete im Nationalrat und im Landtag verspüren einen immer größeren Druck, öffentlich präsent zu sein. Das zeigt eine Studie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW). Politikwissenschafter Jens Tenscher hat untersucht, welche Medien von Politikern bevorzugt werden und wie sie mit ihnen umgehen. Dabei zeigte sich, dass Qualitätsmedien deutlich höher als Boulevardzeitungen in der Relevanz bewertet und Medien bevorzugt werden, in denen direkt und damit kontrollierbar kommuniziert werden kann.
Für seine Studie befragte der Wissenschafter von der ÖAW-Kommission für vergleichende Medien und Kommunikationsforschung im März dieses Jahres rund ein Viertel der 183 Nationalratsabgeordneten sowie ein Drittel der 448 Landtagsabgeordneten per Online-Umfrage.
Politiker wollen ihr Image aufpolieren
"Es geht um Kontrolle über Kommunikation. Politiker streben zu Medien, in denen sie ihre Anliegen in Ausführlichkeit darlegen und ihr Image aufpolieren können", sagte Tenscher im Gespräch mit der APA. Angesichts des hohen Stellenwerts der "Zeit im Bild" (ZiB) in der Bevölkerung und dem Platz, den sie für direkte Kommunikation bietet, sei es nicht verwunderlich, dass die Nachrichtensendung bei Nationalratsabgeordneten auf Platz 1 landete, an zweiter Stelle liegen andere politische Interview- und Diskussionssendungen im Fernsehen. Die Landtagsabgeordneten halten regionale und lokale Printmedien für ihre wichtigsten Plattformen, dem folgen die Radios des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und die "ZiB". Einig sind sich die Politiker in Sachen Privatfernsehen bzw. -radio. Diese Medien würden kaum als wichtig erachtet, auch weil sie "noch großen Nachholbedarf in Sachen Quote" hätten, meint Tenscher.
Besonders schlecht schneiden Boulevardmedien ab: Die "Kronen Zeitung" landet bei den Nationalratsabgeordneten auf dem fünftletzten und im Landtag auf dem siebenten Platz. "Natürlich spielt hier soziale Erwünschtheit eine große, kaum kalkulierbare Rolle", so Tenscher. Die "ZiB" liege auch an erster Stelle, weil sie in der Bevölkerungsgunst immer noch ganz weit oben liege. "Die 'Krone' ist eher ein Medium, mit dem man selbst nicht in Verbindung gebracht werden möchte", so Tenscher. Zu sehr sei sie als "das Medium des kleinen Mannes" etabliert und Präsenz könne hier auch durchaus in eine negative Richtung ausschlagen. Die Kontrolle über die Kommunikation sei schwieriger.
Social Media gewinnt an Bedeutung
Besser zu bedienen seien da Social Media-Plattformen wie Facebook. "Social Media geben Politikern die Möglichkeit, selbst zu Wort zu kommen und sich zu positionieren. Deshalb werden sie in Zukunft noch an Bedeutung gewinnen", ist der Politikwissenschafter überzeugt. Das könnte erklären, warum diesen Plattformen in der Umfrage eine größere Bedeutung als der "Kronen Zeitung", "Österreich", aber auch dem "Kurier" zugemessen wird. Chats, Foren und Formate, die einerseits aufwendiger seien, aber andererseits auch die Gefahr beinhalteten, in ungewollte Diskussionen mit Usern zu geraten, werden dagegen als eher unwichtig eingestuft.
Anhand ihrer Medienpräferenzen und -verhalten teilt Tenscher die Politiker in Typen ein. Am häufigsten ist dabei der "gemäßigte Allrounder" (29,9 Prozent). "Er hat die Wichtigkeit der Medien erkannt, misst ihnen aber generell nur mittlere Bedeutung zu", erklärt Tenscher. An zweiter Stelle steht mit einem Viertel der Befragten der "Allrounder", der allen Medien große Relevanz zubilligt. Immerhin rund 15 Prozent ordnet der Politikwissenschaftler in die Gruppe der "Geringschätzer". Sie würden am ehesten unter dem Motto "Wir ziehen unser Ding durch und brauchen die Medien nicht" handeln. Neben den "Rundfunkfixierten" und den "Printverweigerern" gebe es auch noch die "Boulevardvermeider". Diese schreiben allen Medien, außer den Boulevardblättern eine hohe Relevanz zu und zeichnen sich durch besondere Aktivität aus: Etwa ein Zehntel ihrer Arbeitszeit geht in Medienarbeit.
Größerer Druck durch mehr Plattformen
Für die Notwendigkeit einer höheren Präsenz der Abgeordneten in den Medien sieht Tenscher zwei Gründe: Einerseits würden die Bindungen zwischen Parteien und Bürger zunehmend bröckeln, andererseits habe sich die Medienlandschaft der letzten Jahre grundlegend geändert und eine noch größere Vielfalt an Plattformen hervorgebracht. "Politiker, die wiedergewählt werden wollen, sind darauf angewiesen, sich zu positionieren", erklärt Tenscher den Druck zur Medienarbeit. (APA, 20.9.2012)
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