Der Klettersteig aus der "Strudlhofstiege"

Bernd Orfer
21. September 2012, 16:57

Einfaches Kraxeln auf der Rax mit der Option auf ein Edelweiß und die innige Umarmung vor großartigem Panorama

Der Preinerwandsteig zählt zu den leichtesten versicherten Klettersteigen auf der Rax. Er wird aber nicht sehr häufig begangen, weil er durch viel Geröll führt und obendrein sehr steil ist. Die Mühen werden durch eine grandiose Umgebung aufgewogen, die immer wieder fasziniert.

Es erstaunt, dass durch die gewaltige und eindrucksvolle Felsszenerie eine so leichte Route führt, die allerdings - will man viel Freude an dieser Tour haben - Schwindelfreiheit, Trittsicherheit, Erfahrung im Begehen von felsigem und schroffem Gelände sowie die geeignete Ausrüstung voraussetzt. Ein Klettersteigset ist nicht notwendig.

Viel Aussicht in hochalpiner Lage

Die Wand weist eine vielfältige Blumenzier auf, die vom Peter gstamm im Frühjahr bis zu den spät blühenden Enzianarten und zum Edelweiß reicht. In der Weltliteratur scheint sie ebenfalls auf: Heimito von Doderer schildert in seinem Roman Die Strudlhofstiege eine Tour über den Preinerwandsteig, die für ein Pärchen allerdings nicht auf dem Gipfel endet, sondern in einer wilden Umarmung.

Die hochalpine Landschaft wird durch viel Aussicht - vor allem ins Wechselgebiet und zu den Fischbacher Alpen - ergänzt. Mit dem Rundblick vom Gipfel erfährt sie einen Höhepunkt. Beim Abstieg sind die steilen Rinnen nahe der Königschusswand und vor allem die Preinerwand in ihrer gesamten Ausdehnung und Schönheit zu bewundern.

Die Tour verlangt gute Wetterverhältnisse, bei Nässe oder gar leichter Schneelage ist vom Preinerwandsteig - allein schon wegen der Steinschlaggefahr - abzuraten. Beschilderung und Markierung befinden sich in gutem Zustand, die angegebenen Gehzeiten sind für flotte Geher gedacht.

Die Route

Vom Parkplatz beim Griesleitenhof steigt man auf der gelben Markierung an, wechselt am Beginn eines flachen Stücks nach rechts auf den grün markierten Weg, um zum Bachingerbründl zu gelangen. Gehzeit 1¼ Stunden.

Nun führt der Preinerwandsteig durch Latschen und Geröll steil aufwärts. Einige Felspassagen sind mit Seilen gesichert. Schließlich quert man unterhalb der Gipfelwand nach rechts und gelangt durch eine Enge nahe dem höchsten Punkt der Preinerwand auf die Hochfläche. Gehzeit ab Bachingerbründl 1¾ Stunden.

Auf blau markiertem Weg steigt man in einer halben Stunde zur Neuen Seehütte ab. Für den Abstieg empfiehlt sich der gelb markierte Göbl-Kühn-Steig, der stellenweise neu trassiert wurde. Bis zum Waxriegelhaus braucht man 1¼ Stunden.

Dann muss man ein kurzes Stück zurück und folgt der gelben Markierung, die nach Nordosten - mitunter steil - hinabführt. Man gelangt zur Anstiegsroute und kehrt auf dieser zum Griesleitenhof zurück. Gehzeit ab Waxriegelhaus 1¼ Stunden. (Bernd Orfer, Album, DER STANDARD, 22.9.2012)

Gesamtgehzeit sechs Stunden, Höhendifferenz knapp 1000 m. Neue Seehütte (bis Anfang November durchgehend offen, im November Wochenendbewirtschaftung bei Schönwetter) und Waxriegelhaus (ganzjährig bewirtschaftet).

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die rax. das hochgebirge für den wiener.

ganz lieb :-)

Naja, immerhin sind aus Einigen, die im Wiener Raum das Bergsteigen gelernt haben, berühmte Bergsteiger geworden. Das Problem der Dörfler ist, dass sie glauben alles über die Berge zu wissen, selbst wenn sie nur mit der Seilbahn auf den Berg fahren (was auch am Land die meisten machen). Lernen muss man Bergsteigen und Klettern so oder so. Egal ob man in der Stadt oder am Land wohnt.

"Heimito von Doderer schildert in seinem Roman Die Strudlhofstiege eine Tour über den Preinerwandsteig, die für ein Pärchen allerdings nicht auf dem Gipfel endet, sondern in einer wilden Umarmung." Na dann:

"Dann kam ihr Kopf um zwei Zentimeter näher gegen ihn und lag nun an seinem Hals. Sie bleiben, wie sie waren, eine halbe Minute vielleicht. Dann begann er sie zu küssen und tat jetzt nichts situationsgemäß Verkehrtes, als er ihr weißes Sporthemd entknöpfelte und mit der rechten Hand unter ihre linke Brust glitt. Hinunter ließ sie sich beinahe tragen, es war nicht ganz einfach, sie blieb dicht an ihm, doch glückten diese ein-und-einhalb Meter bis zum Waldboden. - Sie schrie nur einmal unterdrückt und kurz auf im Schmerz, dann umklammerte sie René fest, und nicht nur mit den Armen."

klettern, wie abartig! (leide an höhenangst) … zufällig fiel mir letzte nach beim aufräumen das buch “die strudlhofstiege” in die hände. zwischen s. 42 und 43 liegt ein wiener-linien-kalender mit vorverkaufsstellen aus dem jahr 2000, und vorn hat’s einen vermerk drin, daß ich das buch im jahr 2000 nach vierzig seiten weglegte.

ich gestehe:

bin bei seite 31 eingeschlafen und habe es seither nicht mehr versucht das buch zu lesen.

ich leide auch unter höhenangst - aber wenn sie bei seite 40 aufgehört haben zu lesen, entgeht ihnen definitiv sehr sehr viel - diese sprache - wunderbar....muß sie wieder mal lesen...

das kann ich auch :)

Gefährlicher Weg!

Bitte schreiben Sie nicht schöne Geschichten, dass dieser Weg so leicht und "sicher" zu begehen wäre!
Durch das Geröll ist er sogar sehr gefährlich, auch für Leute, die denken, ihnen könnte ja nichts passieren.

Genau dort ist mein Freund Franz Bilik damals ums Leben gekommen. Ausgerutscht und abgestürzt.

Was soll an dieser Geröllrinne interessant sein. Das hat mit einer Via Ferrata nichts mehr zu tun.

Für Sie ist der Hans von Haidsteig gleich ums Eck. Also kein Grund zum Matschgern.

Der wird auch schon fad, in der nähe von wien gibts leider zuwenig klettersteige :(

Eigentlich gibt's kaum irgendwo in den Alpen so viele Klettersteige, Kletterrouten, Wanderwege und Hütten wie im Wiener Raum. Die Berge sind bei uns mit Infrastruktur eh schon übererschlossen.

Was es abgesehen vom HTL Steig nicht gibt, sind moderne "Sportklettersteige" (evt. noch Königschußwand). Lern halt Klettern.

Ich geh eh auch klettern, aber klettern geht nunmal leider nicht alleine...

Doch, aber Mut braucht man mehr als sonst ;)

bei einem 2er - Ja ok. Stellen 3- ev. auch noch. Alles was darüber hinaus geht, ist eher unverantwortlich ohne Sicherung :)

...was sich irgendwie durch die Topographie in dieser Region leicht erklären lässt.

Naja am Schneeberg und der Rax wären noch genug Möglichkeiten um Klettersteige anlegen zu können.

Jede Wand, die nicht schon beim Anschauen auseinanderfällt, ist bereits mit Kletterrouten durchzogen. Oder sie liegt so abseits, dass sich auch ein Klettersteig nicht auszahlt.

Aber soll man wirklich überall, wo es möglich ist, einen Klettersteig anlegen?

zw. überall und ein paar mehr liegt ein weites feld :)

Zitat: "...und obendrein sehr steil ist"

Trotzdem wird ein Klettersteigset als nicht notwendig erachtet?
Erinnert mich an den Artikel vor zwei Wochen:

http://derstandard.at/134516594... rbereitung

"Vielen Kletterern wird am Klettersteig der Verzicht auf die Sicherheitsausrüstung zum Verhängnis. Das Stahlseil verführt dazu, sich so sicher zu fühlen, dass auf das Einhängen des Seils in zwei Karabiner verzichtet wird"

für den flachländer aus wien und umgebung

wäre die hochgebirgsausrüstung wohl empfehlenswert. allerdings ist der kein maßstab...

1. Sind schätzungsweise vieleicht 10-20% vom ganzen Steig versichert. Der Rest ist hauptsächlich Geröll und Schroffengelände

2. Ist die Wahrscheinlichkeit, dass man im Schroffengelände an einer Stelle wo man aufrecht geht abstürzt weit höher, als dass man dort abstürzt wo man sich eh mit 2 Händen am Stahlseil anhalten kann.

Dort ist wirklich kein Klettersteigset notwendig. Bin den Steig als Abstieg gegangen, fast gelaufen, weil er so einfach ist. Da ist zB der Raue Kamm am Ötscher gefährlicher, und dort gibts keine Stahlseile ;)

wow sind Sie aber mutig!

Gehens hald nur E Steige am besten unversichert

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