Jetzt fürchtet Frankreich den Zorn der Muslime

19. September 2012, 18:35

Nachdem das Satireblatt "Charlie Hebdo" neue Mohammed-Karikaturen veröffentlicht hat, schließt Paris Botschaften und Schulen im arabischen Raum

Auch im Land selbst wird eine Protestwelle erwartet.

 

Zuerst der Anti-Islam-Film, jetzt die Mohammed-Karikaturen. Das französische Satireblatt Charlie Hebdo veröffentlicht in seiner jüngsten Ausgabe wie schon 2006 Zeichnungen des Propheten, die unter Muslimen für heftige Entrüstung sorgen und in der islamischen Welt zu einem neuen Flächenbrand sorgen könnten.

Verantwortlich für die Publikation ist Stéphane Charbonnier (45), Chefredakteur des frechen Wochenmagazins und Zeichner in diversen linken Blättern. Auf der Titelseite von Charlie Hebdo malt er Mohammed im Rollstuhl, den ein Jude schiebt; im Innern trägt der Prophet einen Schweinekopf und fragt den Regisseur des Schmähfilms Die Unschuld der Muslime, ob er auch damit Sex haben müsse. In einer anderen Karikatur betet Mohammed mit nacktem Hintern unter einem gelben - wohl jüdischen - Stern.

Der geschmacklos-schräge, traditionell provokative Humor nach Art von Charlie Hebdo sorgte am Mittwoch für reißenden Absatz, sodass ein Nachdruck lanciert wird. Aber nicht alle sind amüsiert. Der Rektor der Großen Moschee in Paris, Dalil Boubakeur, wetterte über die "Eseleien" und warf dem Blatt vor, nach den Mohammed-Karikaturen vor sechs Jahren rückfällig geworden zu sein.

Polizei schützt Redaktion

Hackerattacken hinderten am Mittwoch die Internetseite von Charlie Hebdo am Erscheinen. Die Polizei beschützte die Redaktionsräume, die Ende 2011 bereits einmal Ziel eines Brandanschlags geworden waren. "Charb", wie der Chefredakteur seine Karikaturen zeichnet, trat kurz vor die Tür. "Wenn man anfängt, sich zu fragen, ob man das Recht habe, Mohammed zu zeichnen, wird die nächste Frage sein, ob man das Recht habe, Muslime zu zeichnen, und dann, ob man noch Menschen zeichnen darf", sagte er, während zwei Leibwächter seinen Rücken deckten. "Am Schluss zeichnet man nichts mehr, und die Handvoll Extremisten in der Welt und in Frankreich hat gewonnen."

Auch dieses Argument vermochte nicht alle Franzosen zu überzeugen. Die Sprecher der Großparteien verurteilten die Veröffentlichung, nachdem sie die ersten Mohammed-Karikakturen 2006 zum Teil noch gutgeheißen hatten. Die Rechtsextremistin Marine Le Pen attackierte sowohl die Karikaturisten als auch die Muslime, die wegen ein paar "Wirrköpfen" das Land in Feuer und Asche legen wollten.

Diese Angst treibt auch die Regierung um. Außenminister Laurent Fabius bedauerte, dass das Blatt "Öl ins Feuer" gieße, und äußerte sich "besorgt" über mögliche Reaktionen in der islamischen Welt. In 20 Ländern schließt Frankreich seine Botschaften, Konsulate, Kulturzentren und Schulen für mehrere Tage oder zumindest am Freitag, dem Tag des islamischen Gebets. Diese "Vorsichtsmaßnahme" werde laufend "der aktuellen Situation angepasst".

In Paris empfing Innenminister Manuel Valls elf muslimische Würdenträger zu einer Aussprache. Moschee-Direktor Boubakeur erließ danach einen Appell zur Ruhe. Die gleiche Botschaft soll am Freitag auch in den französischen Moscheen verbreitet werden. Der muslimische Kultusrat Frankreichs (CFCM) verurteilte zwar die "islamophoben" Karikaturen, rief aber auch dazu auf, "sich nicht auf Provokationen einzulassen". Premierminister Jean-Marc Ayrault machte klar, dass keine Protestdemonstrationen bewilligt würden. Die Polizei bereitet sich in Paris trotzdem auf einen Großeinsatz vor. (Stefan Brändle aus Paris /DER STANDARD, 20.9.2012)

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Also wie schon andere (korrekt) beschrieben haben, zeigt das Titelblatt von Charlie Hebdo einen angedachten zweiten Teil von Intouchables.

Meiner Meinung nach handelt es sich aber bei dem Mann im Rollstuhl nicht um Mohammed, sondern einfach "irgendeinen" Moslem der von "irgendeinem" Juden geschoben wird.

Im Film "Ziemlich beste Freunde", der ja auf einer Autobiografie beruht (welche ich nicht gelesen habe), geht es ja um die überzeichnete und humoristische Darstellung von Gegensätzen - gegensätzliche Kulturen, Gegensätze zwischen Gehendem und im Rollstuhl Sitzendem usw. Und m.M. denkt das Titelblatt eine (baldige) Zukunft an, wo zwar noch solcher Film möglich ist, aber gänzlich ohne Humor, wie auch in der Sprechblase verlautbart.

Daher finde ich das Titelblatt sowas von harmlos, nicht beleidigend und die Wahrheit ausdrückend...

Somit deutet das Titelblatt an, dass sobald etwas...

...Muslimisches mit Humor in Verbindung gebracht wird, dies nicht (mehr) möglich ist - Jüdisches vielleicht auch, allerdings gibt es (noch) viele Filme (mit jüdischen Beteiligten), die sich über Jüdisches lustig machen.

Und Stefan Brändle bestätigt mit seinem Bericht exakt die Aussagen des Chefredakteurs - "Wenn man anfängt, sich zu fragen, ob man das Recht habe, Mohammed zu zeichnen, wird die nächste Frage sein, ob man das Recht habe, Muslime zu zeichnen [...]": Er sieht auf dem Titelblatt Mohammed und stößt sich daran, genauso wie der Typ mit dem Regisseur und dem Schweinekopf auch nicht der Darsteller des Films "Die Unschuld der Muslime" ist, sondern ebenfalls "Mohammed".

Wollen wir wirklich in diese Richtung gehen?

Beleidigt man Juden, ist es Antisemitismus.

Beleidigt man Schwarze, ist es Rassismus.

Beleidigt man Homosexuelle, ist es Intoleranz.

Beleidigt man den Propheten Mohammed, ist es Meinungsfreiheit.

Sie sollten die Geschichte Ihres Glaubens studieren, besonders dem Abschnitt warum sich Muslime nicht als Mohammedaner sehen.
Sie posten leider nur Stumpfsinn und verbreiten eine Ansicht die nur von radikalen Glauebigen vertreten wird, die jedoch mit dem Islam rein gar nichts zu tun hat.

Hier wurden _nicht_ gezielt Moslems beleidigt. Hier wurde Mohammed beleidigt. Ein Phrophet. Nicht alles was hinkt ist ein Vergleich.

Das ist wie der Unterschied zwischen der Beleidigung eines Christen, oder der beleidigenden Darstellung von Jesus oder Gott (wie zum Beispiel : http://www.amazon.de/Das-Leben... 800038633)

"Nicht alles was hinkt ist ein Vergleich. "

Oh bitte..
Beleidigt man den Papst, werden gezielt auch alle Christen beleidigt.

Wenn Sie das glauben, dann haben Sie allerdings recht, und Sie sind keinen Deut besser als die Moslems die sich über die Karrikaturen mockieren.

Ich glaube allerdings nicht dass alle so denken wie Sie.

Mir geht es auch nicht um die Reaktion diverser Muslime. Das sind sowieso nur Chaoten

Sondern um das Verständnis der verschiedenere Aktionen der westlichen Gesellschaft.

Beispiel:Siehe Posting weiter oben

mhm

Beleidigt man christus oder gott ist es eigentlich allen wurscht.

"beleidige" aber Apple, die deutsche Autoindustrie,

die französische Autoindustrie, Rapid, Federer oder Helmut Schmidt:
dann geht es in den Foren hier rund!

Gewalttaten gibt es aber nicht - auf Beleidigungen wird mit Beleidigungen reagiert:
Wenn jemand z.B. einen pro-Apple-Beitrag schreibt, kann er gerne von mir einen contra-Apple-Beitrag haben usw. - bei anderen gilt das für Rapid/Austria und ähnlichem.

Einzig bei Fußballmannschaften gibt es nicht selten Gewalttätigkeit, nur ist das nicht so dramatisch, weil Fußballmannschaftspräferenz a) keinen gesetzlichen Schutz erhält und b) nicht "quasi-vererblich" ist

Sie können es drehen wie Sie es wollen

Dennoch ist die Beleidigungen gegenüber Schwarze Rassismus.

oder Beleidigungen gegenüber Juden Antisemitismus.

Aber Beleidigungen gegenüber dem Prophet ist irgendwie dann Meinungsfreiheit.

Der wesentliche Unterschied ist aber, dass Beleidigungen gegen Schwarze und Juden ("Rasse") gegen die Herkunft gehen und so fast immer falsch sind, bei Religionen aber kann man die konkreten Inhalte kritisieren - und das tat der Film auch: Viel von dem was über Mohammed erzählt wurde ist durch Koran bzw. Hadithe gedeckt.

Der Film hat konrekte Inhalte kritisiert?

Seien Sie so gut und beschäftigen Sie sich erstmal mit dem Leben des Propheten Mohammed.

Aber schön, dass Sie Ihre Unwissenheit offenbart haben.

Kann ich mal machen - welche Quellen, die nicht auf dem Koran und Hadithen beruhen, haben Sie denn für mich?

Wer die "Meinungsfreiheit" so hervor hebt, sollte in der Lage sein, alle Informationsquellen auszuschöpfen und nicht die auszusuchen, dass nur sein verengtes Weltbild bestätigt.

Die Informationsbeschaffung schaffen Sie auch ganz alleine. Da bin ich mir ganz sicher...

Nein, ein Punkt der Meinungsfreiheit ist, dass jeder die Quellen hernimmt, die er kennt und sich daraus eine Meinung bildet. Wenn jemand anderer eine andere Meinung hat, machen beide einen Meinungsaustausch und tauschen so auch ihre Quellen aus, so dass dann beide mehr Wissen haben.

Durch dieses mehr an Wissen verbessert sich dann hoffentlich auch die Meinung der beiden.

Also sollte man auch die Juden und Schwarze beleidigen dürfen, da ein Meinungsaustausch das Wissen verbessert?

Äh - wo habe ich das geschrieben?

Was man natürlich machen können sollte: Quellen, die negative Eigenschaften an Juden und Schwarzen feststellen, herzunehmen um sich eine Meinung zu bilden und diese weiterzutragen.

Gute Idee

Zitate von GrafBobby

20.9.2012, 22:57
"Zum Thema Juden: Von europäischen Künstlern gezeichnete Karikaturen konnte ich nicht finden"

20.9.2012, 22:18
"Karikaturen von Afrikanern fand ich leider auf "Nachrichtenseiten" keine,"

Wie soll man denn eine Meinung bilden wenn es bei Juden und Schwarzen nicht zu trifft?

Bitte die Zitate nicht sinnentstellen oO
Ich habe eben nicht-europäische Karikaturen und Karikaturen auf Nicht-Nachrichtenseiten gefunden.

EBEN

Das bestätigt doch, dass europäische Künstler von solch Karikaturen fern bleiben WEIL

Beleidigung/Verunglimpfung Juden ->Antisemitismus
Beleidigung/Verunglimpfung Schwarze->Rassimus

Aber Verunglimpfung von Mohammed ist irgendwie dann doch "Meinungsfreiheit".

Sie haben es doch bereits hervorragend bestätigt und kapiert haben Sie es nicht...

Sie haben aber schon gar nichts begriffen.....

Sie vergleichen hier seit Tagen Aepfel mit Birnen.
Mit einer Karikatur von Juden, wird eine Religionsgemeinschaft als solches herabgesetzt, also Antisemitismus, mit Karikaturen von Schwarzen wird die gesamte schwarze Bevoelkerung herabgesetzt, also Rassismus. Mit einer Karikatur von einer Person wie dem Papst oder Mohammed oder Netanyahu, Bush oder Putin, wird im Grunde nichts anderes gemacht wie bei Persoenlichkeiten des oeffentlichen Lebens, es werden deren Schwaechen u Staerken uebertrieben dargestellt. Daher Meinungsfreiheit.
So einfach ist es wenn man logisch nachdenkt und sich nicht verhetzen laesst.

"Schwaechen u Staerken uebertrieben"

süße Umschreibung von Verunglimpfung und Beleidigung

Man muesste halt den Koran und auch vielleicht manche Fremdwoerter kennen, damit man sich hier nicht laecherlich macht:

Karikatur: lat carrus also: Ueberladung Uebertreiben bedeutet die komisch ueberzeichnete Darstellung von Menschen oder gesellschaftlichen Zustaenden.In English auch Cartoon.
D Mohammed ein Mensch war siehe 3:144 "Und Mohammed ist nur ein Gesandter...,oder 38:70 oder lesen Sie die "Maghazi" Literatur, werden Sie doch nicht abstreiten, da er eine erfolgreiche Kriegsfuehrung betrieb.
Daher sich zuerst Informieren, Ihre Religion studieren und dann erst posten.

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