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Jil Sander

Hedi Slimane
Eine seiner ersten Taten war bereits mehr als symbolträchtig: Aus Yves Saint Laurent machte der neue Kreativdirektor des Hauses, Hedi Slimane, kurzerhand "Saint Laurent Paris". Das Logo ist in der gleichen Schriftart gestaltet, die der große Yves 1966 für seine erste Prêt-à-porter-Linie "Saint Laurent Rive Gauche" verwendete. Alles zurück an den Start? Oder doch ein Aufbruch in eine neue Ära?
Diese Frage stellt sich in den kommenden Tagen und Wochen nicht nur bei Saint Laurent Paris. Gleich bei einer ganzen Reihe von großen Modehäusern schlägt für die neuen Designer die Stunde ihrer ersten Prêt-à-porter-Kollektion. Jil Sander, die zu dem von ihr gegründeten und ihren Namen tragenden (aber sich nicht mehr in ihrem Besitz befindlichen) Label zurückgekehrt ist, zeigt in Mailand ihre erste Frauenkollektion. Raf Simons, der bei Jil Sander nach vielen erfolgreichen Jahren der Labelgründerin weichen musste, gibt seinen Prêt-à-porter-Einstand in Paris bei Dior. Und Hedi Slimane eben bei Saint Laurent.
Slimanes Neubeginn ist mit den meisten Fragezeichen gespickt. Während Simons und Sander bereits eine Couture- bzw. eine Männerkollektion im Namen ihrer neuen Arbeitgeber präsentierten, wird es für Slimane nicht nur die erste Laurent-Kollektion, sondern auch seine erste Modekollektion seit fünfeinhalb Jahren - und seine erste Frauenkollektion überhaupt sein.
Vorschusslorbeeren erntete er in den vergangenen Monaten dennoch reichlich, nicht zuletzt von Saint Laurents ehemaligem Partner Pierre Bergé, der mit Slimanes Vorgänger, dem Italiener Stefano Pilati (er wurde gerade von Zegna verpflichtet), mehr als unzufrieden war und Slimanes Strategien öffentlich sein Lob aussprach. Neben der Namensänderung führte Slimane auch einen Standortwechsel des Kreativstudios durch, das er von Paris nach Los Angeles verlegte, wo er seit 2007 lebt und als Fotograf arbeitet. Auch die Rückkehr einer eigenen Haute Couture schloss der Designer nicht aus. Damit würde das Match zwischen den Häusern Dior und Saint Laurent, das in Paris traditionell besonders gern gespielt wird, ein Betätigungsfeld mehr bekommen.
Bereits in den vergangenen Monaten wurden amerikanische und französische Medien nicht müde, die neuen Designkarrieren von Slimane und Simons zu einem Infight der neuen Kräfte zu stilisieren. Dabei liegen die Ursprünge beider Modemacher näher beieinander, als es auf den ersten Blick scheinen mag. Beide sind vom rauen Streetstyle der Neunziger geprägt, beide idealisierten sie lange das Bild des leptosomen (männlichen) Teenagers. Während Slimane diesem in seinen Fotografien bis heute huldigt, hat sich Simons längst mit der Welt der Couture, ihren Techniken und Traditionen angefreundet. Seine vorletzte Sander-Kollektion wurde allgemein als Verneigung vor dem New Look Christian Diors interpretiert.
Aus seinem alten Designteam hat Simons allerdings nur einen Designer mit nach Paris genommen. Bei dem zur Luxusgruppe LVMH gehörenden Modehaus wird er also mehr oder weniger auf sich selbst gestellt sein - im Unterschied zu Jil Sander, die in Mailand wieder viele ihrer alten Getreuen um sich schart. Doch auch bei der Marke Jil Sander hat sich während ihrer Auszeit und der Zeit als Designerin beim Fast-Fashion-Riesen Uniqlo in Tokio vieles verändert. Die Eigner sind Japaner, das Werk in Ellerau ist geschlossen. Ob die mittlerweile 69-Jährige an ihre früheren Erfolge anknüpfen kann? Auf dem Laufsteg wird man es bald sehen. (Stephan Hilpold, Rondo, DER STANDARD, 21.9.2012)
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