Physikalischer Jux mit Tieren

19. September 2012, 18:13
  • Witzewilderer auf fremdem biologischem Terrain: Heinz Oberhummer, Martin
 Puntigam und Werner Gruber (v. li.).
    foto: h. tiefenthaler

    Witzewilderer auf fremdem biologischem Terrain: Heinz Oberhummer, Martin Puntigam und Werner Gruber (v. li.).

Nicht nur zum Lachen: Die neue "Science Busters"-Show

Wien - Ein Wissenschaftskabarettist müsste man sein. Dann könnte man sich auch etwas irreführende Überschriften wie "Gedankenlesen durch Schneckenstreicheln" leisten. Unter diesen Titel stellten die Science Busters ihr neues Programm, das am Dienstag im Wiener Rabenhoftheater Premiere hatte - und einen zwiespältigen Eindruck hinterließ.

Der rührte nicht zuletzt daher, dass der emeritierte theoretische Physiker Heinz Oberhummer, der Physikdidaktiker Werner Gruber und der Kabarettist Martin Puntigam ihr angestammtes Revier der Physikvermittlung oft verließen und sich auf medizinisch-biologisches Terrain vorwagten. Und dort hatte der tierische Spaß mitunter seine Grenzen.

So etwa begann Gruber seinen vollmundigen Auftritt im Pluralis Majestatis zum Thema Burnout und Depression, was nicht nur nicht besonders lustig, sondern stellenweise recht ärgerlich war. Etwa wenn der geschätzte 200-Kilo-Mann - eh nur im Spaß? - Psychopharmaka und allen voran das medizinisch noch lange nicht restlos erforschte Lithium kategorisch zum einzigen Gegenmittel erklärte. Längen hatte auch die titelgebende Episode, mit der die Science Busters die Forschungen von Nobelpreisträger Eric Kandel zusammenfassten, der an der Meeresschnecke Aplysia die Grundprinzipien unseres Gedächtnisses entdeckte - "Gedankenlesen" geht etwas anders.

Unterhaltsamer gerieten Oberhummers atheistisch gefärbte Bemerkungen über den Speiseplan der Kirchenmäuse ("Spinnweben, Staub, Schuppen der Kirchgänger") oder über die Jagdtechnik des Pistolenkrebses. Am spaßigsten aber waren Puntigams Zwischenbemerkungen, ein Feuerwerk an Schlagfertigkeit und Pornografienachhilfe. Und auch das Ende fiel pyrotechnisch versöhnlich aus: als die beiden Physiker das Verhalten des Bombardierkäfers nachstellten. (tasch/DER STANDARD, 20. 9. 2012)

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"Psychopharmaka und allen voran das medizinisch noch lange nicht restlos erforschte Lithium kategorisch zum einzigen Gegenmittel erklärte." - Wo ist das Problem? Natürlich ist es nicht das einzige Gegenmittel. Dazu braucht es auch eine

Arbeitsumstellung - wenn aber der Zusammenbruch durch Burn-Out da ist und die Depression, die sehr schnell auch Suizid-Gedanken bedeutet, dann sind Psychopharmaka angesagt. Habe noch nie erlebt, dass einen Burn-Out-Patienten (und ich kenn leider ein paar) das nicht verschrieben wurde (und diese sind damit voll auf zufreiden). Das ist kein "oje, jetzt kann ich nicht mehr, ich brauch jetzt Pause", sondern geht mit schweren psychischen Problemen einher.

Lithium ist - nachweislich (!) - die einzige Behandlungsmethode gegen Depressionen, wo suizidverhütende Wirkung erwiesen ist: http://jama.jamanetwork.com/article.a... eid=201761

Es wäre ratsam sich zu mindestens grundlegend zu informieren und sei es mit einer AK-Broschüre...

Zudem ist Gruber Neurophysiker. Dazu braucht es ein Grundverständnis über Gehirnfunktionen, -Funktionsmechanismen und -aktivität. Wer nicht einmal die nachgewiesene Funktion von Lithium kennt und die Vorgehensweise bei Depressionen und Burn-Out offensichtlich nicht kennt, sollte vielleicht nicht von Grenzen sprechen.

Ich mag die Show sehr, aber wenn sie fachfremde Gebiete behandeln, wo sie dann Behauptungen aufstellen, die sie gar nicht sachlich verifizieren/falsifizieren können, wird ´s dann tatsächlich peinlich (Bsp.: wenn sie medizinische Themen behandeln).
Die Idee der Aufklärung der Massen schlägt negativ dialektisch auf Furchtbarste zurück, und gerinnt zur mythologiesierenden Dogmatik.

Ab und an recht witzig, aber die Gesamtaufmachung der Show ist superpeinlich und lebt mehr von der Selbstveraeppelung als von gutem Witz.

Seit wann sind Piefkinäsen auch nur für vermeintlich humorvolle Dinge zuständig?

Also bitte! Niemand betreibt Humor mit soviel Ernst wie die Deutschen.

ein infantiler, ein alleswisser, ein flachpointenjäger

sooo toll ist das nicht anzuschauen.

eins versteh ich immer noch nicht

iwe kann der werner gruber immer noch an der uni wien angestellt sein? immerhin ist er schon seiter damit angefangen hat dort angestellt, hat aber immer noch keine abgeschlossenes diss. und da er somit ja keine laufbahnstelle haben kann, muss seine maximalanstellungszeit schon lange übersschritten sein, und er besetzt eine stelle die echte doktoranden brauchen könnten.

Gruber ist meines Wissens als Lektor angestellt und nicht als Doktorand (und bestimmt nicht für 40h/Woche).

Und ganz nebenbei: Die Universität kann nicht nur Stellen für Doktoranden dringend gebrauchen, sondern auch solche für engagierte Lehrende.

über projekte angestellt und somit nur indirekt an der uni zb. ?

gruber der klischeephysiker...

bin schon seid langer zeit ein fan von den dreien.

vorallem weil ich selber physiker bin und durch dieses kabarett inspirationen bekomme wie man gewisse phänomene einfach erklären kann.

nur leider wird mir herr gruber immer unsympatischer.
er passt perfekt zum klischee des arroganten und allwissenden physiker der immer recht hat.

ich ertappe mich selber immer wieder in diese richtung abzugleiten aber ich VERSUCHE wenigstens nicht arrogant zu werden, von gruber kann man das leider nicht behaupten.

Arroganz

Die hier nur Gruber attestierte Arroganz gilt wohl auch für den Rest des Trios. Den Geist der Wissenschaft stelle ich mir weniger besserwisserisch vor. Zuweilen wirken die 3 auf mich wie jene Physiker des 19. Jahrhunderts, die zu ihrer Zeit meinten, es sei bereits alles erforscht. Diese Überheblichkeit ist damals wie heute fehl am Platze. Wer Menschen wirklich für die Wissenschaft interessieren, ja begeistern möchte, sollte selber bescheidener, aber auch neugieriger sein und selber das kindliche Staunen über die Wunder der sichtbaren und unsichtbaren Welt verkörpern. Die Science Busters werden allerdings von ihrem eigenen materialistischen Fanatismus blockiert und verwechseln folgerichtig ihren kleinen Teil mit dem Ganzen.

Physiker neigen vermutlich stark dazu Fachidioten zu sein, da ihr Idiom ein sehr mächtiges ist.
Gefährlich ist wenn aus der Denkweise eine Weltanschauung wird, dann lässt man sich zu unqualifizierten Aussagen wie den leichtfertigen Hinweis auf Lithium und die vermeintliche Allmacht von Psychopharmaka hinreißen.
Aber man kann es ihm nachsehen. Letztendlich haben die 3 in der Sendung einfach ihren Spaß das spürt man auch meistens.

Aber was davon ist einfach die Rolle?

nix davon ist eine rolle, der ist einfach so

Wer sind sie, dass sie das wissen? :)

er ist mir beim studium einige male übern weg gelaufen und hat jedes mal genau den oben erwähnten eindruck hinterlassen.....
egal ob in einer vorlesung oder am gang beim plaudern, der ist einfach genau so, wie er auf der bühne rüberkommt.
kann man mögen, oder auch nicht, nur verstellen/eine rolle spielen tut er (sich) nicht.

das wäre natürlich möglich, dass das alles nur gespielt ist.

wäre wünschenswert (dann könnte er damit aufhören weils nicht lustig ist) aber das wage ich zu bezweiflen :(

ich habe einmal mit ihm gesprochen. er war so arrogant wie er rüberkommt. sowi, gewi - nimmt er nicht ernst. er ist ein bißl borniert, was bei den physiker/innen, die ich kenne oder kennengelernt habe, nicht der fall ist. und wenn er über medizinische forschung so spricht, als verstehe er etwas davon, überschreitet er seine kompetenzen. er würde ganz gut in die chemie passen. >;->.
wäre er weniger von sich selbst überzeugt,wäre er auch witziger.
oberhummer hingegen, so meine persönliche erfahrung, ist ein netter, zugänglicher typ, der echte leidenschaft für dieses kabarett mitbringt. ist aus ganzem herzen wissenschaftler.

das mit dem Chemiker nehm ich ihnen übel ;-)

Zur medizinischen Forschung: Gruber hat doch auf dem Gebiet der Neurophysik diplomiert, er wird also von medizinischer Forschung schon was verstehen.

im forum anwesende sind natürlich ausgenommen. ;-)

"wenn er über medizinische forschung so spricht, als verstehe er etwas davon, überschreitet er seine kompetenzen"

Auf eine Überschreitung mehr oder weniger kommt's bei denen schon auch nicht mehr an ...

Ich weiß auch nicht, wie viel davon gespielt ist.
Jedenfalls würde ich eine andere Rolle wählen ...

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