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Minimalistisch gab sich die Topshop-Marke Unique.
London - Wer bei britischem Stil an Punks, Cardigans und Rosenmuster denkt, der liegt derzeit ziemlich falsch. Die Modestadt London setzt andere Schwerpunkte, selbst das Thronjubiläum der Queen oder die Olympischen Spiele sind längst vergessen. Zukunft liegt in der Luft. Dementsprechend verzichteten Designer auf offensichtlich sportliche oder Aristo-Referenzen und setzten auf eine Hightech-Revolution, die im unmittelbaren Vorfeld der London Fashion Week mit der Eröffnung des neuen Burberry Flagship Stores eingeleitet wurde.
Lifestreamings von Shows, bei denen Fans des britischen Traditionshauses per Mausklick ein Outfit bestellen können, noch bevor das Model vom Laufsteg gestöckelt ist, sind nichts Neues. Im supermodernen Shop werden aber jetzt sogar Catwalkfotos von Stücken, die Kunden gerade anprobieren, über Funkfrequenzidentifizierung an den Spiegel der Umkleidekabine projiziert. Technisch ist das spektakulär, wie sich der direkte Vergleich von Supermodel und Normalkunde auf die Kauffreude auswirkt, das bleibt aber abzuwarten.
Auch auf dem Laufsteg ging es Burberry-Designer Christopher Bailey ums Spektakel. Der traditionelle Trenchcoat schien zu einem Minicape geschrumpft zu sein: In Kombination mit Korsett-Tops definierten Capes Burberrys ungewöhnliche Hauptsilhouette. Als dann am Ende der Show eine Modelarmee in klassischen Trenchcoats aufmarschierte, war das Publikum im Megazelt in den Kensington Gardens aber doch einigermaßen beruhigt. Die Mäntel waren allerdings nicht beige, sondern schimmerten in metallischen Regenbogenfarben, genauso wie Schuhe und Handtaschen.
Ähnlich futuristisch ging es an der Topshop-Location zu. Der britische Billigkettengigant sponsert junge Designer nicht nur seit mehr als zehn Jahren, Boss Philip Green stellt ausgesuchten Talenten auch eine Location zur Verfügung, die zu den besten der Woche gehört. Heuer hat sich das Topshopdesignteam für eine Symbiose aus Barbarella und Raumschiff Enterprise entschieden, die den dort gezeigten Kollektionen einen Space Age Vibe verpasste. Topshops eigene Kollektion, Unique, eine Luxusvariante der trendigen Massenware, für die Topshop bekannt ist, war erstaunlich reduziert und geprägt von erwachsenem Minimalismus, den man eher von New Yorker Designern oder skandinavischen Streetstyle-Blogs gewohnt ist. Aber Unique lag voll im Trend.
Antonio Berardi zeigte seine grafisch abstrakte Kollektion unter den gleichen metallenen Deckenverstrebungen einer Zentrallondoner Parkgarage wie Henry Holland, dessen von den 1990er- Jahren inspirierte House of Holland-Show ein wesentlich jüngeres Zielpublikum hatte. Und sogar Paul Smith suchte sich das unterkühlte Interieur eines ehemaligen Industriegebäudes für die Präsentation seiner coolen, farbgeblockten Designs aus.
Christopher Kane schickte eine exzentrische Mischung aus Plastik, rosa Rüschen, Gummimaschen und mit Klebebandstreifen aufgemotzten Glitzerstickereien auf einen Silberspiegellaufsteg. Klingt nach einer kreativ-chaotischen Studentenkollektion, war aber keine. Klare Linien, präzises Styling und eine hypermoderne Location gaben der Kollektion einen kühlen, industriellen Schliff.
Printwunderkind Mary Katrantzous Ausgangspunkt waren Briefmarkennostalgie und Urlaubssehnsucht, die sie grandios in immer abstrakter werdende Drucke und klare, geometrische Linien übersetzte (Ein Porträt Katrantzous lesen Sie im morgigen RONDO). Noch abstrakter waren die Londoner Meister des Digitaldrucks, der Tiroler Peter Pilotto und Designpartner Christopher De Vos unterwegs, die sich ungern von einem Thema einschränken lassen. Ihre neuen Designs sind ein ethnisch-futuristisches Kaleidoskop aus Inspirationen, die von Asienreiseeindrücken bis hin zu Illustrationen aus dem neunten Jahrhundert reichten.
Marios Schwabs Vision hat dagegen wenig mit einer perfekten volltechnologischen Zukunft zu tun, im Gegenteil. Der Gräko-Österreicher geht zurück zum Ursprung, zu vergessenen Ritualen und Traditionen. Weiche Chiffontransparenz kombiniert mit groben, die Körperformen akzentuierenden Stoffen erinnert an kriegerische Amazonen, Fransenverzierungen sind von Urvölkern wie den Navahos inspiriert.
Louise Gray, die als die neue Vivienne Westwood gehandelt wird, hat sich auch nicht zu sehr vom Trend zum futuristischen Perfektionismus mitreißen lassen. Ihr Patchwork aus 80er-Graffitidrucken und ihren eigenen Cheeseburger-Zeichnungen war humorvoll-punkig. Nur der überdimensionale metallische Kopfschmuck verband sie mit Designern, die London diesmal zum Mekka des Hightech-Chic machten. (Britta Burger, DER STANDARD, 20.9.2012)
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