Viennafair-Chef: "Eines der zentralen Motive ist ein ökonomisches"

Herwig Höller, 19. September 2012, 17:37
  • Sergey Skaterschikov: "Ich grenze niemanden aus. Aber natürlich, 
Viennafair und Fonds werden einen starken Einfluss auf die 
Kommerzialisierung der Kunst haben."
    foto: apa/robert jaeger

    Sergey Skaterschikov: "Ich grenze niemanden aus. Aber natürlich, Viennafair und Fonds werden einen starken Einfluss auf die Kommerzialisierung der Kunst haben."

Im Frühjahr übernahm Sergey Skaterschikov die Kontrolle über die Viennafair. Der russische Investor über die Positionierung der Kunstmesse, geplante Ankäufe und russische Partner

STANDARD: Woran wird Ihre Handschrift auf der Viennafair 2012 zu erkennen sein?

Sergey Skaterschikov: Ich habe mich darauf konzentriert, ein professionelles Team zusammenzustellen, das Interessen von Galerien, Sammlern, Besuchern und Sponsoren berücksichtigt. Wichtig ist mir, mehr Diskussionen zu veranstalten, die sich mit Fragen des Kunstmarkts beschäftigen: Weshalb kaufen Menschen Kunst? In welche Richtung bewegt sich der Markt? Auch die Neupositionierung der Messe als "The New Contemporary" erachte ich für wichtig: Die Viennafair soll Trendsetter für neue Kunst werden. Sonst gehen wir im Kalender der vielen Kunstmessen einfach unter.

STANDARD: Welche Rolle spielen Partner, die sich bisher eher im Hintergrund halten? Auf russischer Seite ist ein weiterer Name bekannt.

Skaterschikov: Die österreichische Gruppe um Edelbert Köb hält einen Minderheitsanteil und spielte anfangs eine wichtige Rolle. Dmitrij Aksjonow ist mein einziger Partner in der Next Edition Partners GmbH (Mehrheitseigentümer des Messebetreibers VF Betriebsgesellschaft mbH; Anm.) Er hat viele VIP-Klienten und russische Kunstsammler hergebracht. Ich als Organisator möchte mit dem investierten Kapital Geld verdienen. Eines meiner zentralen Motive ist ein ökonomisches.

STANDARD: In der Galerienszene laufen hitzige Diskussionen über den mit einer Million Euro dotierten Fonds, der auf der Messe Kunst kaufen wird. Sie fürchten, dass einige Galerien groß absahnen, die anderen leer ausgehen werden?

Skaterschikov: Mich interessieren beim Art-Vectors-Fonds zwei Dinge: Wir haben den Galeristen versprochen, ihre Beteiligung interessant zu machen. Der Fonds garantiert eine gewisse Nachfrage. Weiters interessiert mich, wie Markt und Investoren reagieren, wenn eine professionelle Jury Arbeiten kauft. Ich nehme an diesen Entscheidungen nicht teil, habe nicht einmal die Jury getroffen und weiß nicht, welche Arbeiten gekauft werden sollen. Für mich ist das ein Experiment. Ich wäre verwundert, wenn es mit einem Skandal enden sollte und etwa nur von einer einzigen Galerie alle Arbeiten gekauft würden.

STANDARD: Haben Sie nicht Bedenken, dass Sie mit dieser Million den lokalen Markt in einem problematischen Ausmaß verzerren?

Skaterschikov: Ich grenze niemanden aus. Aber natürlich, Viennafair und Fonds werden einen starken Einfluss auf die Kommerzialisierung der Kunst haben.

STANDARD: Was wird mit jener Kunst passieren, die der Fonds ankauft?

Skaterschikov: Die Arbeiten sollen in Museen gezeigt und viel unterwegs sein - als eine Art weltweite Werbung für die Viennafair.

STANDARD: In Ihrer Heimatstadt Moskau haben viele prominente Galerien geschlossen. Welche Rolle spielt diese Kunstmarktkrise für ihre Wiener Aktivitäten?

Skaterschikov: Die Schließung mancher Moskauer Galerien wurde übertrieben dargestellt. Diese alten Galerien haben Oligarchen bedient und wollten sich nicht auf ein neues Zielpublikum umstellen. Das künstlerische Leben in Moskau bleibt dynamisch! Parallel zur Viennafair läuft die Moskauer Kunstmesse Art Moskwa.

STANDARD: Die auf Sie sehr böse ist.

Skaterschikov: Weil wir angeblich den Wiener Termin zum Trotz festgelegt hätten - was nicht stimmt. Ja, sie sind auf uns böse, wir nicht und wünschen ihnen alles Gute. Wir werden mit unseren Geschäftsideen früher oder später sicher auch in Moskau aktiv werden, zur richtigen Zeit. Wichtiger erscheint mir, zuerst eine internationale Plattform zu entwickeln, um auf Zielmärkten wie der Türkei, Polen oder Russland zu agieren. Russland befindet sich erst am Anfang der Kunstmarkt-Entwicklung. Einstweilen müssen wir uns deshalb nicht beeilen.

STANDARD: In Wien haben Sie erfolgreich die Viennafair übernommen. Doch Ihr Versuch, die Artnet AG, eine Internetplattform für Kunsthandel, zu übernehmen, ist bisher gescheitert. Sehen Sie die Viennafair als ein Experimentierfeld und einen Vorposten jenes Feldzugs, bei dem mit russischem Kapital ein Anteil am internationalen Kunsthandel erobert werden soll?

Skaterschikov: Ja, das trifft zu. Bei der Analyse des Übernahmeversuchs von Artnet stimme ich jedoch nicht zu. Die luxemburgische Redline Capital Management S.A. - ich sitze hier im Vorstand - hat bereits mit Gewinn in Artnet investiert. Formal wird sich am 28. September klären, ob Redline nun Artnet kaufen kann oder nicht. Aber in der Tat habe ich große Pläne, einen vielseitigen Konzern zu entwickeln, der sich mit der Kunstindustrie beschäftigt. Die Viennafair ist hier der erste Schritt in diese Richtung. (Herwig Höller, DER STANDARD, 20.9.2012)

Sergey Skaterschikov (40), russischer Manager und Investor, beschäftigt sich seit längerem mit wirtschaftlichen Analysen des Kunstmarkts. Er ist Autor von "Skate's Art Investment Handbook".

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10 Postings
Almauftrieb

Ist interessant, mitzuerleben, dieser Almauftrieb all jener von der Finanzkrise verwirrten Galerist/inn/en und Künstler/innen - wie sie verzweifelt um die russischen (und andere) Händler buhlen: Nimm mich, alimentier mir, stopf es mir so richtig rein!

unwienerisch

nachdem die mich und alle anderen letztes mal beim ausgang filzen wollten, werde ich wohl nicht mehr hingehen.

so arm...

nimmst halt ka Tascherl mit.

Ihnen is es wurscht, wenn man sie als Dieb verdächtigt und am Verlassen eines Raumes hindert?

ich fühl mich beim Billa als Dieb verdächtigt,

wenn die Kassiererin in mein Tascherl schauen will, bei den unübersichtlichen Kunstmessen mit wertvollem Kleinzeugs habe ich aber deutlich mehr Verständnis.
Und zum Billa gehe ich ja auch trotzdem noch (es gäbe übrigens da wie dort wichtigere Gründe für einen Boykott, denke ich)

das zentrale Motiv JEDER Messe...

...ist ein ökonomisches...was ist daran Headline-würdig?

weil es in wien immer so zäh

abläuft dass man eigens dazu sagen muss dass es sich bei einer messe, welche allen beteilgten geld kostet, um eine kommerzielle veranstaltung handelt.

Eines der zentralen Motive ist ein ökonomisches

auf einer kunstmesse erwarte ich wirklich nichts anderes

wer geld hat, kauft auch was gefällt -das ist nunmal so
das nimmt der kunst ja nichts weg

katasrofnikov!

gledwäsche leichtgemacht

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