Hitlerhaus: Braunauer Stadtchef gegen Gedenkstätte

Reportage | Markus Rohrhofer
19. September 2012, 17:51

Hitlers Geburtshaus in Braunau steht leer. Über die weitere Nutzung verhandeln derzeit das Innenministerium und die Stadt. Doch im Braunauer Rathaus scheint die Entscheidung längst gefallen zu sein

Linz - Es ist ein freundliches, in gelb getünchtes Gebäude, zwei Stockwerke hoch. Nur ein paar Meter vom Stadtplatz entfernt. Salzburger Vorstadt 15 lautet die Adresse des denkmalgeschützten Gebäudes. Und es ist das Geburtshaus eines Mannes, der die Welt ins Verderben stürzte: Am 20. April 1889 erblickte hier Adolf Hitler das Licht der Welt.

An dem " Erbe" trägt die Stadt am Inn bis heute schwer. Doch jetzt scheint nach jahrzehntelanger Diskussion eine Lösung greifbar zu sein. Konkret verdichten sich die Hinweise, dass das Haus kein Ort des Gedenkens wird, sondern als normales Wohnobjekt genutzt werden soll.

Das Gebäude befindet sich derzeit in Privatbesitz, Hauptmieter ist seit frühen Kreisky-Zeiten das Innenministerium, Untermieter die Stadt Braunau. Lange Zeit war in dem geschichtlich belasteten Haus eine Tagesheimstätte der Lebenshilfe untergebracht, seit mehr als einem Jahr steht das Gebäude nun leer.

Projekt schubladisiert

Doch die Diskussion über die Nutzung des Hauses gibt es nicht erst seit dem Auszug der Behindertenwerkstatt. So präsentierte etwa der Historiker Andreas Maislinger, wissenschaftlicher Leiter der Braunauer Zeitgeschichte-Tage, bereits im Jahr 2000 ein Konzept für ein "Haus der Verantwortung". Und kämpft seitdem unermüdlich, aber bislang ohne Erfolg für das Projekt.

Gespräche führten die politisch Verantwortlichen meist hinter verschlossen Türen, doch zur Zukunft des Hauses öffentlich positionieren wollte sich kaum einer. Aber jetzt scheint zumindest der Braunauer Bürgermeister Johannes Waidbacher (ÖVP) in die Offensive zu gehen.

Das Stadtoberhaupt "ist zwar offen für viele Ideen", spricht sich aber im STANDARD-Gespräch erstmals klar gegen eine Gedenkstätte aus: "Man muss sich allgemein die Frage stellen, ob eine weitere Holocaust-Gedenkstätte einen Sinn ergibt, wenn es im Umkreis doch schon viele gibt. Und persönlich stelle ich mir schon auch die Frage, wofür ich Verantwortung übernehmen soll - ich bin zum Beispiel 21 Jahre nach Kriegsende auf die Welt gekommen. Und so geht es vielen Menschen in Braunau."

Kein Verantwortungsgefühl

Man habe vonseiten der Stadtgemeinde schon "sehr, sehr viel" an Geschichtsaufarbeitung geleistet. Man müsse daher "nicht zwingend" in dem Haus etwas machen. Waidbacher: "Wir sind ohnehin stigmatisiert. Hitler hat die ersten drei Jahre seines Lebens bei uns in der Stadt verbracht. Und es war sicher nicht die prägendste Phase seines Lebens. Wir sind daher als Stadt Braunau nicht bereit, die Verantwortung dafür zu übernehmen, dass der Zweite Weltkrieg ausgebrochen ist."

Mit einer herkömmlichen Nutzung des Hitlerhauses hätte das Stadtoberhaupt kein Problem: "Wohnungen wären an dem Standort mit Sicherheit leichter umzusetzen."

Im Innenministerium ist man, was die Zukunft der heiklen Immobilie betrifft, noch deutlich vorsichtiger: Man prüfe derzeit "verschiedene Nutzungskonzepte" und sei, da es sich um ein "historisch belastetes Gebäude" handle, besonders sensibilisiert und um eine rasche Lösung bemüht, heißt es auf STANDARD-Nachfrage. (Markus Rohrhofer, DER STANDARD, 20.9.2012)

Share if you care
Posting 1 bis 25 von 345
1 2 3 4 5 6 7 8
ich leite aus dem artikel ab

viele menschen in braunau sind 21 jahre nach kriegsende geboren worden....

Wenn dies eine Wohnimmobilie wird, kann man sich

die Wohninteressenten bereits bestens vorstellen.

Hier spricht man nur deutsch !

weg mit dem schandfleck...

eigentlich sollten`s das haus niederreissen (ja, klingt brutal, aber so könnte man "ein zeichen setzen"), oder eben wieder etwas gutes damit bezwecken, wie schon erwähnt war es mal ein diakoniewerkshaus.
wenn`s niedergrissen wird, dann könnte man drauf einen baum pflanzen oder so, mit dem mahnmal. nie wieder hass, faschismus und krieg! es lebe die liebe, die vielfalt und der frieden!

ich find es ja tragisch das überhaupt über eine Gedenkstätte nachgedacht wird. Das sollte eigentlich nicht einmal zur Diskussion stehen.

eigentlich bin ich für den Erhalt von alten Gebäuden,
hier könnte ich jedoch ein Auge zudrücken, sollte man es einfach abreißen wollen ;)

Eine Gedenkstätte bedeutet um Himmels willen NICHT, dass dort ein Ort geschaffen wird, wo man Adolf Hitler in Andacht ein Kerzerl anzünden kann. Auch keine naive Ausstellung über Hitlers Kindheit, oder ähnliches. Es soll natürlich seinen Verbrechen gedacht werden. Was wäre daran so schlimm?

Die Nazis pilgern so oder so dort hin - um so besser, wenn sie eine Lektion über die mörderische Geschichte erhalten. Das Dokumentationszentrum Obersalzberg in Berchtesgaden (wo Hitlers "Berghof" stand) ist ein gutes Beispiel, wie man so was in Würde machen kann. Auch dorthin kommen die Braunen in Scharen - man kann es nicht verhindern. Aber sie bekommen nicht das, was sie vielleicht erhoffen.

Ich wäre für ein Asylantenheim, Flüchtlingsbetreuung, betreutes Wohnen, Behindertenwohnheim, Kinderheim, Pflegestation oder irgendetwas derartiges, was deutlich macht, dass der Ar*** mit seinen verbrecherischen Ideen aber sowas von verloren hat.

In your face!

Wieso macht man nicht einfach eine Heilanstalt daraus?

Man sollte das Gebäude als Asylantenheim nutzen.

Es wächst zusammen, was zusammen gehört!

Die Gegenden beiderseits von Salzach und Inn sind ohnehin bereits zusammengewachsen. Braunau ist wie das ganze Innviertel ohnehin erst seit dem Zwetschkenrummel 1779 bei Oberösterreich.

Daher:
Zuerst taufen wir Braunau am Inn in "Regenbogen über dem Inn" um.

Dann treten wir den Ort, zumindest von der Innbrücke bis inklusive dem Haus Salzburger Vorstadt 15, an Deutschland (Bayern) ab.

Die Deutschen sind ja vorbildliche Vergangenheits-bewältiger, und werden aus Hitlers Geburtshaus sicher eine eindrucksvolle Gedenkstätte machen.

Wir Österreicher wären die Verantwortung für das unangenehme Thema los, und übrigens auch das Finanzamt.

dass die lebenshilfe mit einer behindertenwerkstatt drinnen war hab ich am passendsten gefunden.
keine devotionalisierung, keine dämonisierung und das deutlichst mögliche zeichen, dass der h. schlussendlich gottseidank doch erfolglos war.

Wie dringend notwendig die Aufarbeitung des Nationalsozialismus in Braunau notwendig ist, zeigen die Postings unten.

Ich bin total entsetzt.

Weg damit und baut's einen schönen Wohnblock mit Garten hin!

Stimmt es eigentlich noch immer,

dass der Bund monatlich 5.000 Euro Miete für das Haus an eine gewisse Frau Pammer überweist, die 1989 hier die Anbringung einer Gedenktafel verhinderte? Gerüchten zufolge hat sie '38 das Haus an die Nazis verkauft, bevor sie es nach der Befreiung wieder günstig zurückbekam und - aufgrund der tragischen Bekanntheit des Hauses - gut und teuer an den Bund vermieten konnte.

Es wäre an der Zeit, dass die Geschichte des Hauses und die zukünftige Nutzung offen diskutiert wird!

ich wollte auch die geschätzte kommentatorenrunde hier fragen, ob jemand mehr über die eigentumsverhältnisse weiß.

Es sind € 4700.-

es sollte einer ausstellung geben die die verbrehcer gegen die kinder in NS zeit erleucten sollte
http://www.youtube.com/watch?v=KBJ8S43w8CA

Sind die Leute, die eine obskure Devotionaliensammlung in dem Haus unterbringen wollten noch aktiv?

Übrigens möchte ich daran erinnern, dass die Nationalsozialisten aus dem Haus eine Pilgerstätte gemacht haben, nicht die Antifaschisten.

Übrigens möchte ich daran erinnern, dass die Nazi aus dem Haus eine Pilgerstätte gemacht haben, nicht die Antifaschisten.

Gibt es schon ein Statiker-Gutachten für das "historisch belastete Gebäude"?.,.

Übrigens möchte ich daran erinnern, dass die Nazis aus dem Haus eine Pilgerstätte gemacht haben, nicht die Antifaschisten.

Haus

abreißen, eine kleine Grünfäche und darauf einen Apfelbaum pflanzen!

Genau - und Adam und Eva reinsetzen...

Die frage ist eher was will der privateigentümer?

Posting 1 bis 25 von 345
1 2 3 4 5 6 7 8

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.