Medikamente kommen über Toilette ins Trinkwasser

Verena Kainrath
20. September 2012, 05:30
  • Der beliebte Süßstoff Acesulfam fließt ebenso unbehelligt durch die Kläranlagen wie medikamentöse Wirkstoffe.
    foto: apa/georg hochmuth

    Der beliebte Süßstoff Acesulfam fließt ebenso unbehelligt durch die Kläranlagen wie medikamentöse Wirkstoffe.

Viele Medikamente sind biologisch nicht abbaubar und landen im Wasserkreislauf. Die Langzeitwirkung des Arzneimittel-Cocktails ist weitgehend unerforscht. Wissenschafter sehen in Österreich wenig Bereitschaft, das Risiko in den Griff zu bekommen

Wien - Thilo Hofmann erinnert der Umgang mit Wasser ans Mittelalter. Wien etwa hole sich sein Wasser vom Berg, das Abwassser münde in der Donau. Von den Kläranlagen gereinigt zwar, aber immer noch mit Substanzen versetzt, deren Langzeitfolgen für das Ökosystem weitgehend unerforscht sind.

Österreich versorgt sich nur geringfügig mit Flusswasser und sei damit in einer glücklichen Lage, sagt der Umweltgeowissenschafter der Uni Wien. Anders als etwa Berlin, das sich mehr als 70 Prozent des Trinkwassers aus oberirdischen Gewässern holt. International jedoch werde sich die bisherige Handhabung von Abwasser so nicht länger spielen. Auch Österreich trage hier Verantwortung, und es gelte, künftig die bestmöglichen Standards zu erreichen.

Krankenhäuser sammeln nur radioaktiven Urin

Starken Handlungsbedarf sieht Hofmann vor allem in österreichischen Krankenhäusern. Sie würden ihre Abwässer nach wie vor nur eingeschränkt gesondert behandeln. Wer dort radioaktive Medikamente erhält, wie etwa Kontrastmittel fürs Röntgen, muss spezielle Toiletten nutzen - der Urin gilt als Sondermüll und wird getrennt gesammelt. Doch alle anderen Ausscheidungen gelangten de facto unbehandelt ins Abwasser.

"Die hohe Konzentration in Spitälern ist das Problem. Bei tausenden Patienten würde es sich lohnen, darüber nachzudenken, wie man die Belastung senken kann." Doch das Ganze sei eine Kostenfrage, also setze man weiterhin lieber auf das Prinzip der Verdünnung.

Arzneimittel im Grundwasser

Arzneimittelwirkstoff sind vielfach schwer biologisch abbaubar, bestätigt Stefan Weiß, Chemiker des Umweltbundesamtes. Sie seien gut wasserlöslich und könnten bis ins Grundwasser gelangen. Paradebeispiel sei ein Antiepileptikum, das in der gleichen Konzentration in Kläranlagen reinkomme wie raus.

Auch andere Wirkstoffe ließen sich in der Donau nachweisen, wenngleich in äußerst niedriger Konzentration - "vergleichbar mit dem Würfelzucker im Bodensee". Welche ökotoxologische Folgen die geringe, dafür permanente Belastung auf Gewässer und Böden hat, ist laut Umweltbundesamt bisher zu wenig untersucht.

Tonnenweise Antibiotika

Im Vorjahr waren hierzulande 12.455 Medikamente für den Menschen zugelassen. Im Schnitt verbraucht ein Österreicher im Jahr 1010 Einzeldosen, eine entspricht einer Tablette oder zehn Tropfen, belegt das Institut für Pharmaökonomische Forschung. Nicht eingerechnet ist der Arzneimitteleinsatz in der Tierhaltung. Allein an Antibiotika verschrieben Tierärzte 2011 gut 60 Tonnen für Rinder, Schweine und Hendln. In Deutschland wiesen Wissenschafter mittlerweile 150 Medikamentenwirkstoffe in Wasser und Böden nach.

Das Problem sei seit 20 Jahren bekannt, reagiert werde erst jetzt, sagt Hofmann. Behoben gehöre es aber nicht am Abflussrohr oder in der Kläranlage. Vielmehr brauche es Regeln, wie sich Ausscheidungen besser sammeln und entsorgen ließen - etwa in den Spitälern.

Spitäler versus Privathaushalte

Der Wiener Krankenanstaltenverbund spielt diesen Ball aber zurück. Der Anteil der Spitäler mache verglichen mit dem Medikamentenverbrauch der Privathaushalte einen kleinen Tropfen aus, sagt Günter Poyer von der Stabstelle Umweltschutz. Es sei kein Unterschied, ob Arzneimittel via Privattoiletten in Kanäle flossen oder über Spitäler bzw. Pflegeheime.

In der Praxis sei eine gesonderte Behandlung jedenfalls technisch kaum umsetzbar. Verbesserungen seien nur durch geringeren Arzneimittelverbrauch oder gut funktionierende Kläranlagen erreichbar, ist Poyer überzeugt,

Süßstoff Acesulfam wird nicht abgebaut

Die Konzentration des Abwassers im Grund- oder Flusswasser lässt sich mittlerweile durch den Boom der kalorienreduzierten Lebensmittel ermitteln. Statt Aspartam und Saccharin setzt die Industrie für Light-Getränke wie Coke vermehrt den Süßstoff Acesulfam ein. Der Körper baut ihn nicht ab - ebenso unbehelligt fließt er durch Klo, Kanal und Klärbecken in den Wasserkreislauf, sagt Hofmann. In Summe sind es Tonnen.

Ein gesundheitliches Risiko soll er aus Expertensicht nicht darstellen. Im Trinkwasser habe er aber ebenso wenig verloren wie Medikamentenreste. Chemikern dient der synthetisch hergestellte Süßstoff als Markierungsstoff: Er zeigt an, wie viel Abwasser im Trinkwasser landet - etwa durch Lecks im Kanalnetz. Je nach Stadt und Kanalystem, sagt Hofmann, versickerten zwischen zehn und 40 Prozent des Abwassers. (Verena Kainrath, DER STANDARD, 20.9.2012)

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Mahlzeit!

"Allein an Antibiotika verschrieben Tierärzte 2011 gut 60 Tonnen (!!) für Rinder, Schweine und Hendln." - und das ist nur die legale Seite.

Kann sich das überhaupt noch jemand vorstellen, was da für Berge an Pharma-Chemie in die Schnitzelsemmel und Hühnerbügerl hinein gepumpt wird, damit auch nur ja kein Profit entgeht?

Ich jedenfalls nicht.

1010 einzeldosen...da sieht man wie krank der österreicher wirklich ist...

und antibiotika...hmm...die hendln meiner großmutter haben alles mögliche gefressen im freien auf der wiese...aber medikamente waren keine dabei...hab heut noch den geschmack von diesen hühnern auf dem gaumen u. der zunge...das waren noch zeiten, heut schmeckt ein hendl, nun ja, nach irgendwas...

die massentierhaltung

hat meiner meinung nach den größten anteil an der gewässerverschmutzung. so viele antibiotika wie in der tiermast, verbrauchen die menschen nicht.

Wer trinkt denn aus der Toilette?

Sie, zw. 10 und 40%

Süßstoff als Markierungsstoff: Er zeigt an, wie viel Abwasser im Trinkwasser landet - etwa durch Lecks im Kanalnetz. Je nach Stadt
und Kanalystem, sagt Hofmann, versickerten zwischen zehn und 40%

Ich trinke trotzdem nicht aus der Klomuschel!

Wissenschafter sehen in Österreich wenig Bereitschaft, das Risiko in den Griff zu bekommen

Die AGES unter Umweltminister Berlakovich zahlt gerne fuer die entsprechenden Studien, siehe Finanzierung der Studien ueber das Bienensterben.

Erfrecht sich ein Wissenschaftler in Eigenregie Waesser zu untersuchen, machen ihn schnell Millionenklagen und Rufschaedigungsklagen der Industrie mundtot.

So ein Blödsinn.

Wegen einer Kontrastmitteluntersuchung geht kein Mensch auf ein eigenes Klo! Weder im Spital noch sonst wo.

Und

wie ist das mit den Drogen?

Sind natürlich auch nachweisbar. Man kann sogar relativ genau auf den Drogenkonsum in einer Stadt Rückschlüsse ziehen.

Sag ja, dass das keine große Sache ist. Derartige Untersuchungen gibt es auch für Österreich.

wenn ich mich recht erinnere

ist das wasser in london auch durch das schmerzmittel prozac "belastet"

ahja, google hilft auch da weiter seh ich grad:
http://mentalhealth.about.com/od/psycho... cuk804.htm

Seit wann ist Prozac ein Schmerzmittel?

ähm

antidepressiva..

aber eh gscheiter man kennte nicht jedes medikament auswendig.. :-P

Man muss nicht jedes Medikament auswendig kennen. Aber falsche Behauptungen sind auch nicht produktiv - schwirrt eh schon genug Falsches in den Foren herum.

naja

aber genau deshalb poste ich ja mit einem link darunter, damit die behauptung zumindest auf irgendeine weise belegt ist. (oder wie in diesem fall ausgebessert)

man könnte auch argumentieren, dass antidepressiva den seelischen schmerz lindern.
letztendlich ist das i-tüpfl reiterei wofür es verwendet wird.
wenn ich mir die nebenwirkungen und die wechselwirkungen dazu durchlese und höre, dass ich es im trinkwasser habe spüre ich eben diese nebenwirkungen auch schon alle

Medikamente kommen über die Toilette ins Trinkwasser.

"New's"?Nur den meisten Medien,nie wirklich war dieses Faktum, eine Zeile wert!?Eigenartigerweise "meldete" sich auch kein Arzt dazu zum "freien" Wort!Warum wohl?

mocht nix-

bleibn die fisch gsund.

Fußfessel für Trinkwasser !

Jetzt !

laut einer studie sollen die rückstände der antibabypille die fruchtbarkeit der männer verringern - hat mir eine schweizer hebamme erklärt.

Was

trinken denn dann die Frauen?
Nur Wein und Bier?

***eiße, schon wieder falsch gemacht!

Vor allem wachsen denen dann Brüste.
Die Verweibung des Mannes schreitet voran.

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