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Wien - Man wird doch noch rhetorisch fragen dürfen! Warum denn grad Eisler nennt das Theater Nestroyhof Hamakom seine szenische Hommage an den Jahrhundertkomponisten Hanns Eisler (1898-1962), bezeichnenderweise ohne Fragezeichen. Die Antwort fällt nach Genuss des von Anna Hauer eingerichteten Abends mit herrlichem Gesang und skizzenhaftem Bühnenspiel umso leichter. Ohne dieses kleine, hochgebildete Energiebündel namens Eisler, dessen 50. Todestages heuer gedacht wird, wäre die Sache der "Neuen Musik" bereits vor 60 oder 80 Jahren ein Gegenstand für Zahlenmystiker geblieben.
Als Meisterschüler des bürgerlichen Revolutionärs Arnold Schönberg stellte Eisler die Dodekafonie - die Lehre von den zwölf aufeinander bezogenen Tönen - vom Kopf auf die Füße. Eisler-Kompositionen, gleich ob Lied, Chor, Klavierstück oder fein ziseliertes Kammermusikwerk, erkennt man blind (wenn auch nicht taub) an ihrem süffisanten Schwung. Auch ein anderer, gewiss bedeutsamer Umstand wird im Hamakom-Theater nicht verschwiegen: Eisler war in die Wolle gefärbter Kommunist. Punkt.
Auf der kahlen Bühne steht ein Klavier (Armin Fuchs), eine Sängerin im grünen Hängekleid (Annette Fischer) stimmt einen Eisler'schen Zeitungsausschnitt für Gesang und Klavier op. 11 an.
Es "passiert" im Folgenden nicht viel an diesem hinreißenden Abend. Der Schauspieler-Sänger Raphael von Bargen gesellt sich zur Eisler-Sängerin, mit Fortdauer des Abends bekommt man auch die Mitglieder des Chors Kördölör immer öfter zu Gesicht. Das völlig irrwitzige Leben dieses Orpheus aus Wien, den es nach Berlin und anschließend in die Emigration in die USA verschlug, wird aus O-Tönen, mit viel Mut zur beredten Lücke, hastig zusammengeflickt. Der Gestus der Aussparung hätte Eisler bestimmt gut gefallen. Ebenso der Nachweis, dass Eislers Gesänge, die zumeist Vertonungen von Brecht-Gedichten sind, keiner Kommentierung bedürfen.
Wie ein Refrain jedoch kehrt die Ballade vom Wasserrad wieder. Das ähnlich geartete Lied von der belebenden Wirkung des Geldes singt von Bargen durch den Bügel einer hochgestemmten Sitzbank. Zettel flattern über die Bühne; Eislers Zitierung vor den Ausschuss für unamerikanische Umtriebe glimmt wie ein Fanal auf. In der DDR erklärt man den Komponisten der zonalen Bundeshymne zum bürgerlichen Ästheten. Bargen stellt im Alleingang Szenen aus dem inkrimierten Faustus-Buch nach. Über allen aber schwebt Eisler, das Original: das wienerisch gefärbte Organ eines Weltbürgers, eines Sendboten der Intelligenz in der Musik. Der akklamierte Abend dürfte trotz Geldsorgen noch zweimal aufgeführt werden. (Ronald Pohl, DER STANDARD, 20.9.2012)
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daß Eisler aus einer Wiener Familie stammte... nur der Nestroyhof und im Dezember Renald Deppe widmen ihm in seinem Jubiläumsjahr eine kleine Produktion... sehr beschämend.... noch ein Fall für Sven Hartberger!!!
... aber die Österreichische Musikzeitschrift hat in ihrem aktuellen Heft "Hanns Eisler - Zuckerbrot und Peitsche" den Versuch einer Würdigung unternommen:
http://www.oemz.at/heft-2012... rzeichnis/
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