Porsche erringt Sieg vor Gericht

Anleger warfen dem deutschen Sportwagenhersteller Marktmanipulation bei VW-Übernahmekampf vor

Braunschweig/Osnabrück - Porsche hat den ersten von zahlreichen Schadenersatzprozessen um die Übernahmeschlacht mit VW gewonnen. Das Landgericht Braunschweig wies am Mittwoch zwei millionenschwere Klagen gegen die Porsche Holding wegen Marktmanipulation ab. Die Kläger hatten dem Unternehmen vorgeworfen, die Anleger vor vier Jahren über seine Absicht zur Beherrschung von VW getäuscht zu haben. Sie hätten deshalb bei Aktiengeschäften Verluste erlitten. Das Gericht erklärte, Porsche könne nicht dafür haftbar gemacht werden und habe auch nicht sittenwidrig gehandelt. Die unterlegenen Kläger ließen offen, ob sie gegen die Urteile Berufung einlegen.

Weitere Urteile folgen

Porsche-Chef Matthias Müller nannte das Urteil erfreulich. Der Konzern sah sich in seiner Rechtsauffassung bestätigt: Die "durch diverse Spekulanten behaupteten Schadenersatzansprüche" seien unbegründet, hieß es in einer Mitteilung. Ein Sprecher sagte, Porsche werde sich gegen alle anhängigen Klagen mit aller Kraft wehren. In Braunschweig liegen drei weitere Klagen gegen das Unternehmen vor - insgesamt über mehr als vier Mrd. Euro Schadenersatz. Auch in den USA wollen Profi-Anleger Milliarden von Porsche erstreiten.

Die ersten beiden Klagen, die jetzt in Braunschweig abgewiesen wurden, hatten eine Schweizer Investmentgesellschaft und ein privater Anleger eingereicht. Sie forderten von der Beteiligungsgesellschaft Porsche Holding, die mittlerweile gut die Hälfte der VW-Stimmrechte besitzt, zusammen 4,7 Mio. Euro Schadenersatz wegen Irreführung der Finanzmärkte. Porsche gibt den klagenden Aktionären selbst die Schuld für die Verluste, die sie angeblich infolge eines Kurssprungs der VW-Stammaktien im Herbst 2008 erlitten haben.

Die Holding hatte sich seit 2005 in Trippelschritten bei VW eingekauft, im März 2008 aber verneint, dass sie den viel größeren Wolfsburger Konzern - VW baut in einer Woche mehr Autos als Porsche in einem Jahr - beherrschen wollte. Im Oktober 2008 ließen die Stuttgarter die Katze aus dem Sack: Sie gaben bekannt, dass sie sich direkt und indirekt bereits Zugriff auf fast 75 Prozent der VW-Stimmrechte gesichert hatten. An der Börse hatten viele Investoren angesichts der Mitteilung im März aber auf fallende VW-Kurse gewettet. Sie hatten sich VW-Aktien geliehen und diese verkauft - mit dem Ziel, sie später billiger zurückzukaufen. Nun wurden sie auf dem falschen Fuß erwischt. Um jeden Preis mussten sie die knappen Aktien zurückerwerben. Die VW-Stämme schossen in die Höhe, zeitweise auf über 1.000 Euro, und machten den Wolfsburger Konzern zwischenzeitlich an der Börse zum wertvollsten Unternehmen der Welt.

Anleger müssen vor eigener Türe kehren

Das Landgericht Braunschweig kam zum Ergebnis, dass Porsches Pressemitteilungen vom März 2008 "nicht grob falsch" gewesen seien. Zudem sah die Kammer keinen Ursachenzusammenhang zwischen den Mitteilungen und den Optionsgeschäften. Der Privataktionär habe sich vielmehr an Analystenmeinungen orientiert. Die Anlagestrategie der Investmentgesellschaft habe vor allem darin bestanden, "die bestehenden Marktverwerfungen auszunutzen".

Die Holding gehört zur Hälfte den Familien Porsche und Piech sowie dem Emirat Katar, die andere Hälfte des Kapitals ist börsennotiert und im Besitz von stimmrechtslosen Vorzugsaktionären. Die Holding gab den Sportwagenbauer Porsche Anfang August an den VW-Konzern ab, wo er als zwölfte Marke unterschlüpfte.

Neben den zivilrechtlichen Verfahren wird der Fall auch strafrechtlich aufgearbeitet: Die Staatsanwaltschaft Stuttgart geht dem Vorwurf der Marktmanipulation und der Untreue nach und will bis Ende dieses Jahres - nach mehr als dreijährigen Ermittlungen - entscheiden, ob sie gegen Ex-Porsche-Chef Wendelin Wiedeking und Ex-Finanzvorstand Holger Härter Anklage erhebt. Härter muss sich wegen des Verdachts auf Kreditbetrug bereits seit Anfang September vor Gericht verantworten. (APA, 19.9.2012)

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