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Tötung einer Sklavenhalterpuppe durch versklavte Arbeiterinnen der Art Temnothorax longispinosus.
Mainz - Dulosis ist der Fachbegriff für eine natürliche Form der Sklaverei, wie sie bei einigen Ameisenarten vorkommt. Dabei schickt eine solche parasitäre Spezies Arbeiterinnen aus, die ein Nest einer anderen Art überfallen, erwachsene Tiere töten und die Brut rauben. Im eigenen Nest wird dann das Brutpflegeverhalten der heranwachsenden Sklavinnen ausgenutzt und für eigene Zwecke verwendet: Die artfremden Brutpflegerinnen füttern und reinigen die Larven und ziehen so den Nachwuchs ihres Parasiten groß.
Manche dieser parasitären Arten könnten ohne solche Sklavendienste nicht überleben - allerdings hat dieses System seinen Preis, wie die Universität Mainz berichtet. Anhand des Zusammenspiels zwischen der amerikanischen Sklavenhalterameise Protomognathus americanus und ihres Opfers Temnothorax longispinosus konnte die Mainzer Forscherin Susanne Foitzik Phänomene wie Sabotage und Sklavenrebellion feststellen. In drei unterschiedlichen Gemeinschaften aus den US-Bundesstaaten West Virginia, New York und Ohio haben versklavte Arbeiterinnen die Brut ihres Parasiten vernachlässigt und getötet, anstatt sie zu pflegen. In der Folge überlebten im Durchschnitt nur 45 Prozent der Parasiten-Nachkommen.
"Wahrscheinlich können die Sklaven zunächst nicht erkennen, dass es sich um die Brut einer anderen Art handelt", vermutet Foitzik. 95 Prozent der Brut überlebt das Larvenstadium. Doch sobald sich die Larven verpuppen, ändert sich die Situation: "Die Puppen, die schon wie Ameisen aussehen, haben ein chemisches Profil auf ihrer Kutikula, das offenbar wahrgenommen wird. Wir konnten zeigen, dass es dann bei den Puppen zu hohen Tötungsraten kommt." Die Puppen werden entweder vernachlässigt oder absichtlich getötet, indem sie attackiert und auseinandergerissen werden. Dazu können sich mehrere Sklavinnen auf eine Puppe stürzen, die während der Verpuppung, die hier ohne Kokon erfolgt, bewegungslos und wehrlos ist.
Da ein Rachemotiv natürlich ausscheidet, steckt offenbar ein anderer Mechanismus hinter diesem Verhalten. "Die versklavten Arbeiterinnen gewinnen daraus keinen direkten Nutzen, weil sie sich nicht fortpflanzen können", erklärt Foitzik. Durch das Töten der Sklavenhalternachkommen machen die Skalvinnen aber ihren Verwandten in benachbarten Nestern das Leben leichter: Die Wachstumsrate von Nestern, die durch Sklavenrebellion geschädigt sind, ist geringer - und kleinere Sklavenhalternester unternehmen weniger Raubzüge in die Umgebung. (red, derStandard.at, 19. 9. 2012)
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Eine, wie mir scheint, am Ende allzu komplizierte Erklärung, so als hätten die Sklavenarbeiterinnen das Ignorieren, Töten und Fressen der fremden Brut erst in Koexistenz mit ihren "Herrinnen" entwickelt. Dieses Verhalten war doch wohl von Anfang an vorhanden.
Eher könnte man vermuten, das die Sklavenhalterameisen kein Mittel entwickelt haben, die "Sklavinnen" effektiver zu täuschen, weil sie sich dadurch auf Dauer ihrer Lebensgrundlage berauben würden.
entsteht ein durch die natürliche Auslese bedingtes Wettrüsten mit einem fragilen Gleichgewicht (Koevolution). Die auslesebedingten "Stratgien" der parasitierenden Art und jene ihrer Sklaven (Wirte passt in diesem Fall nicht wirklich) lassen solche oberflächlich betrachtete halbherzigen Verhaltensmuster, wie bei diesen beiden Arten beobachtet, zwangsläufig als Koadaptionen enstehen.
Wenn die Herrinnen sich zu stark vermehren, indem ihre gesamte Brut unter bester Pflege aufwächst, könnten sie am Ende die Slavinnen ausrotten, indem sie deren Staaten zu stark der eigenen Brut berauben und dadurch vernichten, wodurch denn ihre eigene Fortpflanzung nicht mehr möglich wäre.
Es handelt sich um einen selbstregulierendes System. Die Sklavenhalterart ist zur Brutpflege auf genau eine Skalvenart angewiesen. Sind sie zu effektiv und versklaven alle existierende Sklavenstaaten, so sterben sie selbst aus, da sie über keinen Nachwuchs mehr verfügen. Somit ist ihre Existenz von einer Effektivitätsgrenze abhängig. Staaten mit Erbgutanpassungen, welche ihre Sklaven zu erfolgreich täuschen, sterben aus und mit ihnen ihre zu effektiven Gene.
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