Sklaverei, Rebellion und Sabotage im Ameisenstaat

19. September 2012, 14:22
  • Tötung einer Sklavenhalterpuppe durch versklavte Arbeiterinnen der Art Temnothorax longispinosus.
    foto: alexandra achenbach

    Tötung einer Sklavenhalterpuppe durch versklavte Arbeiterinnen der Art Temnothorax longispinosus.

Sklavenhalterameisen lassen die Brutpflege von geraubten Arbeiterinnen einer anderen Art erledigen - doch das hat seinen Preis

Mainz - Dulosis ist der Fachbegriff für eine natürliche Form der Sklaverei, wie sie bei einigen Ameisenarten vorkommt. Dabei schickt eine solche parasitäre Spezies Arbeiterinnen aus, die ein Nest einer anderen Art überfallen, erwachsene Tiere töten und die Brut rauben. Im eigenen Nest wird dann das Brutpflegeverhalten der heranwachsenden Sklavinnen ausgenutzt und für eigene Zwecke verwendet: Die artfremden Brutpflegerinnen füttern und reinigen die Larven und ziehen so den Nachwuchs ihres Parasiten groß.

Manche dieser parasitären Arten könnten ohne solche Sklavendienste nicht überleben - allerdings hat dieses System seinen Preis, wie die Universität Mainz berichtet. Anhand des Zusammenspiels zwischen der amerikanischen Sklavenhalterameise Protomognathus americanus und ihres Opfers Temnothorax longispinosus konnte die Mainzer Forscherin Susanne Foitzik Phänomene wie Sabotage und Sklavenrebellion feststellen. In drei unterschiedlichen Gemeinschaften aus den US-Bundesstaaten West Virginia, New York und Ohio haben versklavte Arbeiterinnen die Brut ihres Parasiten vernachlässigt und getötet, anstatt sie zu pflegen. In der Folge überlebten im Durchschnitt nur 45 Prozent der Parasiten-Nachkommen. 

Massenhafte Tötung

"Wahrscheinlich können die Sklaven zunächst nicht erkennen, dass es sich um die Brut einer anderen Art handelt", vermutet Foitzik. 95 Prozent der Brut überlebt das Larvenstadium. Doch sobald sich die Larven verpuppen, ändert sich die Situation: "Die Puppen, die schon wie Ameisen aussehen, haben ein chemisches Profil auf ihrer Kutikula, das offenbar wahrgenommen wird. Wir konnten zeigen, dass es dann bei den Puppen zu hohen Tötungsraten kommt." Die Puppen werden entweder vernachlässigt oder absichtlich getötet, indem sie attackiert und auseinandergerissen werden. Dazu können sich mehrere Sklavinnen auf eine Puppe stürzen, die während der Verpuppung, die hier ohne Kokon erfolgt, bewegungslos und wehrlos ist.

Da ein Rachemotiv natürlich ausscheidet, steckt offenbar ein anderer Mechanismus hinter diesem Verhalten. "Die versklavten Arbeiterinnen gewinnen daraus keinen direkten Nutzen, weil sie sich nicht fortpflanzen können", erklärt Foitzik. Durch das Töten der Sklavenhalternachkommen machen die Skalvinnen aber ihren Verwandten in benachbarten Nestern das Leben leichter: Die Wachstumsrate von Nestern, die durch Sklavenrebellion geschädigt sind, ist geringer - und kleinere Sklavenhalternester unternehmen weniger Raubzüge in die Umgebung. (red, derStandard.at, 19. 9. 2012)

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22 Postings

wie kann man posts loeschen?

video

bei Interesse habe ich ein video zum Raubzugsverhalten von P. americanus auf YouTube online gestellt.

posten haut nicht hin....

"der Art Temnothorax "

temnothorax ist keine art sondern eine gattung. eine der kleinsten in europa und eine sehr interessante. :)

ups, irrtum. ;)

Eine, wie mir scheint, am Ende allzu komplizierte Erklärung, so als hätten die Sklavenarbeiterinnen das Ignorieren, Töten und Fressen der fremden Brut erst in Koexistenz mit ihren "Herrinnen" entwickelt. Dieses Verhalten war doch wohl von Anfang an vorhanden.

Eher könnte man vermuten, das die Sklavenhalterameisen kein Mittel entwickelt haben, die "Sklavinnen" effektiver zu täuschen, weil sie sich dadurch auf Dauer ihrer Lebensgrundlage berauben würden.

Wie immer in solchen Fällen parasitärer Wechselwirkung

entsteht ein durch die natürliche Auslese bedingtes Wettrüsten mit einem fragilen Gleichgewicht (Koevolution). Die auslesebedingten "Stratgien" der parasitierenden Art und jene ihrer Sklaven (Wirte passt in diesem Fall nicht wirklich) lassen solche oberflächlich betrachtete halbherzigen Verhaltensmuster, wie bei diesen beiden Arten beobachtet, zwangsläufig als Koadaptionen enstehen.

ganz ehrlich, den letzten Teil Ihres Satzes versteh ich nicht: warum würde sich eine bessere Täuschung nachteilig auf die Sklavenhalterameisen auswirken?

Wenn die Herrinnen sich zu stark vermehren, indem ihre gesamte Brut unter bester Pflege aufwächst, könnten sie am Ende die Slavinnen ausrotten, indem sie deren Staaten zu stark der eigenen Brut berauben und dadurch vernichten, wodurch denn ihre eigene Fortpflanzung nicht mehr möglich wäre.

Ja, aber was hat das jetzt mit den weiblichen Vertretern der Slawen zu tun ;)

Sehe ich genau so. Eine, wie mir scheint, am Ende allzu komplizierte Erklärung.

Ich denke das hat Nick so gemeint:

Es handelt sich um einen selbstregulierendes System. Die Sklavenhalterart ist zur Brutpflege auf genau eine Skalvenart angewiesen. Sind sie zu effektiv und versklaven alle existierende Sklavenstaaten, so sterben sie selbst aus, da sie über keinen Nachwuchs mehr verfügen. Somit ist ihre Existenz von einer Effektivitätsgrenze abhängig. Staaten mit Erbgutanpassungen, welche ihre Sklaven zu erfolgreich täuschen, sterben aus und mit ihnen ihre zu effektiven Gene.

(Jetzt habe ich Idiot eine viel schlechter formulierte Erklärung gegeben, statt erst einmal weiterzulesen.)

Passiert mir auch immer wieder *gg*

Danke,

also so wie der Fuchs der jeden Hasen erwischt und dann letztendlich verhungern muss...

Genau

Eigentlich ganz logisch, die Effizienz kann durch die begrenzte Ressource nur bis zu einem gewissen Punkt gesteigert werden, danach wird die Population, die das Genom trägt, welche die Effizienzgrenze überschreitet, ausgelöscht.

die bräuchten medien und ein paar politclowns, und schon würden die sklaven die eigene versklavung nicht nur als alternativlos akzeptieren, nein, sie würden sie sich sogar sehnlichst herbeiwünschen;-)

...Freiheit ist Sklaverei...

Ja, heute gilt es bei diversen Spinnern ja schon als "Sklaverei" wenn man nur 50% seines Einkommens von anderen in den A.... geschoben bekommt und nicht 100%. Die Gier ist groß, nicht wahr?

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